Kategorie: Rundbriefe

  • Rundbrief Nr. 68 + Brief von Michail Schischkin + Friedhelm Kröll: Die Archivarin des Zauberers

    Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,

    eine Fülle von Terminen steht an. Diese möchte ich prominent auf die erste Seite des Rundbriefs in chronologischer Reihenfolge stellen:

    Die erste Aufführung des Films

    Bekenntnisse des Hochstaplers Thomas Mann

    findet nicht, wie im letzten Rundbrief angekündigt, am Sonntag in Köln statt, sondern in Bonn Endenich,

    im Rex-Theater am 3.November um 14.00 Uhr!

    Aus Sorge, daß die Vorstellung schnell ausverkauft sein könnte, hat unser Mitglied Frau Monzel 9 Eintrittskarten auf Vorrat gekauft. Wer daran Interesse hat, bitte sich unmittelbar an sie zu wenden: (angelika.monzel@gmx.de) Die Vorstellung im Odeon-Kino in Köln wurde daher auf 17.30 Uhr verschoben. Ich bin sehr gespannt auf den Film – sicher ein wichtiges Gesprächsthema für unseren Stammtisch.

    Die Schauspielerin Barbara Teuber wird im Haus der Theatergemeinde Bonn, Bon- ner Talweg 10, am 6.November um 19.30 Uhr

    Thomas Manns Erzählung TRISTAN lesen

    Um eine Anmeldung wird gebeten. Die Lesungen dort haben stets einen intimen und privaten Charakter. Bei einem Glas Wein im Anschluß, besteht die Gelegenheit, sich auszutauschen.

    STAMMTISCH

    Unser nächster Stammtisch wird im Gasthaus Nolden in Bonn-Endenich stattfinden, und zwar am Donnerstag, den 14.November um 18.00 Uhr. Wir müssen dem Lokal vorab mitteilen, wie viele Mitglieder wir erwarten. Daher bitte ich um Anmeldung an meine Adresse oder unmittelbar an Herrn Koehler (wokoe@t-online.de), der uns dort bereits angekündigt hat.

    Noch vor unserem Stammtisch findet eine weitere Veranstaltung statt, die, wie ich finde, unsere Aufmerksamkeit verdient:

    Am Sonntag, den 10. November um 11.00 Uhr hält Michael Schischkin im Literaturarchiv in Marbach seine Schillerrede. Ich hatte Ihnen Herrn Schischkin bereits im Rundbrief Nr. 45 vorgestellt und seinen Text „Die russische Deutschstunde – Thomas Mann und die Ukraine“ angefügt. In gleichem Sinne wird er in Marbach wieder auf Thomas Mann und dessen „Versuch über Schiller“ Bezug nehmen. Seine Rede wird gleichzeitig ins Netz gestellt. Über die Seite des Literatur-Archivs dla.marbach.de finden Sie leicht die Verknüpfung auf youtube.

    Diesem Rundbrief beigefügt ist auch ein Brief von Herrn Schischkin: Er hat einen Literaturpreis für im Exil lebende russische Autoren ins Leben gerufen. Sein Engagement für die russische Kultur erinnert an Thomas Mann, der in seinem Exil weniger bekannte deutsche Autoren nach Kräften unterstützte, um der Welt deutlich zu machen, daß die deutsche Kultur weiterbesteht, auch wenn in Berlin die Barbaren herrschen. Die Preisträger werden kein Geld bekommen, sondern eine Übersetzung ihrer Texte. Auch diese kosten Geld. Das entsprechende Spendenkonto habe ich am Ende des Briefes von Herrn Schischkin eingestellt.

    Im letzten Rundbrief habe ich von der Thomas-Mann-Tagung in Lübeck berichtet. Hierzu erhielt ich vielfach ein positives Echo. Dankenswerterweise schickte mir Patricia Fehrle ergänzende Eindrücke. Dies ist sehr gut, zumal ich den letzten Programmpunkt zu den Gegenwartsbezügen des Zauberbergs versäumte, da ich schon hatte abreisen müssen.

    Die Rede von Navid Kermani wurde unter dem Titel „Es kann noch schrecklich viel passieren“ auf ZEIT-ONLINE veröffentlicht. Aus rechtlichen Gründen kann ich den Text auf diesem Wege nicht verbreiten, lesenswert ist er allemal.

