BEGIN:VCALENDAR
VERSION:2.0
PRODID:-//wp-events-plugin.com//7.2.3.1//EN
TZID:Europe/Berlin
X-WR-TIMEZONE:Europe/Berlin
BEGIN:VEVENT
UID:59@thomasmann-bonnkoeln.de
DTSTART;TZID=Europe/Berlin:20131111T193000
DTEND;TZID=Europe/Berlin:20131111T193000
DTSTAMP:20250624T122759Z
URL:https://thomasmann-bonnkoeln.de/termine/dietmar-kanthak-mein-thomas-ma
 nn/
SUMMARY:Dietmar Kanthak: „Mein Thomas Mann“
DESCRIPTION:Am 11. November hat Herr Dietmar Kanthak\, Feuilleton-Chef des 
 General-Anzeigers\, mit seinem Vortrag „Mein Thomas Mann“ eine Serie i
 nnerhalb unseres Programms eröffnet\, die im kommenden Jahr Herr Prof. Dr
 . Christian von Weizsäcker als unser Vereins-Mitglied mit seiner entsprec
 hend individuellen Einschätzung zu Thomas Mann fortsetzen wird.\n\nDie Er
 wartung auf diese mehr persönliche Darstellung des großen Autoren Thomas
  Mann war enorm\, denn der große Saal im UniClub hatte nur noch sehr weni
 ge freie Plätze. Am Ende honorierte das Publikum mit vielen neuen Gesicht
 ern die eloquente und lockere Vortragsart des Referenten mit großem und b
 egeistertem Beifall. Anschließend genossen die Zuhörer den informellen\,
  persönlichen Austausch in der Lobby des UniClubs bei Wein und anderen Ge
 tränken. Eine Stimme aus dem Nachklang zu dieser Veranstaltung sei hier z
 itiert: „Leute wie Kanthak\, die ganz unverstellt von der Lust und Liebe
  des Lesens sprechen\, vom Genuss an der Opulenz der Sprache\, machen mehr
  Werbung für große Literatur\, als jene\, die jedes Adjektiv des Autors 
 einzeln auf die semantische Waagschale werfen.“\n\nEs freut uns sehr\, d
 ass uns Dietmar Kanthak seinen Vortragstext zur Verfügung gestellt hat:\n
 „Mein Thomas Mann“ – Vortrag von Dietmar Kanthak\, Leiter der Feuill
 eton-Redaktion des General-Anzeigers\, am 11.\nNovember im Universitätscl
 ub Bonn.\n\nZwei Vorbemerkungen. Zuerst die Frage: Warum bin ich hier? Als
  ich im April 2010 nach einer Woche Freizeit in der Redaktion die Post sic
 htete\, fiel mir ein Brief von Professor Dr. Hans Büning-Pfaue\, Lebensmi
 ttelchemie\, Universität Bonn\, in die Hände. „Wenn es Sie interessier
 t"\, schrieb er\, „was pensionierte Profs. noch initiieren und wie sie 
 dabei neue Lust verbreiten\, könnten Sie z. B. auf unseren (ersten!) Orts
 verein BonnKöln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft und sein Programm
  aufmerksam machen.“ Imperativer kann man einen Wunsch nicht formulieren
 . Dem konnte man\, ich nicht widerstehen. Im Januar 2010 hatte die Vereini
 gung\, die regelmäßig zu interessanten Veranstaltungen einlädt\, 70 Mit
 glieder\, teilte ich unseren Lesern mit. Und: Es dürften gern mehr sein\,
  wenn ich Hans Büning-Pfaues Zeilen richtig deutete. „Gerade für Bonn 
 ein sensibles und hoch interessantes Unterfangen“\, sagte er über seine
 n Ortsverein. „Wir haben bisher viel Erfolg\, aber noch mehr Aufmerksamk
 eit können wir gut gebrauchen.“ Die Deutsche Thomas-Mann-Gesellschaft\,
  fügte ich dann noch in meinem kleinen Text hinzu\, wurde 1955 in Lübeck
  gegründet und sei eine der größten literarischen Gesellschaften in Deu
 tschland. Ein im besten Sinne exklusiver Club. Das Schöne ist: Sie nehmen
  auch Außenseiter bei sich auf. Deshalb bin ich hier. Mit Freude habe ich
  Hans Büning-Pfaues Einladung angenommen\, die Reihe „Mein Thomas Mann
 “ der Thomas- Mann-Gesellschaft BonnKöln zu eröffnen.\n\nZweite Vorbem
 erkung: Ich bin kein Germanist\, sondern Anglist\, Romanist – und Journa
 list. Da können Sie keine Wunder erwarten. Allerdings einige Anmerkungen 
 zu „meinem Thomas Mann“\, in den meisten Fällen eher anekdotisch als
  analytisch\, im Zweifel eher lebendig als literaturwissenschaftlich. Wobe
 i sich beides ja nicht ausschließt.\n\nDer Vortrag spiegelt persönliche 
 Erfahrungen mit dem Werk Thomas Manns\, er spiegelt meine Interessen – u
 nd meine Arbeit als Tageszeitungsredakteur. Zur Sprache kommen\, allgemein
  formuliert\, Literatur\, Theater und Film\, Literaturkritik und immer wie
 der der Journalismus – alles im Zusammenhang mit selbst Erlebtem. Was fe
