Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,
schon wieder ein Rundbrief, mögen Sie sagen, doch drängt es mich, auf eine Veranstaltung hinzuweisen, die in Kürze in Rahmen des Beethovenfests Bonn stattfindet:
Am 5.September um 17.00 Uhr treffen sich auf dem Altar der Kreuzkirche vier frühere Stipendiaten des Thomas Mann Hauses in Pacific Palisades zur Podiumsdiskussion, darunter der uns wohlbekannte Friedhelm Marx und der Intendant des Beethovenfests Steven Walter. Unter der Moderation von Andreas Platthaus steht das aktuelle Thema »Alles scheint erlaubt gegen den Menschenanstand« oder »Die große Gereiztheit« im Mittelpunkt. Unter dem Link: https://www.beethovenfest.de/de/programm- tickets/thomas-mann-fellows/560 finden Sie weitere Details und haben auch die Möglichkeit, ein Ticket zu bestellen. Als quasi musikalisches Statement wird sich die Pianistin Luisa Imorde mit Opus 111 von Beethoven auseinandersetzen.
Es wird ein spannender Nachmittag, würde mich freuen, Sie dort zu treffen.
Eine weitere Vorankündigung möchte ich noch machen: Am 4. November wird der frühere Schatzmeister unserer Gesellschaft Michael Haukohl zu uns sprechen über die kurze Liaison von Thomas Mann und Rotary. Ich hatte beim Stammtisch bereits darauf hingewiesen: Die Veranstaltung wird online stattfinden. Eine kleine Gruppe von „Stammtisch“-Mitgliedern werde ich in mein Büro einladen, alle weiteren Interessierten bekommen zu gegebener Zeit einen Link, mit dem Sie sich von zuhause aus einloggen können. Es ist mir jedenfalls eine besondere Freude, daß ich Herrn Haukohl dazu gewinnen konnte.
An unsere weiteren Veranstaltungen im Haus an der Redoute – am 14. Oktober 25 mit Holger Pils und am 11. November mit Barbara Beßlich werde ich nochmals explizit hinweisen. Ich hatte zuletzt vergessen zu erwähnen, daß wir an beiden Abenden einen Unkostenbeitrag von 10.- Euro erheben.
Erlauben Sie mir noch zwei Literaturhinweise.
Wie Sie vielleicht wissen, veranstaltet der Ortsverein Hamburg einen Literaturwettbewerb für junge Autorinnen und Autoren, er schreibt den „Erika und Klaus Mann-Preis“ aus. Die zweite Staffel ist gerade beendet, die besten Texte der ersten sind unter dem Titel Funkenflug im Osburg-Verlag erschienen mit dem Untertitel „Kurzgeschichten junger Autor:innen“. Ich hatte große Freude an den Texten, auch wenn ich keinen Nobelpreis-Kandidaten darunter entdecken konnte. Das Buch sei all jenen empfohlen, die ihren Kindern oder Enkel den Mut zum eigenen Schreiben geben wollen, den Mut, ihr eigenes Befinden und Erleben in einen fiktionalen Text zu bannen. Nur wer selbst einmal geschrieben hat, weiß die Leistung großer Schriftsteller zu würdigen.
Dann fiel mir noch ein keineswegs taufrisches Buch in die Hände: Frido Manns „Mein Nidden – Auf der kurischen Nehrung“. Es erschien 2012 bei mare, versammelt aber Texte, die Ende der 90er Jahre erschienen und Frido Manns erste Reisen eben dorthin nach Litauen beschreiben: Das Land nähert sich gerade dem Westen, das Ferienhaus Thomas Manns wird renoviert und die Gedenkstätte eingerichtet – es liegt viel Hoffnung in der Luft. Frido zitiert also nicht nur seinen Großvater und alle Tanten und Onkel mit deren Erinnerungen an diesen wundervollen Urlaubsort, an die Sahara des Nordens, er verfaßt auch einen historischen Abriß dieses Landstrichs mit all seinen Brüchen. Einmal gelingt es ihm auch, so anzureisen wie die Großeltern: Von Berlin mit dem Nachtzug über Danzig nach Kaliningrad und von dort mit der Fähre übers kurische Haff. Wann wird das wieder möglich sein? Einstweilen erinnere ich an den Hinweis von Frau Prof. Dr. Ruth Leiserowitz aus Nidden: täglich fährt ein Schiff von Kiel nach Klaipèda. (Rundbrief Nr.74)
Zum Abschluß der Hinweis, daß der nächste Stammtisch turnusgemäß am 9. Oktober zur üblichen Zeit am üblichen Ort stattfinden wird.
Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft,
zu unserem Stammtisch am 14. August (18.00 Uhr, Delikart Bonn) hat sich bislang nur eine Person angemeldet. Beim letzten Mal hatte ich 7 Anmeldungen und es kamen 14 – bitte, verhelft mir zu einer einigermaßen richtigen Schätzung…
…womit ich nun auch die Interessierten an unserer Arbeit herzlich begrüße.
Die zweite wichtige und erfreuliche Nachricht ist: Die erste Auflage unserer Hommage an Thomas Mann ist ausverkauft. Sobald einige Bestellungen vorliegen, lasse ich eine zweite Auflage anfertigen.
Auf unsere neue Homepage hatte ich Sie auch hingewiesen. Wenn Sie https://thomas- mann-bonnkoeln.de/ öffnen, werden Sie zwei Veranstaltungshinweise sofort entdecken: Darauf werde ich nun näher eingehen.
Am 14. Oktober 25 um 19.00 Uhr wird uns Dr. Holger Pils im Haus an der Redoute, Bad Godesberg, den von ihm herausgegebenen Briefwechsel Thomas Manns mit Ida Herz vorstellen. Dr. Pils ist im Vorstand unserer Gesellschaft, war vor einigen Jahren Direktor des Buddenbrookhauses und ist Geschäftsführer des Lyrik-Kabinetts, München.
Ida Herz hatte ich Ihnen im Rundbrief Nr. 68 vorgestellt, deren Biographie von Friedhelm Kröll mit dem Titel: Die Archivarin des Zauberers.
Bei Holger Pils liest man zunächst nur die private Korrespondenz der beiden und man fühlt sich als Thomas-Mann-Forscher der ersten Stunde. Dort im Privaten, ist er eben nicht der Übergroße, sondern eher der leidende und leidenschaftliche Kämpfer, den ich bewundere.
Parallel zu den Briefen hätte ich die Tagebücher lesen sollen – ich tat es nicht – Holger Pils tat es, was sein Nachwort so außerordentlich lesenswert macht. Dieses Nachwort ist im Grunde eine Biographie von Ida Herz, die aber – im Gegensatz zu Kröll – nicht mit Thomas Manns Tod endet, sondern auch ihre weiteren 30 Lebensjahre beleuchtet, und somit auch ihre Lektüre von Thomas Manns Tagebüchern, in denen sie nicht immer so liebevoll dargestellt wird, wie im Doktor Faustus als Kunigunde Rosenstil.
Von der ersten Begegnung in der Straßenbahn über die Zusammenarbeit in München und Ida Herzens beherzte Rettungsaktionen von Manuskripten Thomas Manns, von ihrer existentiellen Bedrängung als Jüdin in Nazi-Deutschland bis in ihr Exil in England belommt man ein plastisches Bild des schwierigen Alltags der beiden in schlimmen Zeiten. Ich will hier nicht zu viel verraten, will Sie neugierig machen auf das Buch und vor allen auch auf den Vortrag von Holger Pils in der Redoute.
Gerade zuvor hatte ich einen genauso umfänglichen Briefband gelesen, Thomas Manns Briefwechsel mit Agnes E. Meyer. Dieser, von Hans Vaget herausgegebene Band, erschien bereits 1992, und ist aktuell nicht lieferbar, weshalb ich näher darauf eingehen möchte.
In beiden Fällen sind Frauen die Adressatinnen, die ihm zuweilen etwas zu nahe kamen oder kommen wollten, wogegen er sich mit Entschiedenheit verwahrte. So wehrt er sich Agnes Meyer gegenüber am 8. März 1943 mit ausgesuchter Höflichkeit gegen ihre pädagogische Großherzigkeit … Ich weiß mich sehr unzulänglich, aber ich bin, und das bin ich mit Nachdruck, und nicht allein durch meine Jahre bin ich untauglich zum Objekt der Erziehung.
Hier schrieb er an eine Gönnerin, und im Falle von Ida Herz war er der Gönner. Gerade der Unterschied des Tons sagt viel über Thomas Mann aus. Ida Herz gegenüber ist er oft leger und plauderhaft, in Agnes Meyer sah er eine Intellektuelle auf Augenhöhe, mit der er sich intensiv über die Arbeit an seinen Romanen austauscht. Man liest Thomas Mann, erkennt seine Sprache, und dennoch ist sie ungefiltert, nicht auf den literarischen Thron gehoben. Man schaut ihm beim Denken und Fühlen zu, beim Ertragen des Untergangs seines Heimatlandes, offen und ungeschönt. So 1945: Heinrichs Frau starb „zum Glück“ (!), Deutschland hat auf ewig seine Macht verloren. Wird sein Geist wieder auferstehen und die Welt befruchten? Der letzte Satz des Jahres, der Bericht von einem Journalistenbesuch: Ich hätte doch für dieses Jahr meinen Tod prophezeit, wie es denn komme, daß ich noch immer lebe. Es war nicht leicht, mich herauszureden.
1946, ein kurzes Briefjahr, unterbrochen durch die Lungen-OP. Eine Rippe hat man mir auch genommen und mich genauso wenig gefragt wie Gott den Adam. Ist aber bei mir kein Evchen daraus geworden.
3. Dezember ’47: Das Faustus-Projekt ist abgeschlossen. Es ist das Beste, … was ich je zugebenhatte, dennesistdieSynthesismeinerFähigkeiten, meines Könnens und Wissens, das direkteste, persönlichste und leidenschaftlichste meiner Bücher… Daneben wird er mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert, namentlich von Klaus angesichts der Figur von Saul Fittelberg.