    Georgien

    Von den Wahlen dort haben Sie alle gelesen. Selbst die Staatspräsidentin ist davon überzeugt, daß sie nicht ordnungsgemäß durchgeführt wurden. Ich schrieb Natia Tscholadze einen sorgenvollen Brief: „…seid euch bewusst, daß euer „traumhafter“ Präsident in Sachen Gewalt der Stärkere ist. Ihr habt nur den Geist, das Wort und das Wissen auf eurer Seite…………………………… Versucht euer Leben in geistiger Freiheit zu gestalten. Wir sind an eurer Seite.“

    Das klingt beinahe so hilflos, wie ich mich fühle. Wollen wir hoffen, daß die Gemüter nicht überschäumen, daß Friedfertigkeit und Beharrlichkeit am Ende obsiegen. Brechts Verse kommen mir in den Sinn: Am Grunde der Moldau wandern die Steine / Es liegen drei Kaiser begraben in Prag. / Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine. / Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

    Feuilleton

    Einen Gegenwartsbezug der ganz anderen Art empfand ich bei der Lektüre des folgenden Buchs: Martin Flinker: Thomas Manns politische Betrachtungen im Lichte der heutigen Zeit. Es stammt vom Initiator der Hommage à Thomas Mann und erschien 1959. Flinker pflegte ab 1950 einen regen Briefwechsel mit Thomas Mann. Das Buch ist ein fulminantes Plädoyer eines französischen Staatsbürgers österreichisch-jüdischer Provenienz zur Verteidigung der Betrachtungen eines Unpolitischen. Er spiegelt den Text von 1918 immer wieder mit seiner Gegenwart am Ende der 50er Jahre: Die „zivilisierte“ Republik Frankreich führt einen schlimmen Krieg in Algerien und ist mit der Demokratie USA in Vietnam an einem fürchterlichen Gemetzel beteiligt. Hätten aus einem gebildeten Bürgertum entstandene Staatsführungen solche Strategien auch eingeschlagen? Kann eine Demokratie gegen den Gossenjargon einer „freien“ Boulevardpresse ankommen? Geraten wir auf diesem Wege nicht in Gefahr, von einem ungebildeten Pöbel regiert zu werden? Schon beim Formulieren solcher Fragen wird mir ganz blümerant. Ich gestehe, die Bekenntnisse noch nicht gelesen zu haben, habe sie stets als Abweg und Mißgriff Thomas Manns angesehen. Im Lichte des Buchs von Martin Flinker werde ich bald einen Versuch wagen.

    Vor geraumer Zeit empfahl mir Agnes Volhard das Buch „Die Archivarin des Zauberers“ von Friedhelm Kröll zu lesen. Diese Empfehlung gebe ich weiter, auch wenn das Buch vor über 20 Jahren erschien und nur noch antiquarisch erhältlich ist. Ich habe dazu Frau Volhard ausführlich geschrieben – meinen Brief an sie finden Sie im Anhang. Darin erwähne ich auch, daß ich das Exemplar von Inge Jens erwischt habe.

    Ich bekam mein Exemplar vom Antiquariat in Lenninger Tal, das einen großen Teil der Bibliothek von Inge und Walter Jens im Sortiment hat. Wer Lust hat, darin zu stöbern, kann dies gerne tun: www.antiquariat- loeffler.de

    Sie sehen, es gibt reichlich Gesprächsstoff für unseren Stammtisch. Ich freue mich darauf, Sie im Gasthaus Nolden zu treffen.

    Es grüßt herzlich Ihr Peter Baumgärtner


    Brief von Michail Schischkin

    Liebe Freunde

    Ich möchte Euch gerne Informationen über mein neues grosses Projekt mitteilen: Ich habe einen Preis für die vom putinschen Regime unabhängige Literatur auf Russisch gegründet.

    Infolge des verbrecherischen Krieges der Russischen Föderation gegen die Ukraine geriet auch die ganze russischsprachige Kultur weltweit unter Beschuss. Das gilt vor allem für diejenigen, die mit der russischen Sprache arbeiten: Schriftsteller*innen, Philolog*innen, Literaturwissenschaftler*innen. Auch für westliche Slawist*innen und Übersetzer*innen aus dem Russischen ist die Situation prekär geworden. Die Schriftsteller*innen mit Namen, die bereits viel übersetzt wurden, haben noch Chancen bei den westlichen Verlagen, aber für weniger bekannte oder für junge Autor*innen ist der Weg zu Lesern hier so gut wie verschlossen.