 hlt\, sind Abhandlungen über die Lieblingswerke (Tonio Kröger\, Tod in V
 enedig\, Lotte in Weimar) und Spekulationen über die ungelesenen Werke (J
 oseph und seine Brüder zum Beispiel\, das hole ich aber nach!).\n\nIch ha
 be zumindest einmal in Diensten Thomas Manns gewirkt. Während des Studium
 s\, lang ist’s her\, habe ich in England und in Frankreich ein paar Pfun
 d respektive Francs mit dem Deutschunterricht an einer Gesamtschule (Engla
 nd) und einem Gymnasium (Frankreich) verdient. Den anspruchsvollsten Schü
 lern habe ich – ganz Botschafter deutscher Hochkultur – Thomas Manns 
 „Tod in Venedig“ versucht schmackhaft zu machen. Erlauben Sie mir ein 
 kurzes Zitat\, Fischer-Taschenbuch Seite 9: Gustav von Aschenbach wird von
  Reiselust ergriffen.\n\nThomas Mann schreibt: „Es war Reiselust\, nicht
 s weiter\; aber wahrhaft als Anfall auftretend und ins Leidenschaftliche\,
  ja bis zur Sinnestäuschung gesteigert. Seine Begierde ward sehend\, sein
 e Einbildungskraft\, noch nicht zur Ruhe gekommen seit den Stunden der Arb
 eit\, schuf sich ein Beispiel für alle Wunder und Schrecken der mannigfal
 tigen Erde\, die sie auf einmal sich vorzustellen bestrebt war: er sah\, s
 ah eine Landschaft\, ein tropisches Sumpfgebiet unter dickdunstigem Himmel
 \, feucht\, üppig und ungeheuer\, eine Art Urweltwildnis aus Inseln\, Mor
 ästen und Schlamm führenden Wasserarmen\, - sah aus geilem Farrengewuche
 r\, aus Gründen von fettem\, gequollenem und abenteuerlich blühendem Pfl
 anzenwerk haarige Palmenschäfte nah und fern emporstreben\, sah wunderlic
 h ungestalte Bäume ihre Wurzeln durch die Luft in den Boden\, in stockend
 e\, grünschattig spiegelnde Fluten versenken\, wo zwischen schwimmenden B
 lumen\, die milchweiß und groß wie Schüsseln waren\, Vögel von fremder
  Art\, hochschultrig\, mit unförmigen Schnäbeln\, im Seichten standen un
 d unbeweglich zur Seite blickten\, sah zwischen den knotigen Rohrstämmen 
 des Bambusdickichts die Lichter eines kauernden Tigers funkeln – und fü
 hlte sein Herz pochen vor Entsetzen und rätselhaftem Verlangen.“\n\nSie
  können sich die Begeisterung der Schüler vorstellen\, als sie das geles
 en hatten. Erste Erkenntnis: Thomas Mann ist nicht ohne Arbeit zu haben.\n
 \nDen Autor habe ich während meines Studiums nicht aus den Augen verloren
 . Das lag nicht unwesentlich an einer Zeitung\, die ich seit Ende der Schu
 lzeit regelmäßig las: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung\, ihr fürs Feu
 illeton zuständiger Herausgeber Joachim Fest und der Literaturchef Marcel
  Reich-Ranicki waren eine hocheffiziente\, leidenschaftliche Thomas-Mann-W
 erbeagentur\; er war zu dieser Zeit der Hausgott des Feuilletons. Ich möc
 hte unterstreichen\, wie wichtig auch der Journalismus dabei ist\, Werke d
 es literarischen Kanons zu vermitteln. Fest hat oft und klug über Mann pu
 bliziert\, Reich-Ranicki auch\, überdies veröffentlichte er ein immer no
 ch lesenswertes Buch über „Thomas Mann und die Seinen“.\n\nDas hat er
  im Februar 1988 in Bonn vorgestellt\, und zwar im Haus der evangelischen 
 Kirche\, unweit von hier. Einen Monat später startete das Literarische Qu
 artett im ZDF. An den Auftritt des Kritikers in Bonn will ich kurz erinner
 n. Reich- Ranicki begann mit einem Zitat: „Er brauchte das Publikum\, ab
 er nicht nur Leser\, sondern auch Zuhörer und Zuschauer\, vor denen er si
 ch produzieren konnte. Ja\, er war bereit\, seinen ganzen Habitus den Erfo
 rdernissen der Rolle unterzuordnen\, die er auf sich genommen hatte. Die k
 unstvolle Selbststilisierung - das war sein Element.' Was der Kritiker Mar
 cel Reich-Ranicki in diesen Zeilen über Thomas Mann gesagt hat\, traf auc
 h\, zumindest partiell\, auf ihn zu. Im Haus der Evangelischen Kirche gab 
 Reich-Ranicki in der Rolle des deutschen Literaturpapstes vor gut 600 Zuh
 örern eine Demonstration seiner beträchtlichen rhetorischen wie schausp
 ielerischen Begabung.\n\n„Thomas Mann und die Seinen“: War das ein Buc