Die Sorge vor einem dritten Weltkrieg taucht immer wieder auf. Er nimmt seine „Alterssünden“ – um es mit Rossini zu sagen – in den Blick, das mittelalterliche Stück um Gregorius und Felix Krull: Das Komische, das Lachen, der Humor erscheinen mir mehr und mehr als Heil der Seele… (10.10.1947)
Dann das Ringen um die Frage, nach Deutschland zu reisen oder nicht – obgleich er weiß, daß es mit der Denazifikation rein nichts ist. Im Juni 1949 die Nachricht vom Freitod Klausens. Er beschloß, aktiv zu bleiben und seinen Verpflichtungen nachzukommen. Aber ein dunkler Schleier liegt seitdem über allem Tun und Treiben. Seine Brüder Heinrich und Viktor folgen binnen eines Jahres. Er aber habe eine gewisse Anhänglichkeit gefaßt an diese grüne Erde…
Zu Weihnachten kommt die Familie zusammen, auch Medi mit ihren Kindern und Borgese sind da: Antonio, der ein etwas anstrengender, aber hochgescheiter Mann ist. Wie leicht ist er glücklich zu machen! Man muß ihn nur ganz allein reden lassen.
In Frankreich ist der Docteur Faustus ein sensationeller Erfolg. Am 16. Dezember 1952 wird ihm das Kreuz der Ehrenlegion zugesprochen. Ich muß sagen, daß keine Ehrung meiner Arbeit mir je soviel Vergnügen gemacht hat.
In Amerika muß er sich immer neuer Anfeindungen erwehren: … es grämt mich nur, daß dies Land der Pioniere und der Freiheit heute in der ganzen Welt das Alte, Verbrauchte, Faule und Korrupte unterstützt….
In vielen Briefen beschreibt Thomas Mann seinen Sohn Golo als vorzüglichen Jungen, der seinen Weg machen wird. Da hatte er recht.
Er ist gerührt vom Bekenntnis Agnes Meyers, daß sie sich von seinen Schriften angezogen fühlte, wie eine Pflanze von der Sonne. So viel zu diesem Buch.
Zu unserer nächsten Veranstaltung:
Am 11. November ‘25, wieder um 19.00 Uhr im Haus an der Redoute wird Prof. Dr. Barbara Beßlich ihre Publikation Der Biograph des Komponisten. Unzuverlässiges Erzählen in Thomas Manns Roman Doktor Faustus vorstellen.
Frau Beßlich ist in Bad Godesberg aufgewachsen und zur Schule gegangen und ist seit 2008 als Nachfolgerin von Dieter Borchmeyer Professorin an der Uni Heidelberg. Sie versteht es, für Literatur zu begeistern: Ein Dutzend ihrer Studenten kam mit nach Lübeck.
Das Buch ist eine universitäre Publikation, es ist ein narratologischer Text, er nimmt die Erzähltechnik Thomas Manns in den Fokus und zieht daraus inhaltliche Rückschlüsse. Beßlich beweist, daß germanistische Texte sehr fesselnd sein können.
Sie nimmt insbesondere die Erzählerfigur Zeitblom in den Blick, dessen Halbwissen die Leser zum Weiterdenken animiert, diese schlauer macht als den Erzähler selbst…
Diese Unzuverlässigkeit des Erzählers Zeitblom wird als literarischer Kunstgriff beschrieben, als Metaebene über der Erzählhandlung, als Ausweis der Modernität Thomas Manns. Selten hatte ich so viele Aha-Erlebnisse auf so wenigen Seiten. Ich werde in einem späteren Rundbrief noch näher darauf eingehen, merken Sie sich den 11.11. vor – da gibt es nicht nur Karneval in Bonn.
Ich komme zurück zur Jahrestagung in Lübeck und wir gehen im Leben Thomas Manns weiter zurück als bisher: In das Jahr 1925. Thomas Mann wird 50 Jahre alt und eine erste Biographie erscheint.
In Lübeck hatte Dr. Irmtraud Hnilica berichtet, daß sie in Vorbereitung ihres Vortrags in Berlin eine Entdeckung gemacht habe: Einen Park in Charlottenburg, der nach Margarete und Arthur Eloesser benannt ist. (Er starb 1938 in Berlin, sie wurde 1942 nach Riga deportiert) Arthur Eloesser war Literaturhistoriker und Literaturkritiker. Er bezeichnet sich selbst als Freund Thomas Manns und als solcher macht er diesem die Biographie zum Geschenk, das Geschenk eines Journalisten, lesbar, witzig und dennoch mit Tiefgang, eine Würdigung, die in der „Begrüßung“ etwas zu pathetisch daherkommt, aber schon mit der Erkenntnis: …er hat nie mit etwas andrem als dem Eigensten gewirtschaftet …
Das Spannende ist der Blick des Zeitgenossen, der Blick, der vom sogenannten Dritten Reich noch nicht verschattet ist, aber vom Zauberberg erleuchtet. Es gibt noch keinen Nobelpreis, keine Josefs-Romane und keinen Faustus, aber viel Ahnung und viel Hoffnung auf Großes, das noch kommen möge.
Das Buch besteht in großen Teilen aus germanistischen Betrachtungen der einzelnen Werke Thomas Manns. Private und politische Bezüge werden nur am Rand erwähnt, zum Beispiel, daß es im Erdgeschoss in der Mengstraße vor hundert Jahren eine Buddenbrook-Buchhandlung gab. Von Homosexualität ist nicht die Rede, interessant allerdings die Aussage, er sei als Junge der „Gebieter“ der ihn umgebenden Frauen gewesen, der Mutter und der kleinen Schwestern. Papa machte Geschäfte und Politik, und der große Bruder gab sich mit dem jungen Gemüse nicht ab…
Ich wünsche allerseits einige warme Sommertage und würde mich über eine rege Teilnahme am Stammtisch freuen, herzlich
Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,
die Anregungen der Jahrestagung werden uns noch lange beschäftigen, und dies taten sie auch beim sehr gut besuchten Stammtisch am 26.Juni. Der nächste wird am 14.August stattfinden, also am zweiten Donnerstag des übernächsten Monats, des vereinbarten Regeltermins also.
Ich stelle dies voran, da dieser Termin sich auch prominent dargestellt findet auf unserer neugestalteten Homepage https://thomasmann-bonnkoeln.de/. Schauen Sie sich um auf der Seite und geben uns bitte Anregungen und Kritik. Frauke May und ich haben in den letzten Monaten viel Zeit in die Sache investiert und wir sind der Überzeugung, daß wir nun wieder eine ordentliche Visitenkarte im Netz stehen haben.
Der eigentliche Anlaß dieses Rundbriefs ist das Erscheinen der Übersetzung der Hommage de la France à Thomas Mann von Thomas Schmalzgrüber und Axel Volhard. Ich wiederhole die Namen dieser unserer Mitglieder bewußt, um ihre große Leistung hervorzuheben. Wir bringen damit ein Projekt zum Abschluß, das ich mit dem Rundbrief Nr. 51 vom 7. Mai 1923 angeschoben habe. Ich danke allerseits für den langen Atem und gestehe, daß ich erst jetzt, mit dem gedruckten Buch in Händen, die Texte erstmals vollständig gelesen habe, und zwar in dem Bewußtsein, daß sie an den noch lebenden Thomas Mann adressiert waren, daß die Gratulanten damit rechnen mußten, eine Stellungnahme des großen Meisters zu erhalten – erhielten sie wohl nicht! In den wenigen und ereignisreichen Wochen zwischen dem 80. Geburtstag 1955 und seinem Tod wird er kaum die Zeit gefunden haben, sein auf Japanpapier gedrucktes Exemplar sorgfältig zu lesen.
Treibende Kraft hinter der Hommage war Martin Flinker (1895 – 1986), ein aus Österreich-Ungarn stammender Buchhändler, Verleger und Schriftsteller, dem es 1938 nach dem Anschluß gelang, mit seinem Sohn Karl nach Frankreich zu fliehen. Vor der deutschen Besatzungsarmee ging die Flucht weiter nach Marokko. Nach dem Kriege eröffnete er eine Buchhandlung in Paris und war offenbar außerordentlich umtriebig, baute sich ein riesiges Netzwerk auf, was die Hommage beweist.
Der Name Flinker taucht im Tagebuch Thomas Manns mehrfach auf, es gab vielfach Korrespondenz und am 11. August 1953 hatte er „Lunch mit Flinkers, Vater und Sohn, im Garten von Schönau in Erlenbach.“ Am 9.März 1955 kündigt Flinker die Hommage brieflich an, „auf die ich mich sehr freue“, notiert Thomas Mann im Tagebuch, zumal „Staatsmänner, Auriol, Schuman, Mendès-France“ darin zu Wort kommen.
Jener Robert Schuman hatte als französischer Außenminister am 16. Dezember 1953 Thomas Mann in Zürich das Kreuz der Ehrenlegion verliehen. Ich muß sagen, daß keine Ehrung meiner Arbeit mir je soviel Vergnügen gemacht hat.
So viel einleitend zu der Wertschätzung, die Thomas Mann unmittelbar nach dem Kriege erfuhr. Aus dem Briefwechsel mit Agnes Meyer erfuhr ich zudem, daß Docteur Faustus in Frankreich ein sensationeller Erfolg war. Dies wird auch deutlich an den Namen von rund 150 Gratulanten aus Wissenschaft und Kunst, die den Texten der Hommage vorangestellt sind. Jean Cocteau und Jules Romains versuchten sich nicht in literarischen Exegesen, sondern hinterließen würdevolle Worte der Anerkennung. Albert Schweitzer (1865-1965) schickte aus Lambarene einen handgeschriebenen Glückwunsch.
Das Gros der Gratulanten kommt aus dem literarischen Betrieb, aus der Germanistik und der Philosophie. Ich habe mir die Mühe gemacht, die Lebensdaten dieser Personen zu ermitteln, die in Zeiten dreier deutsch-französischer Kriege aufwuchsen und sich als Germanisten mit dem „Erbfeind“ beschäftigten.