    Zusammen mit Schweizer Slawistik-Professor*innen (George Nivat, Ilma Rakusa, Ulrich Schmid und andere) gründete ich einen Verein mit dem Ziel, russischsprachige Schriftsteller, die gegen den Krieg auftreten, zu unterstützen und ihre Werke im Westen bekannt zu machen. Der Verein bezweckt, einen unabhängigen Literaturpreis für die Werke in der russischen Sprache zu gründen. Es gibt kein Preis-Geld, das preisgekrönte Buch wird einen Übersetzer-Beitrag für die Übersetzung ins Englische, Deutsche und Französische bekommen.

    Die russische Sprache gehört nicht Diktatoren, sondern der Weltkultur. Was sehr wichtig ist, es geht nicht um „russische Schriftsteller“ und nicht um „die russische Literatur“, es geht um alle Autoren*innen aus allen Ländern – auch aus Belarus, Litauen, Kasachstan, Israel, der Ukraine etc., die auf Russisch schreiben. Zum Beispiel, die Nobelpreisträgerin Swetlana Alexiewitsch und Sascha Filipenko aus Belarus, Armen Zacharyan (ursprünglich aus Armenien), Tomas Venclova (aus Litauen), Mikhail Gigolashvili (ursprünglich aus Georgien) sind unter Mitstifter*innenn und Jury-Mitgliedern. Zu Mitstifter*innen des Preises gehören Ljudmila Ulitzkaya, Boris Akunin, Dmitri Glukhovski, Dmitri Bykov und andere bekannte Autoren und Autorinnen. Alle Namen der Mitstifter*innen und Jury-Mitgliedern kann man in der beigelegten Presse-Mitteilung sehen. Es ist sehr wichtig, dass auch einige ukrainische Autor*innen bereit sind, am Preis-Wettbewerb teilzunehmen (z.B. Sergei Solovyev mit seinem grossartigen Roman „Schaktis Lächeln“). Es geht um die Entwicklung der Kultur nach dem Imperium, um die Dekolonisierung des Bewusstseins, um die Entstehung einer freien russischsprachigen Zivilgesellschaft.

    Die politische Position des Preises wird ausdrücklich erklärt. Wir verurteilen die verabscheuungswürdige Aggression der Russischen Föderation gegen die Ukraine, wir sind gegen die repressiven Diktaturen in Russland und anderen Ländern (z.B. Belarus), wir unterstützen die Ukraine in ihrem Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit.

    Hier kurz das Wesentliche, wie der Preis funktioniert:

    Der Wettbewerb um den Preis ist offen für Prosawerke, die weltweit in russischer Sprache erscheinen. Die Auswahl der Bücher erfolgt durch einen Expertenrat. Über den/die Preisträger/in entscheidet eine Jury, der bekannte Kritiker*innen, Philolog*innen, Literaturwissenschaftler*innen, Slawist*innen, bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens usw. angehören. Die Jury wird aus 20-30 Teilnehmer*innen bestehen, je mehr, desto besser, um Gruppendenken und Lobbyismus zu vermeiden. Die Abstimmung erfolgt schriftlich, aber offen, alle Informationen werden im Internet auf der Webseite des Preises veröffentlicht.

    Der Preis besteht aus einem Übersetzungsstipendium. Die Übersetzung in die meistverbreiteten Sprachen – Englisch, Französisch, Deutsch – bietet Verlagen in verschiedenen Ländern der Welt die Möglichkeit, sich mit den Büchern vertraut zu machen.

    Dieses Projekt findet ein sehr positives Echo bei allen, die ich anspreche. Auch von der Europäischen Kommission habe ich die Zusage bekommen, das Projekt zu unterstützen.

    Ich habe den Literaturpreis DAR am Forum SlovoNovo (https://www.slovonovo.me/) in Montenegro Ende September präsentiert.

    Beiliegend die Pressemitteilung und die Begrüßung des PEN International. Hier einige Links: Webseite rus/eng – https://darprize.com/

    Mein Interview (Deepl translate kann helfen!) https://novayagazeta.eu/articles/2024/09/27/nuzhno-dat-literature-na-russkom- iazyke-novuiu-zhizn

    Im Januar erfahren wir die Shortliste und Ende April den Gewinner. Dann geht es darum, das preisgekrönte Buch (oder Bücher) ins Deutsche (auch ins Englische und Französische) zu übersetzen und nach der Übersetzung nicht fallen zu lassen. Wir werden im deutschen Sprachraum Buchpräsentationen, Gespräche mit Autor*innen und Übersetzer*innen, Diskussionen etc. veranstalten. Dazu brauchen wir Unterstützung und werden uns auf jede Form der Unterstützung sehr freuen.