 h? Oder vielmehr eine zwischen zwei Buchdeckeln zusammengefasste Sammlung 
 von Zeitungsartikeln\, somit eher ein kommerzielles als ein schriftsteller
 isches Unternehmen? Die Frage drängte sich auf. Nein\, sagte Reich-Ranick
 i\, alle Aufsätze seien im Hinblick auf das Buch geschrieben worden. Die 
 besten Bücher großer Kritiker - Lessing und Heine\, Kerr und Kraus – a
 rgumentierte er\, seien nichts anderes als die Summe vorher publizierter A
 rbeiten.\n\nReich-Ranicki betrachtete sein Mann-Buch als das Produkt einer
  jahrzehntelangen Beschäftigung mit Thomas Mann und den Seinen. Dass es s
 ich bisher zwar anständig verkauft habe\, aber kaum einmal rezensiert wor
 den sei\, verdross ihn sehr: Da wusste der Kritiker\, wie sich die Autoren
  fühlten\, die er mit Schweigen überging.\n\nDas Thema Thomas Mann lag E
 nde der achtziger Jahre im Trend. Einer Studie des Allensbacher Instituts 
 für Demoskopie zufolge hielt ein repräsentativer Bevölkerungsquerschnit
 t Thomas Mann für den bedeutendsten deutschsprachigen Autor dieses Jahrhu
 nderts - vor Bertolt Brecht. Freilich gründete sich Thomas Manns Populari
 tät danach vor allem auf den Roman „Buddenbrooks“ und allenfalls noch
  auf den „Zauberberg“. Weiß jemand\, wie es heute um den Ruhm Thomas
  Manns steht? Stichproben im Kollegen-\, Bekannten- und Freundeskreis habe
 n gezeigt: Er lebt im Bewusstsein vieler Menschen. Hoffentlich wird er auc
 h gelesen.\n\nZum Erfolg des Autors hatte gewiss die Veröffentlichung der
  Tagebücher und Briefe beigetragen\, die Manns homoerotische Neigungen\, 
 seine Fehler und Schwächen offenbarten. Die Entmonumentalisierung des Aut
 ors hatte den Erfolg seines Werkes befördert.\n\nAn diesem Prozess hatte 
 Marcel Reich-Ranicki maßgeblich mitgewirkt. Seine Verehrung für Thomas M
 ann zeigte sich übrigens gerade darin\, dass er sich dem Autor nicht auf 
 Knien näherte. „Wenn ein Autor gut ist\, braucht man sich ihm nicht auf
  Knien zu nähern. Und wenn er schlecht ist - wozu sich ihm dann überhaup
 t nähern?“\n\nBonn erinnerte Reich-Ranicki an ein Schlüsselerlebnis se
 iner Beschäftigung mit Thomas Mann. 1937 wurde im Bekanntenkreis das Typo
 skript des berühmten Briefes Manns an den Dekan der philosophischen Fakul
 tät der Bonner Universität verlesen. Sie hatte dem berühmten Schriftste
 ller den Ehrendoktor aberkannt. Manns Emigration\, so Reich- Ranicki\, sei
  eigentlich ein Glücksfall für Deutschland gewesen. Erst in der Emigrati
 on wurde er zur Gegenfigur Hitlers\, zum Repräsentanten des anderen Deuts
 chland. Da ist er ganz „mein Thomas Mann“.\n\nReich-Ranicki rühmte T
 homas Mann als Schriftsteller\, der in stilistischer Hinsicht keine Entwic
 klung durchgemacht habe:\n\n„Der war gleich vollkommen.“ Man kann das 
 auch als Fluch empfinden. Oscar Wilde hätte gesagt: Da kann er sich ja ga
 r nicht weiterentwickeln. Vollkommen - das lässt sich von der Person des 
 Dichters nicht behaupten\, wie der Kritiker Reich- Ranicki darlegte. In ei
 nigen Passagen aus seinem Buch schilderte Reich-Ranicki den Großschrifts
 teller als Großkaufmann\, er beschrieb seine Lust\, ja\, Sucht zu repräs
 entieren. Mann erschien eitel und empfindlich\, unnahbar und einsam\, in h
 öchstem Maße neurotisch\, kurz: keine liebenswerte Figur. „Sympathisch
  können nur diejenigen Genies sein\, über die wir fast nichts wissen - W
 olfram von Eschenbach etwa oder Shakespeare“\, sagte Reich-Ranicki. Wie 
 so oft hatte er auch hier recht. Ich komme aufs Biografische später noch 
 zurück.\n\nIm Anschluss an die Lesung saßen wir gemeinsam mit dem Buchh
 ändler Thomas Grundmann von Bouvier noch in geselliger Runde zusammen. Re
 ich-Ranicki bestellte sich einen Whisky\, rauchte einen Zigarillo und widm
 ete sich einer Lieblingsbeschäftigung: dem literarischen Klatsch. Gibt’
 s Neuigkeiten von Ulla Hahn? Ich war an diesem Abend in Begleitung einer h
 übschen Praktikantin. Ich fuhr sie später nach Hause. Im Auto erzählte 
 sie mir\, dass Reich-Ranicki sie für den nächsten Morgen zum gemeinsamen