Jean Schlumberger (1877-1968) im „deutschen“ Elsaß geboren, war selbst Schriftsteller und ist eine interessante Figur, war Freund von Gide, und 1931 erwähnt ihn Thomas Mann in seiner Jungfranzösischen Anthologie in der Deutsch-Französischen Rundschau – so eine Zeitschrift gab es damals noch! Schlumberger läßt sich nicht auf eine literarische Abhandlung ein: Er gratuliert in persönlichen Worten.
Marguerite Yourcenar (1903-1987) stimmt zum Hohelied an, saust durch Manns Lebenswerk rauf und runter, auf den Punkt bringen könnte ich ihren Text nicht, ist sehr gebildet, fast möchte man ihr ein fishing-for-compliments unterstellen.
Robert d’Harcourt (1881-1965) ist der einer der wenigen, der in seinem kurzen Text die jüngere Vergangenheit mit in den Blick nimmt und damit auch den politischen Thomas Mann. D’Harcourt war Soldat im ersten Weltkrieg, katholisch-konservativer Ger- manist, arbeitete für die Resistance, zwei seiner Söhne wurden nach Buchenwald verschleppt, er publizierte bis zu seinem Tod 1965 über deutsche Nachkriegspolitik.
Robert Schuman (1886-1963) ist ganz nobler Politiker, Bruder im Geiste von Thomas Mann, studierte in Bonn, in der Königstraße ist eine Plakette für ihn angebracht.
Gabriel Marcel (1889-1973) war Philosoph, Vertreter des christlichen Existenzialismus – was auch immer das ist, vieles ist von ihm auf Deutsch erschienen, und ganz Philosoph beleuchtet er in erster Linie Manns Verhältnis zu Nietzsche.
Marcel Brion (1895-1984) war Romancier und Essayist, der ein vielfältiges Werk hinterließ. Er befaßt sich mit dem Fantastischen im Werk von Thomas Mann und sein Text kreist in erster Linie um die Erzählung Der Kleiderschrank (1899). Die Geschichte spielt außerhalb von Zeit und Raum in einem Schnellzug Berlin-Rom und die Hauptfigur heißt Albrecht van der Qualen –: Wie kann man nur solch tolle Namen erfinden!? Eine Gelegenheitsarbeit Thomas Manns und Fingerübung zum Broterwerb, und dennoch eine großartige Erzählung. Alles weitere sagt Brion sehr trefflich dazu.
Joseph Breitbachs (1903-1980) Ehrenrettung von „Königliche Hoheit“ macht Lust, eben dieses Werk mal wieder zu lesen. Breitbach war deutsch-französischer Journalist um Romancier, der sich stark für die Aussöhnung beider Völker einsetzte.
Antonina Vallentin (1893-1957) hat mich sehr beeindruckt! Geboren in Lemberg arbeitete sie in den zwanziger Jahren im Außenministerium unter Stresemann, über den sie dann auch eine Biographie verfaßte. Zudem schrieb sie über Einstein, Leonardo und Picasso. Sie war verheiratet mit Julien Luchaire, weshalb sie Thomas Mann in den Tagebüchern als „die Luchaire“ bezeichnete. Am 16. September 1933 war sie bei Mann in Südfrankreich zu Besuch – eben davon berichtet sie in ihrem Text in der Hommage. Sie zeichnet ein wunderbares Bild der Persönlichkeit Thomas Manns, dessen „schöpferische Sensibilität“ die sich aber stets seinen „tyrannischen Ansprüchen“ unterzuordnen habe. Der Text entstand unter dem frischen Eindruck der Lektüre des Doktor Faustus und des Romans eines Romans.
Sie schreibt, Thomas Mann habe sich zuweilen eine Aussage von Degas zu eigen gemacht: „Ein Bild ist eine Sache, die so viel List, Bosheit oder Laster erfordert wie die Verübung eines Verbrechens.“
Auch Edmond Vermeil, (1878-1964) Germanist, Lehrer von Alfred Grosser, ist noch völlig vom Faustus umfangen, vom Teufelspakt. „Ich glaube nicht, daß Thomas Mann irgendwo in seinem Werk so hoch gestiegen ist wie in dieser Meditation.“
Maurice Blanchot (1907-2003) lieferte den ausufernden Text: „Begegnung mit dem Dämon“. Er war eine eigentümliche Figur, gehörte vor dem Kriege den Rechtsnationalen an, war antisemitisch, danach Gegner von de Gaulle und am Ende Teil der 68’er Bewegung. Sein Beitrag kreist um den Faustus, er beschreibt quasi seinen eigenen Verdauungsvorgang, seinen inneren Kampf mit sich selbst – muß man nicht lesen.
Marcel Schneider (1913-2009) war ein französischer Schriftsteller aus dem Elsaß, der auf dem Père Lachaise bestattet ist. Er war nebenbei auch Musikfachmann und schrieb daher einen bewundernden Beitrag mit dem Titel „Thomas Mann und die Musik“. Zentraler Satz: „Wie jeder Humanist gibt Thomas Mann der Kunst kein moralisches Ziel, sondern eine moralische Bedeutung.“
George Duhamel (1884-1966, Vater von Antoine Duhamel) Schriftsteller, Arzt im ersten Weltkrieg, faßt sich kurz, selbstbewußt und endet mit einer liebevollen Spitze am Ende.
Martin Schlappner (1919-1998) lebte in der französischen Schweiz, promovierte 1947 über Thomas Mann und verdiente sein Geld als Filmkritiker. Sein Text Das Moralistentum Thomas Manns und André Gides ist ein weit ausholender und kenntnisreicher Aufsatz über eben dieses Thema, hat aber nur am Rande etwas mit einer Hommage zu tun. Erst im vierten und letzten Kapitel kommt es zu so etwas wie einer Würdigung
Thomas Manns: Es gibt zwei Ich in ihm, das Bürger-Ich und das Künstler-Ich. Worüber in den nächsten 70 Jahren viel geschrieben worden ist.
Piere-Paul Sagave wurde 1913 in Berlin als Peter Paul Sagawe geboren, ging 1931 als Student nach Frankreich und blieb dort, weil er nicht nach Nazi-Deutschland zurückwollte. Er begegnete Thomas Mann 1933 in Sanary und blieb mit diesem brieflich in Kontakt. Als Germanist unterrichtete er in verschiedenen französischen Hochschulen und starb 2006 in Paris. Er ist der erste in der Hommage, der sich zu den Betrachtungen äußert, und er tut dies sehr differenziert und dezidiert zugleich.
Louis Leibrich (1903-1983), Germanist und einer 1954 erschienenen französischen Thomas Mann Biografie, gelingt unter dem Titel Die Spiritualität Thomas Manns auf vier knappen Seiten ein schönes Gesamtbild des Autors. Der erste in der Hommage, der den Brief an den Dekan erwähnt und auch die Ansprachen Deutsche Hörer.
Aber es meldeten sich auch zwei Musiker zu Wort, so der damals noch junge Pierre Boulez (1925-2016) mit einem kurzen Text, in dem er die Darstellung der Zwölftontechnik im Faustus würdigt; und Maurice Boucher (1862-1962) Komponist, Schüler von Fauré, Gewinner des Rompreises, – schreibt über die Literatur Thomas Manns in tiefgründiger Klarheit und zudem mit Humor: „Ich wollte weder den Weihrauchschwenker vom Dienst noch den Beckmesser spielen“ schreibt er an einer Stelle, um etwas weiter zu seinem wesentlichen Punkt zu kommen: „Durch Mittel, die weitaus mächtiger sind als jene, die Historikern, Philosophen und Parteimännern zu Verfügung stehen, haben Sie wie kein anderer die Verunsicherung des menschlichen Daseins spürbar gemacht.“
Martin Flinker behielt sich vor, seine Hommage ans Ende des Buches zu stellen. Unter dem Titel Thomas Mann und das Problem der Einsamkeit entwirft er uns das Bild eines feinfühligen Autors mit einem positiven Frauenbild und dem Erfinder von gebrochenen Männerfiguren. Eine sehr moderne, zeitgemäße Betrachtungsweise.
Nun hoffe ich, Ihnen hinreichend viel Lust auf die Lektüre der Hommage gemacht zu haben. Unsere erste „Auflage“ von 25 Stück ist fast vergriffen. Bestellen Sie rasch bei mir, dann wollen wir versuchen, die notwenigen Exemplare zum nächsten Stammtisch vorliegen zu haben. Der Preis ist wie gesagt 15.- Euro, bei Postversand 20.- Euro.
Beim Stammtisch machte uns Frau Dr. Reinhardt auf eine interessante Ausstellung im Schloßmuseum Murnau aufmerksam: Die Malerin Olga Meerson (1882–1930) Olga Meerson war mit Heinz Pringsheim verheiratet, dem Schwager von Thomas Mann, war Schülerin von Kandinsky, Muse von Matisse – wer im Sommer im Bayrischen unterwegs ist, sollte sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen.
Kommende Woche Freitag findet in der Schloßkirche der Uni Bonn die Veranstaltung Meeresliebe! Nichts als das! statt. Ein literarisch-musikalischer Strandspaziergang mit Thomas Mann, veranstaltet vom litterarium. Den entsprechenden Werbeflyer habe ich angehängt. Ich bin an diesem Abend leider verreist. Ich denke, unser Ortsverein sollte vertreten sein!
Zuletzt finden Sie in einem anderen Anhang die Leseempfehlung von Patricia Fehrle zu Kerstin Holzers Buch Thomas Mann macht Ferien, das auch in Lübeck vorgestellt worden ist.
Holger Pils hat für Oktober sein Kommen zugesagt, er wird den von ihm herausgegebenen Briefwechsel mit Ida Herz vorstellen. Im Rundbrief Nr. 68 hatte ich die Biographie Ida Herz‘ vorgestellt: Die Archivarin des Zauberers. Gönnen Sie sich im Sommer die Briefe. Der genaue Termin und de Vortragsort steht noch nicht fest, aber bald auf unserer neuen Homepage!