    Ich bin bereit, alle Fragen zu beantworten. Mit herzlichen Grüßen

    Michail Schischkin / Mikhail Shishkin

    President of the Association Literary Prize „Dar“ Chairman of the Jury dar.literaturpreis@gmail.com

    IBAN: CH67 0076 9441 0931 9200 1

    Kunde: Verein „Literaturpreis Dar“ Laufenstrasse 154, 4245 Kleinlützel

    Bank Name: Basellandschaftliche Kantonalbank Swift: BLKBCH22, Clearing Nr: 769


    Friedhelm Kröll: Die Archivarin des Zauberers

    Liebe Agnes,

    diese Woche ist es mir endlich gelungen, neben allen beruflichen und Thomas-Mann-Verpflichtungen die Ida-Herz-Biografie zu lesen. Ich mußte an die Tagung in Lübeck denken: Zum Abschluß der Mitgliederversammlung fragte Hans Wißkirchen nach Anregungen für das Tagungsthema 2027 – denn die nächsten beiden Jahre sind gesetzt: 2025: 150. Geburtstag, 2026: 125 Jahre Buddenbrooks.

    Jedenfalls stand eine Frau auf und regte an, Thomas Mann und die Frauen oder Thomas Mann und das Judentum in den Blick zu nehmen. Für beide Themen böte dieses Buch vielfältige Quellen. Kröll hat den Briefwechsel mit Ida Herz intensiv studiert. Ihr Schicksal als Jüdin aus der Nazi-Stadt Nürnberg und ihre Bewunderung für Thomas Mann, die oft von der geistigen Ebene in die körperliche überspringen wollte – von ihrer Seite – verzahnen sich unauflöslich. Den privaten und sehr freien Ton von Thomas Manns Briefen an die Herz genoß ich sehr, wie stark er sich doch unterscheidet vom Tenor der Briefe an wichtige Persönlichkeiten. Wie du richtig sagtest, entdeckt man ganz neue Seiten an „unserem“ Thomas Mann.

    Als störend habe ich empfunden, daß Kröll im Ton einer Kampfschrift versucht, den berühmten Biographen Thomas Manns Oberflächlichkeit und mangelnden Tiefgang vorwirft, auch wenn er hie und da recht damit hat. Von Thomas Mann hätte er lernen können, solcherlei in ironischen Spitzen zu formulieren und auf Schulmeisterei zu verzichten. Seine psychologischen Studien der abschließenden Kapitel wage ich nicht zu beurteilen. Vorlesungen von Sigmund Freud verstehe ich sehr gut, diese Auslassungen von Kröll weniger.

    Wie ich dir schon schrieb, habe ich das Exemplar von Inge Jens erwischt. Ich wagte nicht, eigene Anstreichungen zu machen. Jene von Inge Jens sind dezent, aber präzise: Hinweise zum vorgenannten Biographenstreit markiert sie mit kurzen Strichen, aber wenn Katia ins Spiel kommt, ihren Mann unterstützend und beschützend vor der zuweilen etwas zudringlichen Ida Herz, wird die Markierung verdoppelt und zuweilen eine Unterstreichung hinzugefügt. Das Buch erschien 2001, Frau Thomas Mann2003, fraglos hat Frau Jens daraus geschöpft. Ich erinnere mich noch gut an diese angenehme, selbstbewußte und dennoch bescheiden auftretende Frau bei ihrem Vortrag damals im Uni-Club – Seid ihr auch dort gewesen?

    Zur Aktualität von Thomas Mann habe ich mir zwei Zitate herausgeschrieben: »Die Juden heißen ›das Volk des Buches‹ – man muß verstehen, was alles in dem Wort ›Buche‹ an Empfindlichkeit, Empfänglichkeit, seelischer Reife, Leidenskenntnis,

    Liebe zum Geistigen symbolisch sich andeutet, um die Dankbarkeit zu begreifen, die der literarische Geist gerade in Deutschland den Juden schuldet.« (Als Quelle nennt Kröll hier: Mann, Manifeste. Ich mußte eine Weile in meinen Regalen stöbern, bis ich fand, was er meint: Katia Mann gab 1966 „Thomas Mann: Sieben Manifeste zur jüdischen Frage“ heraus. Das Zitat entstammt dem Text „Zum Problem des Antisemitismus“ von 1937)

    Dann zur Verteidigung der Demokratie: »Jede Sorge um die ›bürgerliche Kultur‹ ist läppisch, wenn es wie jetzt zum Äußersten kommen soll. Kommunisten und Sozialdemokraten müssen sich jetzt finden, und ihnen muß das katholisch-universalistische Deutschland, die protestantische Bildung, das Judentum, die Künstlerschaft, – müssen alle, alle, die noch einen Funken geistiger Ehre im Leibe haben, eine entschlossene Front bilden, damit diesen Kriegslümmeln, diesen Henkern deutscher Freiheit und Geistigkeit das Handwerk gelegt werde.« So schrieb er Ida Herz am 28. Februar 1933 – man hat nicht auf ihn gehört.