  Frühstück ins Hotel Königshof eingeladen habe\; das hatte keiner mitbe
 kommen. Der Kritiker war ein Profi durch und durch.\n\nDas Frühstück sol
 l sehr vergnüglich gewesen sein. Es war lange von Marcel Reich-Ranicki di
 e Rede. Das hat seinen Grund. Er war zwar kein Vorbild\, aber ein großer 
 Einfluss für mich. Man konnte viel von ihm lernen: Verständlichkeit und 
 Methoden\, um journalistische Texte gut und wirkungsvoll zu verkaufen. Und
 \, wichtiger noch: Ohne Leidenschaft\, darauf legte er Wert\, geht es in d
 iesem Beruf nicht. Im vergangenen September ist Marcel Reich-Ranicki im Al
 ter von 93 Jahren gestorben.\n\nKommen wir zum Theater. 1988 war auch hier
  ein Schicksalsjahr für mich. Es war Mai. Und Martin Benrath\, der große
  Schauspieler\, trat mit einem Thomas-Mann-Programm in den Kammerspielen i
 n Bad Godesberg auf.\n\nDie Rahmenhandlung geht so: „Ein einfacher junge
 r Mann reiste im Hochsommer von Hamburg\, seiner Vaterstadt\, nach Davos-P
 latz im Graubündischen. Er fuhr auf Besuch für drei Wochen." Die Sache\,
  wie man weiß\, verzögerte sich. Hans Castorp\, "des Lebens treuherziges
  Sorgenkind" und Hauptfigur in Thomas Manns Roman „Der Zauberberg"\, bli
 eb sieben Jahre in Davos\, erlag der Faszination des Morbiden und Dekadent
 en. Von Lust und Liebe\, Krankheit und Tod handelt der Roman und von der L
 angeweile\, die sich in der Umgebung eines Sanatoriums naturgemäß einste
 llt.\n\nAblenkung kommt in Form eines „gestutzten kleinen Sarges aus Gei
 genholz“\, den Hofrat Behrens in dem Kapitel „Fülle des Wohllauts" se
 inen Kranken präsentiert. „Es war ein strömendes Füllhorn heiteren un
 d seelenschweren Genusses. Es war ein Musikapparat. Es war ein Grammophon.
 “\n\nMartin Benrath sprach dieses letzte Wort in den Kammerspielen wie e
 inen geheiligten Namen. In seinem von Dieter Kranz zusammengestellten Prog
 ramm "Fülle des Wohllauts" verwandelte der Berliner Schauspieler sich in 
 den jungen\, von der Magie des Grammophons überwältigten Castorp. Benrat
 hs Auftritt war eine Sensation: ein Abend großer Schauspielkunst und Inte
 nsität. Benrath schlüpfte in viele Rollen\, auch in die des Autors. Im 
 grauen Zwirn kam er wie ein wandelndes Ebenbild Thomas Manns auf die Bühn
 e: soigniert und ein bisschen blasiert\, gediegen\, überlegen und so korr
 ekt wie seine Bügelfalte. Den Text erweckte Benrath zum Leben\, ebenso di
 e Musik\, von der lang und breit die Rede ist: Hans Castorps Vorzugsplatte
 n. Zu Gehör kamen\, kratzend und knirschend vom Grammophon\, Rossini und 
 Puccini\, Verdi und Bizet\, Gounod und Schubert\, nicht unbedingt die Favo
 riten Thomas Manns. Genussvoll machte Benrath sich Manns Spott über Casto
 rps Geschmack zu eigen\, freilich ohne Häme. Es war der zärtliche Spott 
 des Liebhabers.\n\nBenrath entwickelte das Porträt eines Musikenthusiaste
 n\, lauschte verzückt und ergriffen oder schaute pikiert\, als triviale T
 anzmusik aus der Truhe dudelte. Wenn\, wie Mann schreibt\, ein Gesangton s
 charf oder grölend verlautete\, was namentlich bei den heiklen Frauenstim
 men so leicht sich ereignete\, hielt Benraths Castorp sich die Ohren zu: 
 „Liebe muss leiden.“ Die Wortmusik der „Zauberberg“-Prosa\, die ge
 schliffene Ironie des Autors\, sein Esprit und Witz wurden in Benraths Spi
 el lebendig. Sein vergnüglicher Vortrag provozierte intelligentes Lachen\
 , an keiner Stelle machte sich Benrath über Manns preziöse Wendungen lus
 tig: ein idealer Interpret. Zum Ende des Programms wurde es todernst. Nach
  ein paar Takten von Schuberts „Lindenbaum“\, jenem Lied\, bei dem Cas
 torp eine ästhetisierte Todessehnsucht verspürt\, brach die Musik ab. De
 r Erzähler Benrath machte einen Sprung ins letzte Kapitel\, in dem ein ba
 naler\, ganz und gar unwürdiger Tod auf dem Schlachtfeld nur allzu leicht
  zu haben ist. Das Publikum in den Kammerspielen hielt kurz inne\, bevor e
 s den Schauspieler feierte. Das war ein unvergesslicher Abend. Solche Hö
 hepunkte sind selten geworden im Theater.\n\nThomas Mann war kein bedeuten