Ich wünsche Ihnen angenehme Sommertage. Anmeldungen zum Stammtisch am 14. August, 18.00 Uhr, Delikart Bonn, nehme ich schon jetzt entgegen.
Beste Grüße ihr Peter Baumgärtner
Kerstin Holzer: „Thomas Mann macht Ferien. Ein Sommer am See“, KiWi 2025
Liebe Thomas-Mann-Begeisterte,
muss man dieses Buch lesen? Das habe ich mich vor der Tagung in Lübeck gefragt, denn zum 150. Geburtstag sind die Büchertische voll und die Sommerfrische am Tegernsee ist doch „nur“ eine kleine Episode. Auf dem Podium überzeugte mich Kerstin Holzer mit ihren Diskussionsbeiträgen sehr und nach kurzem „Anlesen“ in einer Kaffeepause kaufte ich ihr Buch.
Ergebnis: Ich kann es allen nur wärmstens ans Herz legen!
Warum? Die Autorin beschreibt zwei Sommerferienmonate 1918 der Familie Mann in Abwinkl am Tegernsee anschaulich und anekdotenreich. Sie selbst schreibt in ihrem Dank, dieses Buch handle „von einem Hund, einer Lebenskrise und der Liebe“. Das klingt simpel, ist aber doch schon eine Menge.
Und es geht um viel mehr als ein Idyll. Thomas Mann macht sich Sorgen wegen der bevorstehenden Veröffentlichung seiner „Betrachtungen“, die nicht mehr in die Zeit passen wollen. Wie Bauschan und der Tegernsee ihre heilsame Wirkung entfalten, schildert uns die Autorin locker und humorvoll.
Ein ganzes Kapitel widmet sie Katja Mann und sie beschreibt einfühlsam und mit großer Wärme die Beziehung zwischen Thomas und Katja: Das ist alles andere als eine „unglückliche Ehe“, auch sinnlich, trotz homoerotischer Neigungen! Die Autorin präsentiert Thomas Mann als Familienmenschen, der sich z.B. mit „Bauchmigräne“ dem Besuch von Schwiegermutter Pringsheim entzieht, aber des Abends regelmäßig romantische Ruderpartien mit Katja auf dem See genießt. Höhepunkt ist die Besteigung des Hirschberges, 1670 m hoch: „Einmal etwas Verrücktes tun!“, schreibt Kerstin Holzer. Das Erreichen des Gipfelkreuzes und der Ausblick bleiben Thomas Mann ein Leben lang im Gedächtnis. „Einen euphorischen Moment lang steht man über den Dingen.“, erklärt sie uns diese bedeutsame Erfahrung für den Dichter.
Kerstin Holzer stellt diesen Sommer am See gleichermaßen als Auszeit und eine Art Wendepunkt für den Schriftsteller Thomas Mann dar.
Das Buch ist leicht zu lesen, der Schreibstil ist anschaulich, flüssig, warmherzig und humorvoll. Kerstin Holzer beschreibt und deutet, mit Rückblicken und Vorausschau, aber sie manipuliert nicht. Eine wunderbare Sommerlektüre, die uns den Menschen Thomas Mann als solchen erlebbar macht und näher bringt!
Patricia Fehrle
,,Meeresliebe! Nichts als das!“
Freitag, 28.Juli 2025, 20:00 Uhr, Schlosskirche der Universität Bonn, Am Hof 1
Ein literarisch-musikalischer Strandspaziergang mit dem Schriftsteller, Essayisten und meeresbetörten Bürger
THOMAS MANN
mit Hendrik Richter und musizierenden Gästen, von und mit Anja Stadler
übersetzt von unseren Ortsvereinsmitgliedern Thomas Schmalzgrüber und Axel Volhard. Das Original erschien 1955 in der Edition Flinker, Paris zum 80. Geburtstag von Thomas Mann.
Die Buchgestaltung wurde dem Original nachempfunden. Preis: 15. Euro zzgl. Porto und Verpackung sofern erforderlich.
Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,
die Jahrestagung ist vorüber, der 150. Geburtstag Thomas Manns gebührend gefeiert und in einer Woche steht der Stammtisch an. Es gibt allerhand zu bereden, zuallererst die Inhalte eben jener Jahrestagung, über die ich nun möglichst knapp berichten werde, mündlich nächsten Donnerstag mehr.
Voranstellen möchte ich die sich vor Neuerscheinungen biegenden Büchertische, die uns täglich im Foyer des Colosseums verlockten. Als Bahnreisender kaufte ich nur weniges, fotografierte vieles – siehe Anlage 1: Fast alle Autoren der dort abgebildeten Bücher waren anwesend, stellten sich vor und ich konnte mit ihnen sprechen. Sämtliche hätte ich spontan nach Bonn einladen können – der Fülle wegen tat ich es nicht, und schlage daher vor, beim Stammtisch sommerliche Leseaufgaben zu verteilen, über die wir uns beim übernächsten Treffen austauschen und Präferenzen bilden können.
Nach der Begrüßung von Herrn Wißkirchen wurde die Tagung eröffnet mit einem fulminanten Vortrag von Meli Kiyak zur Lebensleistung Thomas Manns. Ich freue mich auf das Jahrbuch 2026, in dem wir diesen und alle anderen Beiträge nachlesen können.
Dann stellte sich das Netzwerk Thomas Mann International vor, der Verbund aller Thomas Mann Häuser weltweit. Von Lübeck bis Los Angeles, von München und Zürich und ganz besonders beeindruckt hat mich Frau Prof. Dr. Ruth Leiserowitz aus Nidden, ganz links im Bild, ihre vielschichtigen Angebote in und um das Ferienhaus auf der kurischen Nehrung, nur wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Und täglich fährt ein Schiff von Kiel nach Klaipèda, Litauen…
International ging es weiter mit der Veranstaltung Thomas Mann auf allen Kontinenten. Es war interessant zu hören, wie Hochschullehrer aus der ganzen Welt auf „unseren“ Autor schauen. Auf dem Podium saßen Frau Galvan aus Italien, Herr Orao aus Kenia, Herr Oguro aus Japan und Herr Soethe aus Brasilien.
Die Stimmung auf der Geburtstagsfeier am Museumsshop wurde durch das kühle und regnerische Wetter etwas getrübt. Es war dennoch eine tolle Gelegenheit, mit vielen Teilnehmern der Tagung zwanglos ins Gespräch zu kommen. Unser noch recht neues Ortsvereinsmitglied Sven Lehmann konnte sich als der frischgebackene Vorsitzende des Kulturausschusses des Deutschen Bundestags vorstellen.
Der Freitag, der eigentliche Geburtstag, begann mit einer Veranstaltung mit dem Titel Literarische Reisenarrative, bei der Prof. Dr. Alexander Hunold aus Basel über die Erzählung Das Eisenbahnunglück (1909) knapp, präzise und nicht ohne Humor sprach, und im Anschluß Prof. Dr. Barbara Beßlich aus Heidelberg über die Pariser Rechenschaft (1926). Ein bislang viel zu wenig beachteter Text. Über die Schnittmengen zu „unserer“ Hommage befinde ich mich mit ihr im Austausch.
Der Vormittag wurde zu Ende gebracht mit Reiseaspekten in Josef und seine Brüder von Prof. Dr. Matthias Löwe aus Augsburg und in den Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull von Dr. Birte Lipinski aus Oldenburg. Die Vorträge wurden eingeleitet durch eine Lesung eines Ausschnitts des jeweiligen Textes. Eine sehr publikumsorientierte Veranstaltung.
Am Nachmittag fanden dann gleich zwei Festakte statt: Zunächst saßen wir lange sicherheitsüberprüft in den engen Kirchenbänken von Sankt Annen in Erwartung der Ansprache des Bundespräsidenten. Steinmeiers Redetext wurde inzwischen vielfach publiziert: Wohlgesetzte Worte, keine Heiligenverehrung aber viel Gegenwartsbezug.
Im Anschluß wurde im Sankt Annen Museum die Ausstellung Meine Zeit. Thomas Mann und die Demokratie eröffnet mit Live-Musik und kühlen Getränken.
Am Abend dann das Festkonzert im Theater. Manns Lieblingsmusiken an just jenem Ort, an dem der kleine Thomas seine Liebe zur Musik entdeckte – eingeleitet von einem Original-Ton des alten Thomas Mann, das Bekenntnis seiner frühen Liebe für Wagners Lohengrin, deren Ouvertüre sogleich erklang.
Der Samstagvormittag stand dann unter der Überschrift Thomas Mann – Ein Mensch mit internationaler Geschichte. Einleitend sprach Frau Dr. Irmtraud Hnilica aus Hagen. Bei der Vorbereitung ihres Vortrags machte sie für sich selbst die Entdeckung eines Freundes von Thomas Mann: Arthur Eloesser – von ihm in einem der nächsten Rundbriefe bzw. beim Stammtisch mehr.
Es folgte der Vortrag von Prof. Kai Sina aus Münster, der die wesentlichen Züge seines Buchs Thomas Mann als politischer Aktivist vorzustellte. Sein roter Faden durch dieses sehr breite Thema ist Thomas Manns Verhältnis zum Zionismus. Das Buch wurde vielfach besprochen, Kai Sina ist gegenwärtig der gefragteste Mann unserer Gesellschaft – zu Recht. Das Buch steht nicht auf der Liste der Neuerscheinungen – es erschien bereits 2024 – man sollte Herrn Sina dennoch fragen, ob er auf einer seiner Lesereisen keinen Stopp in Bonn oder Köln einlegen könnte.
Prof. Dr. Veronika Fuechtner sprach über Thomas Mann und der Kolonialismus. Sie war auch eine Entdeckung für mich. Sie unterrichtet im Darthmouth College, USA, hat selbst deutsche und brasilianische Wurzeln und forscht über die Familie von Julia Mann. In der Neuen Rundschau – siehe Neuerscheinungen – ist ein Text von ihr publiziert.
Ihre Sprache ist in der Mischung von Witz und Ernst an Thomas Mann geschult, und es macht Spaß, ihr zuzuhören.
Zum Abschluß des Vormittags wurde unter der Überschrift Ambivalenzen – Ethnische Identifikation bei Thomas Mann unter der Leitung von Sandra Kegel über das vorher Gesagte diskutiert.
Irmtraud Hnilica Veronika Fuechtner Kai Sina Sandra Kegel
Am Samstagnachmittag dann die übliche Mitgliederversammlung. Zur Eröffnung gab Herr Wißkirchen bekannt, daß die Mitgliederzahl im Laufe des Frühlings die Tausendermarke überschritten habe. Die vielfache Präsenz Thomas Manns in allen Kulturmedien trug dazu bei, auch die des politischen Thomas Mann, der in der gegenwärtigen Weltlage aktueller denn je ist. Es standen keine Wahlen an, daher wurde in erster Linie Vereinsformalitäten abgehandelt. Ich berichtete von den Aktivitäten unseres Ortsvereins – siehe Anlage 2 – und hatte die Ehre, unsere georgische Freundin Natia Tscholadze auf die Bühne bitten zu dürfen. Ihren Bericht finden Sie unter Anlage 3.
Am Abend war wieder eine Überraschung geboten: zwei junge, mir unbekannte aber offenbar sehr populäre Menschen, Annika Brockschmidt und Thomas Laschyk berichteten in der Moderation von Tim Lörke über ihren Kampf im Internet gegen die rasende Verbreitung von Verschwörungstheorien, die, und das nicht nebenbei, auch schon das Weiße Haus in Washington erobert haben. Mit der halb-theatralischen Lesung von zwei Auszügen aus den Kridwiß-Kapiteln des Doktor Faustus des Lübecker Schauspielers Michael Fuchs wurde der gar nicht ferne Bezug zu Thomas Mann hergestellt.
Der Sonntagvormittag stand unter der Überschrift Thomas Mann und die Demokratie. Noch mehr als bei den anderen Themen schwebte der Schatten Trumps und dessen Angriff auf die amerikanische Demokratie über der Tagung. Dies hob auch Prof. Dr. Tobias Boes von der University of Notre Dame, USA, bei seiner Einführung hervor.
Es folgte der Vortrag der Direktorin des Buddenbrookhauses Dr. Caren Heuer. Wie eingangs beim Vortrag von Mely Kiyak möchte ich diesen mit dem Adjektiv fulminant belegen. Diese beiden Reden bildeten inhaltlich die große Klammer um die Jubiläumstagung. Thomas Mann hätte sich nicht träumen lassen, daß irgendwann viele Frauen an der Spitze der Thomas Mann Forschung und Repräsentanz stehen. Und es ist gut so.
So komme ich mit dem Ende der Tagung auf den Anfang zurück: Unter der Moderation von Caren Heuer wurden jüngst erschienene Bücher von ihren Autorinnen und Autoren vorgestellt, hier im Bild:
C. Heuer K. Holzer H. Wißkirchen O. Fischer F. Marx B. Hoffmeister
Zur Verabschiedung erinnerte Hans Wißkirchen daran, mit wieviel Häme vor 50 Jahren die 100-Jahr-Feierlichkeiten in der Presse überschüttet wurden. „Langweilige Altherrenveranstaltung“ war noch eine der harmlosen Bezeichnungen. Hierzu hatte man nun ein lebendiges, vielgestaltiges und internationales Gegenbild gestaltet. Aber es waren damals nicht nur alte Menschen anwesend, sondern auch unser junger Hans Büning- Pfaue, der sich damals, um Einlaß zu bekommen, vom Fundus des Theaters einen Frack ausleihen mußte. Diese Geschichte durfte er zum Finale zum Besten geben.
So weit mein Bericht zur Tagung. Möge er als Werbung gelesen werden nicht nur, zu den Jahrestagungen zu kommen, sondern auch – an die Interessierten an unserer Arbeit adressiert – Mitglied zu werden, in der Muttergesellschaft und im Ortsverein. Denn dann kann man auch am Stammtisch teilnehmen, zu dem neben mir sicher noch andere Teilnehmer kommen werden, die ihre Wahrnehmung der Tagung in lockerer Runde verbreiten können. Es sind bei mir schon einige Anmeldungen eingegangen zu unserem Stammtisch am 26.Juni um 18.00 im DeliKart im Landesmuseum Bonn. Ich werde am Sonntagabend bereits dort sein (Ausstellung Jupp Darchinger!). Ich bitte, sich bis dahin anzumelden, damit ich einen hinreichend großen Tisch reservieren kann.
Zum Abschluß noch ein Blick zurück auf unsere Veranstaltung im Uni-Club: Sie war sehr gut besucht, wir hatten über 100 Gäste, – davon sehr viele nicht Mitglieder unseres Ortsvereins – ich erntete von allen Seiten Lob für die Lesung von Bernt Hahn des Briefs an den Dekan und für die Berichte Mikhail Shishkins zur Lage der russischen Kultur im Exil unter Bezugnahme auf Thomas Mann, auf dessen Pochen auf den Geist der Humanität gegenüber aller Tyrannei.
Allein: Es war eine sehr defizitäre Veranstaltung. Die 100 Gäste spendeten etwas mehr als 600.- Euro und tranken für mehr als 400.- Euro Wein. Sämtliche Spesen und Honorare mußten noch beglichen werden. Eine weitere Veranstaltung im Uni-Club kann unter den offenbar unverrückbaren Konditionen nicht durchgeführt werden. Und dennoch war es eine gute und wichtige Veranstaltung, die uns auch mindestens zwei neue Mitglieder einbrachte – und auch die gute Bekanntschaft mit Mikhail Shishkin, dessen aufopferungsvolle Arbeit ich weiter verfolgen und unterstützen werde.
Er hatte auf der Bühne von seinem Literaturpreis „Dar“ gesprochen. Im Juni wurde von der Jury Maria Galina als Gewinnerin gekürt. Maria Galina ist eine ukrainische Schriftstellerin, die in russischer Sprache schreibt. Sie hat am Ende den Preis nicht angenommen. Hierzu waren in der Presse mißverständliche bis falsche Mitteilungen zu lesen.
Mikhail hat mir hierzu den als Anlage 4 beigefügten umfänglichen Brief geschrieben. Ich wünsche ihm Kraft.
Vielleicht sieht man sich in einer Woche im Delikart – beste Grüße ihr Peter Baumgärtner
Anlage 1: Neuerscheinungen
Anlage 2: Bericht des Ortsvereins Bonn-Köln 2025
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich will wieder mit der Mitgliederentwicklung unseres Ortsvereins beginnen, dieses Mal in besserer Stimmung, konnte der Mitgliederverlust aus dem vergangenen Jahr doch wieder wettgemacht werden, und – einen angekündigten Beitritt mit eingerechnet – wir wieder bei der Zahl 90 angekommen sind. Es sind erfreulicherweise einige „jüngere“ Mitglieder zu uns gestoßen – jung sind alle unter 60 – und besonders hervorheben möchte ich Herrn Jens Lehmann, der sich uns vorgestern bereits vorgestellt hat als der Vorsitzende des Kulturausschusses des Deutschen Bundestages.
Woran liegt das? Thomas Mann wird nicht nur ob des Jubeltages, den wir heuer hier feiern, als relevant für unsere Gegenwart wahrgenommen – aus meiner Sicht aus zwei Gründen: Erstens ob seines mehr oder minder offenen Umgangs mit dem Thema Homosexualität im Künstlerischen wie im Privaten, und zweitens wegen seines politischen Engagements, das seine zweite Lebenshälfte prägte. Beide Themen nahmen im vergangenen Jahr wesentliche Räume unseres Programms ein.
Zum ersten Themenkomplex paßt Oliver Fischers Buchvorstellung »Man kann die Liebe nicht stärker Erleben«, womit wir uns mit dem „Anderen Buchladen“ in Köln einen neuen Veranstaltungsort erschlossen. Auch die Uraufführung des Films »Bekenntnisse des Hochstaplers Thomas Mann« kann man zu dieser Kategorie zählen, wenngleich dieser Film einen sehr freien Umgang mit dem Thema Thomas Mann darstellt, eher ein Kunstwerk aus eigenem Recht sein will als ein ernsthafter Umgang mit dem Leben und Werk des Dichters.
Michael Navratils Vortrag »Ironischer Elitarismus« kann als Brücke zum politischen Thomas Mann angesehen werden, erkennt er doch in den letzten beiden Romanen »Der Erwählte« und »Felix Krull« einen Ausdruck des ästhetischen Eskapismus angesichts einer verzweifelten Weltlage und in der gesteigerten Ironie und zum Teil genüsslichen Frivolität auch eine Absage an Dogmatismus und starre Weltanschauungen. Thomas Manns subversive Ironisierung wird zu einer genuin künstlerischen Gestaltungsform demokratischen Denkens. Ich denke, daß Herr Navratil hier einen Schlüssel im Zugang zu Thomas Mann sehr knapp und präzise umrissen hat – und damit auch einen Anhaltspunkt geliefert hat zur Aktualität Thomas Manns in dieser schwierigen Lage der Welt.
Der „politische“ Thomas Mann begann, entzündete sich in seinem Verhältnis zu Frankreich. Die französische Intelligenz dankte ihm zu seinem 80.Geburtstag mit einer »Hommage de la France à Thomas Mann«. Das Buch ist in Druck, leider konnte ich es hier noch nicht vorlegen, ich werde laut ausschellen, wenn das Buch verfügbar ist.