 der Dramatiker\, schade eigentlich. Manchmal kommen Bearbeitungen seiner P
 rosa auf die Bühne\, zum Beispiel in Düsseldorf\, das sind - für mich -
  in der Regel bemühte\, langatmige Versuche. In seinem Buch „1913. Der
  Sommer des Jahrhunderts“ hat Florian Illies eine hübsche Miniatur übe
 r die Premiere der „Fiorenza“ in Berlin geschrieben\, in der Thomas Ma
 nn auf den Kritiker Alfred Kerr trifft. Mann weiß\, dass ihn ein Desaster
  erwartet. Gequält hatte er bei den Proben das Stück verfolgt\, das die 
 Florentiner Hochrenaissance zum Leben erwecken sollte: „aber es kommt n
 icht in Fahrt\, mehr Uff als Uffizien“.\n\nDann meint Mann\, auf den Zü
 gen Kerrs\, den er beobachtet\, ein Lächeln zu entdecken: „Es ist das L
 ächeln des Sadisten\, der sich freut\, dass ihm diese Inszenierung schön
 sten Stoff zum Quälen bietet.“ Kerrs Kritik empfindet er dann als eine 
 Vernichtung\, er fühlt sich getroffen „bis ins Blut“. Mann: „Ein gi
 ftiges Gejökel\, dem der Ahnungsloseste die persönliche Mordlust anmerke
 n muss!“\n\nGehört der Sadismus zum psychologischen Profil des Theaterk
 ritikers? Ich glaube nicht. Aber es gibt Momente\, wo es teuflischen Spaß
  macht\, sich den Frust von der Seele zu schreiben. Man sollte nur seine G
 renzen kennen. Beispiel Michael Prelle. Den Bonner Schauspieler habe ich i
 n den neunziger Jahren einmal für die Sünden des Regisseurs leiden lass
 en\, es ging um ein irisches Drama. Prelle konnte persönlich nichts für 
 die Inszenierungs-Katastrophe. Das stand aber so nicht in der Zeitung. Am 
 Morgen\, als die Kritik erschien\, traf ich Prelle zufällig im Supermarkt
 . In seinem Blick: eine Mischung aus Leid\, Verletzung\, Depression.\n\nVo
 m Theater komme ich nun zum Film. Sie alle kennen den „Tod in Venedig
 “ aus dem Jahr 1971. Ich kann mich erinnern\, dass Luchino Viscontis Fil
 m Anlass für eine uralte Debatte war. Hatte er Thomas Manns Text getreu i
 n die Sprache des Kinos übersetzt? Eine\, wie ich finde\, überflüssige 
 Debatte. Ich halte es mit der englischen Filmkritikerin Dilys Powell (1901
 - 1995)\, die dafür plädierte\, eine Literaturverfilmung als eigenständ
 iges Werk zu betrachten. Im Theater sieht das anders aus. Dilys Powell\, d
 ie für die Sunday Times schrieb\, rühmte den „Tod in Venedig“ über 
 alle Maßen. Ihre amerikanische Kollegin Pauline Kael\, noch berühmter\, 
 fand das Werk überladen: eine endlose Kette von motivischen Wiederholunge
 n\, zu viel ästhetische Debatte. Und Dirk Bogarde als Aschenbach? Langwei
 lig. David Thomson\, ein einflussreicher englischer Kritiker und Filmhisto
 riker\, beschrieb den Film als Flop: „eine klebrige Kruste an der Oberfl
 äche - und nichts darunter“.\n\nFür diesen Vortrag habe ich „Tod in 
 Venedig“ noch einmal angesehen. Man kann einiges gegen das Werk einwende
 n\, gewiss. Aber er lohnt allein für die magische Exposition\, die Einfah
 rt der Esmeralda in Venedig\, für den Einsatz von Mahlers Musik. Die Tode
 smotive sind wunderbar inszeniert. Gleich zu Beginn schon und später\, al
 s der Barbiere Aschenbach künstlich verjüngt\; es sieht aus\, als schmi
 nke er eine Leiche. Ich bin ein großer Fan von Dirk Bogarde\, wie sein As
 chenbach sich lächerlich macht\, als er liebestrunken durch Venedig staks
 t\, ist grandios. Als ihn in einer Szene die Kräfte verlassen und er an e
 inem Brunnen niedersinkt\, wird die Tragikomik seiner Existenz anrührend 
 spürbar. Dafür verzeiht man dem Film die Siebziger-Jahre-Zoom-Ästhetik 
 und die in der Tat ungelenk eingefügten\, ermüdenden Diskussionen übers
  Künstlertum und das Sinnliche. Visconti und sein Drehbuch-Koautor Nicola
  Badalucco hatten hierfür eigens eine Figur hinzuerfunden. Die Konflikte\
 , die Aschenbach (oder auch Tonio Kröger) zerreißen\, sind in der Prosa 
 Thomas Manns endlos faszinierend\, Visconti hatte sie jedoch ohne Not verd
 oppelt. Die Geschichte hätte ohne einmontierten Diskurs besser funktionie
 rt. Der Film hatte Wirkung\, vor allem auf seinen Hauptdarsteller. Bogarde