Im Thema Thomas Mann und die Universität Bonn kann man das Thema Thomas Mann und die Politik wie in einem Brennglas beleuchten. Für alle Nicht- Bonner hier: Thomas Mann wurde 1919 mit der Ehrendoktorwürde der philosophischen Fakultät Bonn ausgezeichnet – für seine Betrachtungen eines Unpolitischen, welche natürlich genau gegenteilig wahrgenommen wurden in einer erzkonservativen Fakultät. Thomas Manns Hinwendung zur Politik wurde in Bonn mit Entsetzen wahrgenommen und man begann den aus einem Mischblut aufgesprossenen Dichter mit verbalem Schmutz zu bewerfen. Nach 1933 stimmt man in Bonn in den Münchner Chor derer ein, die Thomas Mann möglichst rasch die Staatsbürgerschaft und somit auch die Ehrendoktorwürde entziehen wollten, allen voran seien da die Herren Himmler und Heydrich zu nennen. In Berlin stand Goebbels auf der Bremse, er wollte vor Olympia jeden Skandal vermeiden. So wurde die nationale und akademische Exkommunikation erst im Dezember 1936 vollzogen, worauf Thomas Mann mit dem berühmten Brief an den Dekan vom 1.Januar 1937 reagierte, diesem Meisterstück politischer Prosa, das wir am gerade vergangenem 13.Mai an der Bonner Universität vor mehr als 100 Menschen von Bernt Hahn vortragen ließen. Mit auf der Bühne war Mikhail Schischkin, der in der Schweiz lebende russische Schriftsteller, der auf zutiefst eindrückliche Weise von seiner Arbeit zur Ehrenrettung der russischen Sprache und Kultur berichtet. In seinen Vorträgen und Publikationen in aller Welt bezieht er sich immer wieder auf Thomas Mann, in seinem konkreten Handeln, in der Unterstützung unbekannter Autoren, ist ihm Thomas Mann gleichermaßen Vorbild. Gleichwie Thomas Mann in seinen Jahren des Exils auf Schritt und Tritt unter Beobachtung stand, so ergeht es auch Mikhail Schischkin.
Womit wir bei meinem letzten Thema angekommen sind. Wie in den letzten Jahren haben wir zu Gast die Begründerin des Thomas-Mann-Freundeskreises von Thomas Mann aus Georgien Frau Dr. Natia Tscholadze. Aus vorgenannten Gründen bat sie mich, bei ihrer Vorstellung nicht über Politik in ihrem Lande zu sprechen. Wenn sie nun ihre Arbeit vorstellt, behalten Sie diese laut hallende Leere im Sinn und füllen Sie diese mit Ihrem Applaus. Danke.
Anlage 3: Natia Tscholatze, Bericht aus Georgien
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde,
ich begrüße Sie herzlich im Namen der georgischen Thomas-Mann-Gesellschaft!
Mit großer Freude und Stolz möchte ich Ihnen heute die bisherige Tätigkeit und die Zukunftspläne der georgischen Thomas-Mann-Gesellschaft vorstellen.
Schon kurz nach ihrer Gründung hat unsere Gesellschaft sowohl unter deutschen als auch unter georgischen Fachleuten und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern große Aufmerksamkeit erregt. Diese breite Unterstützung ermöglichte es uns, bereits im ersten Jahr mit aktiver und fruchtbarer Arbeit zu beginnen.
Die Hauptziele unserer Gesellschaft sind:
die Förderung der deutschen Sprache und Literatur in Georgien;
die Wiederbelebung, Reflexion und Verbreitung von Thomas Manns Leben und Werk in unserem kulturellen Raum.
Die ersten Schritte zur Umsetzung dieser Ziele waren bereits erfolgreich:
Am 16. November 2024 fand an der Musikschule „Meliton Balantschivadse“ eine Jubiläumsveranstaltung statt, die Thomas Manns weltberühmtem Roman Der Zauberberg gewidmet war. Anlass war das 100-jährige Jubiläum der Veröffentlichung dieses Meisterwerks. An diesem Abend nahmen prominente Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft teil, unter ihnen: Prof. Nino Firtzchalawa, Dr. Maia Pantschikidse, der beliebte Schauspieler Reso Tchchikwischwili sowie die Sängerin Nino Shatberaschwili.
Die zweite Veranstaltung fand am 22. Februar 2025 im Kino „Sakartvelo“ in Kutaissi statt. Sie war Thomas Manns berühmter Novelle Der Tod in Venedig gewidmet.
Prof. Manana Paichadse hielt einen hochinteressanten Vortrag zum Thema:
„Literarische Narration und Filmsprache am Beispiel von Thomas Manns ›Der Tod in Venedig‹ (Visconti – Adaptor oder Epitomator?)“.
Im Anschluss daran wurde der gleichnamige Spielfilm des großen Regisseurs Luchino Visconti gezeigt – ein Meisterwerk der Filmgeschichte.
Ebenfalls am 22. Februar wurde ein bedeutender Schritt in Richtung institutioneller Zusammenarbeit getan: Ein Memorandum wurde zwischen der Thomas-Mann- Gesellschaft Kutaissi und dem georgischen Verband der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer (DVG) unterzeichnet. Dieses Memorandum bildet eine solide Grundlage für gemeinsame, groß angelegte Projekte und Veranstaltungen, die die Integration der deutschen Sprache und Kultur in Georgien weiter vertiefen werden.
Am 3. Mai 2025 fand an der Staatlichen Universität Samzche-Dschawachetien ein weiteres wichtiges Ereignis statt: die Veranstaltung „Deutsch für Große und Kleine“. Im Rahmen dieser Veranstaltung stieß das von unserer Gesellschaft initiierte Projekt „Entdecke die Welt von Thomas Mann“ auf großes Interesse.
Am 17. Mai 2025 fand in Tiflis eine thematische Kultur- und Bildungsveranstaltung statt, organisiert vom Verband der Deutschlehrerinnen Georgiens. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde die georgische Thomas-Mann-Gesellschaft vorgestellt. Dabei wurden die Chronologie ihrer Gründung, ihre bisherigen Aktivitäten sowie ihre zukünftigen Pläne präsentiert. Die Präsentation stieß beim Publikum auf reges Interesse.
Unsere Zukunftspläne sind besonders ambitioniert und beeindruckend:
Das Jahr 2025, in dem sich Thomas Manns Geburtstag zum 150. Mal jährt, bietet eine einzigartige Gelegenheit. Aus diesem Anlass wird unsere Gesellschaft den Zyklus von Jubiläumsveranstaltungen fortsetzen.
Bereits im Oktober ist eine groß angelegte wissenschaftliche Konferenz geplant, an der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Georgien teilnehmen werden. Diese Konferenz wird nicht nur ein akademisches Ereignis sein, sondern ein kulturelles Fest – ein vielschichtiges Ereignis zu Ehren Thomas Manns.
Unsere Vision geht weit über literarische Veranstaltungen hinaus:
Wir planen Bildungsprogramme, Publikationen, Jugendprojekte sowie den Aufbau neuer Partnerschaften in den Regionen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Thomas-Mann-Gesellschaft in Georgien ist bereits heute zu einer kulturellen Brücke zwischen Deutschland und Georgien geworden. Doch dies ist erst der Anfang. Wir glauben fest daran, dass wir mit vereinten Kräften noch viele wertvolle Projekte ins Leben rufen können.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und lade alle Interessierten herzlich ein, sich uns auf diesem inspirierenden Weg anzuschließen.
Anlage 4: Brief von Mikhail Shishkin
Lieber Peter
Herzlichsten Dank für Deine Email und Deine Unterstützung! Das ist sehr wichtig für mich.
Aus dem Bericht in der FAS kann man nicht verstehen, was eigentlich passiert ist. Hier einige Informationen, um die Situation zu klären.
Wie erwartet, ist es nicht einfach im vierten Kriegsjahr, die russischsprachige Literatur zu unterstützen.
Man versteht hier im Westen nicht, warum Maria Galina (sie schreibt auf Russisch, lebt in Odessa) am Wettbewerb teilgenommen hat, sehr gerne im deutschen Fernsehen Interviews zum Thema „Dar-Preis“ gegeben hat, den Preis gewonnen hat, aber in der letzten Minute nicht angenommen hat, dabei mit der Erklärung, dass sie die russischsprachige Literatur nicht unterstützen will, weil das die Sprache des Aggressors ist. Hier im Westen ist es kaum vorzustellen, unter welchem Druck russischsprachige Schriftsteller in der Ukraine leben, also müssen wir ihre Entscheidung mit Verständnis betrachten, sie hat Angst vor Hetze bekommen. Ich habe das auf der Website des Preises in einer Erklärung kommentiert:
«Maria Galina hat ein wichtiges Buch auf Russisch geschrieben und es zum Wettbewerb des neuen Literaturpreises ‚Dar‘ eingereicht, dessen Ziele klar definiert sind und die jeder auf der Website nachlesen kann: “Der Preis wurde geschaffen, um russischsprachige Autoren zu unterstützen und zu fördern, unabhängig von ihrem Wohnort und ihrer Staatsangehörigkeit. Wir wollen die Aufmerksamkeit auf neue Stimmen und die besten Beispiele der zeitgenössischen russischsprachigen Literatur lenken. Der Preis will eine neue Kultur schaffen, in der die russischsprachige Literatur den ihr gebührenden Platz in der Welt einnimmt, da sie der Menschheit und nicht den Diktaturen verpflichtet ist.“
Maria Galinas Buch „Neben dem Krieg. Odessa“ erhielt völlig zu Recht die Unterstützung der Jurymitglieder und wurde zum Gewinner der ersten Saison des Preises.
Als Maria erfuhr, dass sie den Preis gewonnen hatte, weigerte sie sich, ihn anzunehmen. In einem offenen Brief begründete sie ihren Standpunkt, dass sie Russisch als Sprache eines Aggressorlandes nicht unterstützen wolle. Ich akzeptiere ihre Entscheidung.
Mehrere westliche Verlage, die ich kenne, hatten bereits während des Abstimmungsprozesses großes Interesse an der Veröffentlichung der Bücher aus der Shortliste gezeigt. In den Medien verschiedener Länder gab es bereits zahlreiche Veröffentlichungen und Videoberichte über den Preis «Dar», z. B. führte die deutsche Fernsehsendung „Kulturzeit“ auf 3Sat, die dem Preis gewidmet ist, ein großes Interview mit Maria Galina (Link unten). Ich zweifle nicht daran, dass ihr Buch, das
durch den Gewinn unseres Wettbewerbs bekannt geworden ist, in Übersetzungen erscheinen und eine breite Leserschaft finden wird. In diesem Sinne ist die Aufgabe unseres Preises erfüllt – es ist uns gelungen, sowohl russischsprachige Leser als auch westliche Verleger auf diesen Text aufmerksam zu machen. Ich wünsche Maria und ihrem Buch von ganzem Herzen Erfolg und freue mich, dass dies der Erfolg unseres Preises «Dar» ist.
Die Übersetzungsbeiträge, die Maria Galina abgelehnt hat, gehen an die Gewinner der zweiten Staffel. Die Gewinner der Juryabstimmung werden also im nächsten Jahr nicht ein, sondern zwei Bücher sein, die die Mehrheit der Jurystimmen erhalten werden.
Die nächste Saison des Literaturpreises „Dar“ wird am 1. September 2025 eröffnet. Wir machen weiter.»
«Lieber Mikhail, vielen Dank für dein Verständnis und deine Geduld! Und für die Unterstützung, die du der Ukraine von Anfang an gegeben hast. Das erforderte in dieser Situation viel Mut und Standhaftigkeit. Und es wird für immer bleiben. Maria Galina»
Wir sind im Krieg, und in der Ukraine sterben Menschen täglich seit Jahren. Viele russischsprachige Kulturschaffende erleben in der Ukraine diesen Druck durch die radikalen Nationalisten, Maria auch. Aber öffentlich werden sie das kaum wagen zu sagen, denn jeder, der klare Stellung für die Ukraine und gegen das putinsche Regime bezieht, aber sich dabei für die russische Sprache einsetzt, wird durch radikale Nationalisten zum Staatsfeind erklärt und gehetzt. Das ist leider die Realität, und Maria Galina und andere russischsprachige Kulturschaffende müssen in dieser Realität leben.
Ohne das zu verstehen, kann man die Absage Galinas nicht verstehen. Und dieses schmerzhafte Thema müssen die ukrainischen Intellektuellen öffentlich behandeln.
Ich verstehe und akzeptiere diese Welle des Hasses gegen alles Russische in der Ukraine, die durch diese schreckliche Aggression ausgelöst wurde. Und es schmerzt mich zu sehen, wie ukrainische Dichter, Schriftsteller, Künstler und Musiker, die sich im Westen für Solidarität mit allen Kulturschaffenden unabhängig von ihrer Sprache einsetzen, die die Ukraine unterstützen, zu Hause unter die Räder des Hasses der Ultranationalisten geraten. Das ist die Realität der Ukraine, und es steht mir nicht zu, sie zu verurteilen.
Es war mir immer wichtig, gemeinsam mit ukrainischen Schriftstellern aufzutreten. Ich habe sehr viele Freunde in der Ukraine, und seit Beginn dieses Krieges nach der Besetzung der Krim bin ich mehrfach in verschiedenen Ländern gemeinsam mit Andrej Kurkow, Jurij Andruchowytsch, Serhij Schadan, Alexander Kabanow, Borys Chersonskyj und anderen ukrainischen Dichtern und Dichterinnen, Schriftstellern und Schriftstellerinnen aufgetreten. Denn es ist so wichtig zu zeigen, dass wir, die Menschen der Kultur, gemeinsam gegen die aufkommende Barbarei Widerstand leisten. Sowohl Kultur als auch Barbarei kennen keine nationalen Grenzen. Als die groß angelegte putinsche Invasion begann, führten Jurij Andruchowytsch und ich eineinhalb Stunden lang ein Gespräch im deutschen Radiosender SWR4, ich aus dem Studio in Basel, er aus Lemberg. Im März 2022 trat ich gemeinsam mit Andrej Kurkow (Andrej und ich sind seit vielen Jahren befreundet) in Oslo auf – der riesige Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. So muss es sein – russische und ukrainische Schriftsteller gemeinsam gegen den putinschen Krieg.
Dann gerieten ukrainische Schriftsteller, die sich gemeinsam mit russischen Schriftstellern gegen die Aggression des Putin-Regimes aussprachen, innerhalb der Ukraine unter Druck. Im August 2022 traten wir erneut gemeinsam mit Jurij Andruchowytsch in Norwegen beim Festival in Molde auf. Es war ein wunderbarer Abend – Solidarität der Kulturschaffenden gegen Putins Krieg. Aber danach begann in den ukrainischen sozialen Netzwerken ein regelrechter Shitstorm gegen Yuri. All das ist im Internet zu finden. Ultranationalisten beschuldigten ihn auf Facebook, ich zitiere: „Ein Russe – egal, ob er für Putin ist oder gegen ihn – ist Scheiße. Du hast ihn berührt – du stinkst!“ Es tat weh zu lesen, wie Yuri sich zu rechtfertigen versuchte, dass wir bei gemeinsamen Auftritten nie Russisch mit ihm gesprochen hätten, sondern nur Deutsch oder Englisch. Man kann andere ukrainische Autoren verstehen, die sich einer solchen Hetzkampagne nicht aussetzen möchten. Einige Wochen später sollte ich zusammen mit Andrej Kurkow auf der Buchmesse in Göteborg auftreten, wir waren bereits im Programm angekündigt, aber ich erhielt eine E-Mail von Andrej, dass er den gemeinsamen Auftritt absagt und mich um Verständnis für diesen Schritt bittet. Kurz darauf trafen wir uns auf der Buchmesse in Frankfurt. Wir hatten getrennte Auftritte, aber in der Pause trafen wir uns und umarmten uns. Er sagte zu mir: „Mikhail, du verstehst doch alles!“ Das alles ist schwer und traurig.
Eine solche Haltung der Ablehnung aller Russen aufgrund ihrer Nationalität, selbst derjenigen, die die Ukraine in ihrem Kampf unterstützen, war in den ersten Monaten des Krieges emotional verständlich, hilft aber im vierten Kriegsjahr nur noch Putins Propaganda. Die russische Sprache gehört nicht dem Diktator und seinen Mördern, sie gehört nicht dem russischen Staat und seinem Territorium. Mit dieser Sprache schaffen Schriftsteller und Schriftstellerinnen aus verschiedenen Ländern die Kultur der Menschheit: In welcher Sprache schreibt die Schriftstellerin aus Belarus, die Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch? In welcher Sprache schreibt der im
Westen bekannteste ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow? Jede Sprache ist ein Instrument zur Schaffung von Kultur, ein Weg zur Entstehung eines Gefühls der Würde im Menschen. So wie Thomas Mann die deutsche Sprache vor Hitler verteidigen musste, müssen wir jetzt unsere Sprache vor Putins faschistischem Regime verteidigen.
Natürlich habe ich mich gefreut, als ich sah, dass auch russischsprachige ukrainische Verlage und Schriftsteller und Schriftstellerinnen ihre Werke zum Wettbewerb des Literaturpreises «Dar» im letzten Herbst eingereicht hatten. Neben Maria Galina wurden auch der Kiewer Verlag „Drukarsky Dvor“ und die Schriftsteller Andrei Krasnjaschich und Sergei Solowjew in die Shortlist aufgenommen. Der Gewinner der Leserabstimmung für den Literaturpreis „Dar“ ist auch ein russischsprachiger ukrainischer Schriftsteller. Sergei Solowjew hat einen ukrainischen Pass, lebt aber nicht in der Ukraine, sondern in Deutschland und Indien, weit weg von den Ultranationalisten. Und Maria Galina, als sie erfuhr, dass sie den Preis gewonnen hat, hat realisiert, dass sie jetzt auch wie damals Juri Andruchowitsch unter die Walze der Hetze durch die Nationalisten geraten kann. Deshalb hat sie sich entschlossen, auf den Preis zu verzichten und zu erklären, dass sie die russische Sprache überhaupt nicht unterstützen will.
Nun zu Beznosov-Anschuldigungen. Ich habe auf der Webseite des Preises eine Erklärung veröffentlicht (auf Russisch und Englisch):
«Once again regarding Galina Rymbu’s accusations against Denis Beznosov.
The genocide of the Ukrainian people and the deportation of Ukrainian children from the occupied territories of Ukraine is a heinous crime. All persons involved in this crime must certainly be identified and punished according to the law. The investigation is being carried out by the Ukrainian Government authorities and the International Criminal Court in The Hague. In the near future, the Special Tribunal for the Crime of Aggression against Ukraine will also deal with this issue.
To what extent Denis Beznosov participated in these crimes (and whether he did) should be investigated by these competent authorities, not by the literary prize. The task of the Dar literary prize is to promote the finalists‘ books in every possible way, to attract the attention of social networks, press, translators, and publishers all over the world. And Dar successfully coped with its task in the first season. The books of the finalists have received and continue to receive a lot of attention in foreign media. The interest in the prize has been enormous, and we are already receiving a large number of applications for the next season. The accusations against one of the finalists were made only after the award season was already over, although the names of the shortlisted entrants had long been announced on the award’s
website. No one made any accusations against Denis Beznosov for several months while the award was running.
A literary award is not an investigative committee and proceeds from the presumption of innocence. If the Ukrainian state authorities investigating the crimes
of the Russian Federation against Ukraine confirm in their official conclusion the accusations against Denis Beznosov, the Literary Prize will certainly take all measures in its power. People involved in crimes against humanity, in the deportation of Ukrainian children from the occupied territories, in the genocide of the Ukrainian people have no place near the Literary Prize “Dar”.»
Alle Stifter, Mitstifter, Jurymitglieder, Experten, die an der Arbeit des Preises teilnehmen, sind gegen die putinsche Aggression und unterstützen die Ukraine in diesem Krieg, fast alle leben jetzt im Exil und wurden in der Russischen Föderation für ihre klar ausgedruckte politische Haltung und Unterstützung der Ukraine als
«ausländische Agenten», «Extremisten» und «Terroristen» gebrandmarkt. Die putinsche Propaganda macht alles, um unsere Initiative – einen vom Regime unabhängigen Literaturpreis – zu untergraben. Leider helfen solche verwirrenden Publikationen, wie in der FAS, den putinschen Geheimdiensten.