  war nach den Dreharbeiten in Aschenbach gefangen\, er wurde ihn lange nic
 ht los.\n\n„Mein Thomas Mann“\, der Titel dieses Vortrags\, erlaubt kr
 itische\, fiese\, ausfallende Anmerkungen zum Zauberer Thomas Mann. Mit li
 ebevollem Spott hat der Schriftsteller Hans Pleschinski in seinem Roman 
 „Königsallee“ ein Denkmal für Mann errichtet. Einige von Ihnen werde
 n sich an Pleschinskis champagnerhaft süffige Lesung in der Buchhandlung 
 Böttger in Bonn erinnern.\n\nEr schreibt in seinem Roman über Thomas Man
 n: „Der Berühmte! Welche Berühmtheit! Gelesen und ungelesen. Der Teega
 st von Präsident Roosevelt\, der Schöpfer von Hans Castorp\, des leicht 
 teigigen Sinnsuchers\, der am Schluß für Kaiser und Vaterland ins Sperrf
 euer stürmt! Der Erfinder eines Zwiegesprächs zwischen dem Teufel und ei
 nem Komponisten\, der Urheber von Königliche Hoheit – welch Kinoerfolg!
  -\, der Künstler\, der die Lübeck-Saga in die Welt gesetzt hatte\, der 
 Befürworter der Bombardierung Deutschlands\, Gastgeber für Einstein und 
 Marlene Dietrich\, der Magier\, der aus Buchstaben auf Tausenden von Seite
 n das pharaonisch-biblische Ägypten auferstehen ließ\, Josephs- Geschich
 ten\, der Heraufbeschwörer schwüler Lust\, wenn Potiphars Weib den junge
 n Ebräer schmachtend anlispelt\, ein siecher Venedigreisender seine sinke
 nde Hand in letzter Lebenserfüllung nach dem blonden Gottknaben ausstreck
 t\, der in die Lagune entschwindet (...) Bruder und Vater von Schwestern u
 nd Sohn\, die sich das Leben genommen hatten\, akribischer Arbeiter\, Gali
 onsfigur des Guten\, Wahren und Schönen sowie des Abgründigen\, Verwerfl
 ichen\, der auf seinen Seiten sämtliche mittelalterlichen Glocken Roms l
 äuten lassen konnte\, Geschwisterliebe bedachte\, über Sohnesliebe nachs
 ann\, Erkunder der Liebe und der Trauer\, des Hochgenusses beim Porterbier
 \, der vielleicht völligen Vergänglichkeit. (...) Wie konnte ein Deutsch
 er so weit aufsteigen? In solchen Zeitläuften? Höher hinaus als schier j
 eder.“\n\nDas ist das eine. Der Mann hatte auch eine Familie\, zahlreich
 e Kinder\, die ihm seine patente Frau Katia Mann\, geborene Pringsheim\, a
 bgetrotzt hatte. War er ein guter Vater? In kleinen\, allzu kleinen Dosen 
 allenfalls. Als sich sein Sohn Klaus im Mai 1949 in Südfrankreich mit 42 
 das Leben nahm\, befand sich Thomas Mann mit Frau Katia und Tochter Erika
  auf einer Vortragstournee. Angesichts der Nachricht empfindet das Familie
 noberhaupt „Mitleid innerlich mit dem Mutterherzen und mit E(rika). Er h
 ätte es ihnen nicht antun dürfen.“ Am Suizid störte ihn das „Kränk
 ende\, Unschöne\, Grausame\, Rücksichts- und Verantwortungslose.“ Am 2
 4. Mai wurde Klaus Mann in Cannes beigesetzt. Der Vater hielt an diesem Ta
 g seine geplante Rede an der Universität von Uppsala. Der Tagebucheintrag
  vom Begräbnistag: „Neuer Waterman- Füllfederhalter. – Schlecht eing
 eschlafen. Halb drei fahler Tag draußen. Zweite Kapsel\, dann Ruhe.“ Li
 ebe sieht anders aus\, oder ich übersehe hier etwas.\n\nKlaus Mann war ei
 n produktiver\, allerdings kein großer Autor. Trotzdem habe ich den „Me
 phisto“ gern gelesen\, „Der Vulkan“ und die „Symphonie Pathétique
 “. Ich habe seine Studie über André Gide verschlungen. Er nannte sie 
 „André Gide und die Krise des modernen Denkens“ – darunter machte e
 r es nicht. Seine journalistischen und literaturkritischen Arbeiten sind o
 ft brillant\, ebenso sein Lebensbericht „Der Wendepunkt“\, zuerst 1942
  in englischer Sprache erschienen. Später hat ihn Klaus Mann in erweitert
 er Form auf Deutsch veröffentlicht. Darin erfährt man viel über den All
 tag im Hause Mann. Über seine Mutter schreibt Klaus Mann mit viel Gefühl
 \, die Mutter\, verallgemeinert er\, „ist uns näher als der Vater\, der
  dem Sohne ein Fremder bleibt“. Ein kleiner\, ein tragischer Satz. Klaus
  Mann war\, in den Worten Marcel Reich-Ranickis\, dreifach geschlagen: Er 
 war homosexuell. Er war süchtig. Er war der Sohn Thomas Manns. 1937 notie
 rte Klaus in seinem Tagebuch das Empfinden von „völliger Kälte“ sei