Der Preis „Dar“ leistet einen großen und sehr wichtigen Beitrag. Zwischen Ukrainern und Russen ist derzeit eine riesige Kluft entstanden, gefüllt mit Tod, Schmerz und Hass. Und mit jeder Rakete, die Wohnhäuser in Charkiw, Odessa oder Sumy trifft, wird diese Kluft nur noch größer und wird weiterwachsen. Aber früher oder später wird es notwendig sein, Brücken über diese Kluft zu schlagen. Die ersten, die diese Brücke schlagen werden, sind Menschen aus der Kultur – Schriftsteller, Künstler, Musiker. Für diese zukünftige Brücke ist es wichtig, jetzt die Würde der russischsprachigen Kultur zu bewahren, und mit dem Bau dieser Brücke muss schon jetzt begonnen werden. Dazu brauchen wir diese Initiative – den Literaturpreis „Dar“.
Wir erhalten jetzt eine riesige Welle der Unterstützung von allen Seiten, auch PEN International, auch andere ukrainische russischsprachige Autoren und Autorinnen, auch bekannte westliche Schriftsteller, alle schreiben uns, wie wichtig das ist, was wir begonnen haben, und bitten uns, nicht aufzuhören. Und wir machen weiter.
Die nächste Saison des Literaturpreises „Dar“ wird am 1. September 2025 eröffnet.
Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,
ich freue und bedanke mich dafür, bis dato 18 Anmeldun- gen zu unserer Veranstaltung im UniClub erhalten zu haben!
Und ich bin mir auch sicher, daß noch mehr von Ihnen im Sinne haben, am Dienstag dorthin zu kommen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir dies kurz anzeigen würden, damit ich für eine passende Bestuhlung sorgen kann.
Wir dürfen einen lauen Frühsommerabend erwarten, vom UniClub zur Innenstadt sind es nur wenige Schritte. Sie können vor oder nach der Veranstaltung die dortige Gastronomie genießen – bringen Sie Freunde und Bekannte mit.
Den entsprechenden Werbe-Flyer habe ich nochmals angehängt.
Für unsere ins Deutsche übertragene Hommage de la France à Thomas Mann sind bei Herrn Kempken inzwischen eine ganze Reihe von Bestellungen eingegangen. Da wir den Postversand von der Wurzerstraße aus erledigen wollen, bitte weitere Bestellungen an meine Adresse richten.
Thomas Schmalzgrüber machte mich darauf aufmerksam, daß Sebastian Guggolz nicht nur in Bonn bei Böttger am 21.Mai über Thomas Manns 150.Geburtstag sprechen wird, sondern auch in Köln in der Agnes-Buchhandlung am Tag darauf zu Gast sein wird. Beide Veranstaltungen finden um 20.00 Uhr statt.
In der Hoffnung, Sie am 13.Mai im UniClub treffen zu können grüßt herzlich Ihr Peter Baumgärtner
Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,
zuallererst und mit allem Nachdruck möchte ich Sie heute auf unsere Kooperationsveranstaltung mit dem Uniclub aufmerksam machen. Wie in meinem Rundbrief Nr.69 ausführlich dargelegt, beleuchten wir damit den wichtigsten Bezugspunkt Thomas Manns mit Bonn: Seine Ehrendoktorwürde – oder besser deren Aberkennung!
Wir dürfen uns freuen auf die Lesung des uns wohlbekannten Sprechers Bernt Hahn und auf die Begegnung mit dem russischen Autor Michail Schischkin, von dem ich Ihnen auch schon mehrfach berichtete.
Diese Veranstaltung gibt uns in dem schönen baulichen Rahmen des UniClubs auch die Möglichkeit, weit über unseren Mitgliederkreis hinaus bekannt zu werden. Die Einladung an die Mitglieder des Uniclubs habe ich Ihnen als PDF angehängt. Ich habe auch erstmals im Kultur-Magazin der Theatergemeinde Bonn ein Inserat platziert.
Der Universitäts-Club stellt uns der Raum kostenlos zur Verfügung, ein festgesetztes Eintrittsgeld darf nicht erhoben werden. Die Kosten für die Honorare, die Spesen und das Glas Wein hinterher übernimmt unser Verein. Da kommt einiges zusammen. Ich bitte darum, sich für ihren Besuch einen nicht zu kleinen Schein für unsere Spendenbox bereit zu halten und für die Veranstaltung auch in Ihrem Bekanntenkreis Werbung zu machen.
Mein Dank gilt dem Hotel KÖNIGSHOF, der so freundlich ist, als Sponsor die Beherbergung und Verköstigung von Herrn Schischkin und seiner Frau zu übernehmen.
Der Uniclub bat mich, eine Abschätzung zu geben, wie viele Gäste kommen. Daher bitte ich Sie, Ihr kommen kurz bei mir zu avisieren. Besten Dank.
Nach der Vorschau der Rückblick: Am Mittwoch, den 9. April stellte uns Oliver Fischer sein Buch Man kann die Liebe nicht stärker empfinden vorstellen in der Kölner Buchhandlung Der andere Buchladen vor. Die Veranstaltung war gut besucht, Thomas Schmalzgrüber moderierte souverän und stellte gezielt Fragen. Das Publikum war begeistert, die Kooperation mit den Inhaberinnen der Buchhandlung funktionierte reibungslos. Eine Zusammenarbeit, die wir wiederholen sollten.
Beim Stammtisch am 10. April waren leider nur 5 Mitglieder anwesend. Diese konnten aber den Probedruck unseres Buchs Frankreichs Hommage an Thomas Mann in Augenschein nehmen. Letzte Änderungen wurden besprochen, auch entschieden, ein etwas größeres Format zu wählen, um der Gestaltung des französischen Originals von 1955 noch näher zu kommen.
Der Datensatz für diese Ausgabe liegt nun druckfertig auf dem Rechner von Thomas Kempken. Inclusive aller Grundgebühren entstehen Herstellungskosten von 15.- Euro pro Exemplar, die wir entsprechend weiter berechnen. Wer Interesse an einer Ausgabe hat, möge sich bitte bei Thomas Kempken melden (thomas.kempken@fedex.com) Er wird dann gesammelt bestellen und die Bücher zum nächsten Stammtisch oder nach Lübeck mitbringen. Bei Postversand entstehen zusätzliche Kosten. Wie wir die Zahlungsabwicklung pragmatisch gestalten, teile ich beim nächsten Rundbrief mit. Es ist davon auszugehen, daß Herr Kempken bis dahin auch der „Herr“ über unser Konto ist. Die letzten Formalitäten laufen.
Stammtisch! Wie erwähnt, waren zuletzt nur wenige Mitglieder anwesend. Diese erlaubten sich, den Termin für unser nächstes Treffen aufgrund der Feierlichkeiten in Lübeck und anderweitigen kirchlichen Feiertragen auf den 26. Juni um 18.00 Uhr wieder im Delikart im Landesmuseum Bonn zu verschieben. Ich bitte darum, mir bis 20.Juni eine Anmeldung zu schicken.
Eine letzte Mitteilung: Sebastian Guggolz (Teamleiter Klassiker im Literaturlektorat des S. Fischer Verlags) wird am Mittwoch, den 21.Mai in der Buchhandlung Böttger über Thomas Mann zu dessen 150.Geburtstag sprechen.
In der Hoffnung, Sie am 13.Mai im UniClub treffen zu können grüßt herzlich Ihr Peter Baumgärtner
Liebe Mitglieder, Freunde und Förderer des Universitätsclubs,
zu der folgenden Veranstaltung, die wir in Kooperation mit der Thomas-Mann- Gesellschaft durchführen, lade ich Sie herzlich ein:
Am 2.Dezember 1936 vollzog die Reichsregierung nach langem Zögern die Ausbürgerung von Thomas Mann. Die Universität Bonn hatte lange darauf gedrängt und zögerte nicht, ihm am 19.Dezember auch die Ehrendoktorwürde zu entziehen. Am 1.Januar 1937 sandte Thomas Mann seine Erwiderung an den Dekan der philosophischen Fakultät. Der Text wurde im Verlag von Emil Oprecht sogleich zehntausendfach gedruckt und in ganz Europa verbreitet. Eine Sternstunde politischer Prosa in deutscher Sprache.
Bernt Hahn ist Schauspieler und als Sprecher auf unzähligen Hörbüchern zu erleben. Bekannt wurde er durch die Einspielung von Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ und Goethes „West-Östlicher Divan“
Michail Schischkin, ist ein mit vielen Preisen ausgezeichneter russischer Autor. Er lebt seit 1995 in der Schweiz. Seit der Besetzung der Krim durch Russland ist er der markanteste Gegner Putins aus dem Bereich der Literatur: „Einmal mehr greift ein Diktator zum Patriotismus, um seine Macht zu sichern. […] Die Machthaber von heute haben dem russischen Volk das Erdöl und das Gas, die Wahlen und das Land gestohlen. Und auch den Sieg (von 1945). […] Russen und Ukrainer aufeinanderzuhetzen ist eine unverzeihliche Niedertracht.“ (NZZ 2015) Wie Thomas Mann vor 88 Jahren versucht Schischkin, die Ehre der russischen Sprache und Kultur vor der Welt zu retten. Unerschrocken tritt er in allen Medien für seine Sache ein. Am 10.November 2024 hielt er in Marbach die Schillerrede. Er wird uns über sein Leben und seine Arbeit berichten.
Die Veranstaltung wird gesponsert vom Hotel KÖNIGSHOF
Tobias Schwartz: Mein Thomas Mann. Eine Spurensuche und vier weitere Essays. Hrsg. vom Orstverein BonnKöln der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft, 2022. ISBN: 978-3-756814-65-7
Norbert Oellers: Mein Thomas Mann. Peter Baumgärtner: Bildnis Thomas Mann von Walter Geffcken. Ein Versuch. Düsseldorf: Verlag F. Böttger, 2017. ISBN: 978-3-9816343-6-5