 tens des Vaters. „Niemals interessiert\; niemals in einem etwas ernster
 en Sinn mit mir beschäftigt. ...\n\nMischung aus höchst intelligenter\, 
 fast gütiger Konzilianz – und Eiseskälte.“ Den „Mephisto“ quitti
 erte Thomas Mann mit den Worten: „Dein Roman also hat mir großes Vergn
 ügen gemacht. Er ist leichtfüßig und amüsant\, ja brillant\, sehr komi
 sch oft und auch sprachlich fein und sauber.“ Geht es noch gleichgültig
 er? „Sprachlich fein und sauber“? Es waren hingeworfene Komplimente\, 
 die mit dem Roman nichts zu tun hatten.\n\nKein Wunder\, dass Klaus Mann i
 m „Wendepunkt“ festhielt:\n\n„Der Kinderwagen ist das verlorene Para
 dies. Die einzig absolut glückliche Zeit in unserem Leben ist die\, welch
 e wir schlafend verbringen. Es gibt kein Glück\, wo Erinnerung ist.“ Ei
 ne bittere Einsicht für einen Autobiografen.\n\nNatürlich ist nicht der 
 Vater die einzige Ursache für den Niedergang des Sohnes. Der früh von ei
 ner pathologischen Todessehnsucht erfüllte Klaus war der maßgebliche Arc
 hitekt seiner Existenz. Aber vom Vater hatte er nicht viel Hilfe zu erwart
 en. Golo Mann\, Klaus’ Bruder\, hatte sein eigenes Klagelied zu singen.\
 n\nLassen Sie mich zum Schluss noch einige Worte zu den "Buddenbrooks" los
 werden. 1999 hatten wir in einer ganzjährigen Serie im General-Anzeiger M
 eisterwerke des 20. Jahrhunderts vorgestellt. „Buddenbrooks“ gehörte 
 natürlich dazu.\n\nSeinen schriftstellerischen Erfolg überließ Thomas M
 ann ungern den Zufälligkeiten des Literaturbetriebs. Er war ein glänzend
 er Organisator seiner Karriere. Ende 1901 bedeutete er seinem ehemaligen S
 chulkameraden Otto Grautoff\, der unterdessen in der Feuilletonredaktion d
 er „Münchner Neuesten Nachrichten“ arbeitete\, was jener in einer Rez
 ension der „Buddenbrooks“ zu schreiben habe. Grautoff wurde mit den St
 ärken des Romans vertraut gemacht\, aber auch mit durchaus fragwürdigen 
 Elementen des Buches.\n\n„Tadle ein wenig“\, empfahl der Autor\, „di
 e Hoffnungslosigkeit und Melancholie des Ausganges. Eine gewisse nihilisti
 sche Neigung sei bei dem Verf. manchmal zu spüren.“ Grautoff tat\, wie 
 ihm geheißen. Dank erntete er für sein Bemühen nicht.\n\nIm Gegenteil. 
 Die Besprechung des Buches war der Endpunkt der Beziehung mit Thomas Mann.
  Grautoff hatte seine Schuldigkeit getan\, er wurde nicht mehr gebraucht. 
 Ich fürchte\, nein\, ich weiß\, dass die Dinge heute nicht viel besser l
 iegen. Vielleicht noch schlechter. Denn die meisten Literaturkritiker brau
 chen gar nicht mehr den Zuspruch durch den Autor\; sie liebesdienen aus ei
 genem Antrieb. Es wird gelobt\, bis der Arzt kommt. Die Ära Reich-Ranicki
  ist schon lange vergangen.\n\nDer 1901 erschienene Roman „Buddenbrooks
 “\, Manns\n\n„meistgelesenes und meistgeliebtes Buch“ (Peter de Mend
 elssohn)\, brachte dem Autor 1929 den Literaturnobelpreis ein. Mann betrac
 htete sein Werk als repräsentative „Seelengeschichte des deutschen Bür
 gertums\, von der nicht nur dieses selbst\, sondern auch das europäische 
 Bürgertum überhaupt sich angesprochen fühlen können“.\n\nDie Handlun
 g erstreckt sich über rund 40 Jahre\, von 1835 bis 1877. Thomas Mann erz
 ählt die Geschichte der Getreidefirma Johann Buddenbrook zu Lübeck\, vom
  Augenblick ihrer Blüte bis zum Erlöschen. Die einstmals festgefügte St
 ruktur von solidem\, herrscherhaftem Geschäftssinn löst sich im Verlauf 
 des Romans allmählich auf - wie die Identität seiner Protagonisten. An d
 ie Stelle des patrizischen Bürgertums tritt die kapitalistische Bourgeois
 ie. Am Ende steht die Schauspielerei der neuen Klasse\, „geliehene Haltu
 ngen\, kalkulierte Auftritte"\, wie Siegfried Lenz beobachtet hat.\n\nDer 
 von Mann evozierte Verfall vollzieht sich mit schicksalhafter Konsequenz u
 nd mit überzeitlichem Pathos. Familiengeschichte als Gleichnis: Der Roman
  behauptet seine Bedeutung und Aktualität für jede neue Lesergeneration\
 , weil er ein exemplarisches Dokument humanen Strebens und Scheiterns ist.
  Nicht zuletzt damit ist der bis heute andauernde Erfolg des Buches - Aufl
 age mehr als vier Millionen Exemplare - erklärlich.\n\nDie Symptome des V
 erfalls\, die Mann beschreibt\, sind Nährboden für neue Lebensformen: Of
 fenheit für die Kunst und eine besondere Sensibilität. „Ohne den déca
 dent“\, schrieb der Autor\, „den kleinen Hanno\, wären Menschheit und
  Gesellschaft seit diluvialen Zeiten keinen Schritt vorwärtsgekommen. Es 
 ist die Lebensuntauglichkeit\, welche das Leben steigert\, denn sie ist de
 m Geist verbunden.“ Das würde vielen Zeitgenossen heute als revolution
 ärer Gedanke erscheinen. Oder als absurd\, unverständlich.\n\nDie litera
 rischen Mittel des Autors hat die Wissenschaft ausführlich analysiert und
  gewürdigt\, ebenso wie die mythologischen und genealogischen\, die philo
 sophischen und religiösen\, natürlich auch die musikologischen Aspekte\,
  die Einflüsse Schopenhauers\, Wagners und Nietzsches\, das Wesen der Par
 odie\, die Funktion des Leitmotivs: reichlich Futter für die Philologie.\
 n\nDem Publikum haben die Bemühungen der akademischen Sinnsucher die Lust
  an der Lektüre nicht austreiben können. Der Roman lebt - und fasziniert
  - durch seine Sprachkraft.\n\nViele Passagen sind unvergesslich\, so zum 
 Beispiel Hannos Sterbeszene:\n\n„Mit dem Typhus ist es folgendermaßen b
 estellt: in die fernen Fieberträume\, in die glühende Verlorenheit des K
 ranken wird das Leben hineingerufen mit unverkennbarer\, ermunternder Stim
 me. Hart und frisch wird diese Stimme den Geist auf dem fremden\, heißen 
 Wege erreichen\, auf dem er vorwärts wandelt und der in den Schatten\, di
 e Kühle\, den Frieden führt. Aufhorchend wird der Mensch diese helle\, m
 untere\, ein wenig höhnische Mahnung zur Umkehr und Rückkehr vernehmen\,
  die aus jener Gegend zu ihm dringt\, die er so weit zurückgelassen und s
 chon vergessen hatte. Wallt es dann auf in ihm\, wie ein Gefühl der feige
 n Pflichtversäumnis\, der Scham\, der erneuten Energie\, des Mutes und de
 r Freude\, der Liebe und Zugehörigkeit zu dem spöttischen\, bunten und b
 rutalen Getriebe\, das er im Rücken gelassen: wie weit er auch auf dem fr
 emden\, heißen Pfade fortgeirrt sein mag\, er wird umkehren und leben. A
 ber zuckt er zusammen vor Furcht und Abneigung bei der Stimme des Lebens\,
  die er vernimmt\, bewirkt diese Erinnerung\, dieser lustige\, herausforde
 rnde Laut\, dass er den Kopf schüttelt und in Abwehr die Hand hinter sich
  streckt und sich vorwärts flüchtet auf dem Wege\, der sich ihm zum Entr
 innen eröffnet hat - nein\, es ist klar\, dann wird er sterben.“\n\nDaf
 ür\, unter anderem\, ist der Autor\, ganz persönlich und mit viel Zuneig
 ung gesagt\, „mein Thomas Mann“.
ATTACH;FMTTYPE=image/jpeg:https://thomasmann-bonnkoeln.de/wp-content/uploa
 ds/2025/04/big_33358654_0_200-150.jpg
CATEGORIES:Veranstaltung
END:VEVENT
BEGIN:VTIMEZONE
TZID:Europe/Berlin
X-LIC-LOCATION:Europe/Berlin
BEGIN:STANDARD
DTSTART:20131027T020000
TZOFFSETFROM:+0200
TZOFFSETTO:+0100
TZNAME:CET
END:STANDARD
END:VTIMEZONE
END:VCALENDAR