  • Rundbrief Nr. 67

    Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,

    aufgrund der vielfältigen Ereignisse ist dieser Rundbrief lang geraten. Also: Machen Sie es sich bequem, stellen Sie sich ein Gläschen Wein parat und dann kann es losgehen mit meinen Notizen zu den diesjährigen

    Thomas Mann – Tagen

    in Lübeck, und hier mit der Verleihung des

    Thomas Mann – Preises an Navid Kermani.

    Sie fand statt im Kammerspielsaal des Theaters und wurde moderiert von der neuen Leiterin des Buddenbrook-Hauses Frau Dr. Caren Heuer. Sie beklagte zurecht, daß die Bühne von der Stadt wie zu einer Trauerfeier dekoriert war, wonach der Lübecker Bürgermeister für Heiterkeit sorgte, als er den Preisträger mit „Herrn Kerami“ ansprach.

    Dies wurde ihm aber verziehen, da er zudem verkündete, daß am Vorabend die Bürgerschaft der Hansestadt Lübeck die notwendigen Mittel zum Umbau des Buddenbrook- Hauses freigegeben hatte. Nach dreijähriger Stagnation kann es nun endlich mit dem Projekt weitergehen. Man rechnet mit einer Fertigstellung im Jahr 2031.

    Es folgte die Laudatio von Wolfgang Matz, dem Lektor von Kermani im Hanser-Verlag. Dessen literaturhistorische Einordnung war witzig, wenig verständlich und zu lang, aber er hatte mit seinen langen Gliedern eine eindrucksvolle Gestik, und da die ersten Gehversuche Kermanis Neil Young im Titel trugen, zog er plötzlich eine Mundharmonika aus dem Jackett und stimmte „Hard of Gold“ an.

    Am Ende sprach Kermani zur Geschichte des Landes seiner Vorväter, zur Beziehung, ja Verflechtung seiner Familie mit eben jener Geschichte. Er führte aus, daß nicht 1989 der große Wendepunkt in der Nachkriegsgeschichte gewesen sei, sondern 1979 mit der Iranischen Revolution – wir können uns auf die Publikation seiner Rede im Jahrbuch freuen.

    Zwischen den Beiträgen betrat alt und gebeugt Majid Derakhshani die Bühne, ein Weltstar der Langhalslaute, der auf Wunsch von Kermani geladen worden war. Virtuos entlockte er seiner ‚Tar‘ jazzig-meditative Klänge. Eine wunderbare neue Hörerfahrung.

    Zur Veranstaltung am Samstagmorgen:

    Thomas Mann kontrovers – Hans Castorp: Ein simpler Held?

    möchte ich nicht viel Worte verlieren: Die FAZ berichtete darüber – den Artikel finden Sie im Anhang. Zwei für mich neue und herausragende Köpfe unserer Gesellschaft lernte ich dabei kennen: Frau Dr. Katrin Max – sie unterrichtet an der Hochschule in Leipzig – und Herrn Dr. Michael Navratil, Dozent an der Studienstiftung des Deutschen Volkes in Bonn – die anwesenden Mitglieder unseres Ortsvereins waren sich einig, daß wir ihn zum Vortrag einladen müssen – was ich am Abend auch tat. Eine Termin- und Themenabstimmung erfolgt in Kürze.

    Dr. Michael Navratil                                       Oliver Fischer                                       PD Dr. Katrin Max

    Mitgliederversammlung:

    In diesem Jahr standen Vorstandswahlen an. Aus dem Vorstand traten zurück Frau Prof. Dr. Elisabeth Galvan und Herr Prof. Dr. Andreas Blödorn, für diese beiden wurden Frau Prof. Dr. Barbara Beßlich und Herr Oliver Fischer gewählt, der Vorsitzende des Ortsvereins Hamburg (sein Buch: «Man kann die Liebe nicht stärker erleben» erscheint im November bei Rowohlt – Er wird es in Bonn vorstellen). Außerdem bat unser Schatzmeister Herr Michael Haukohl um Entlastung, an seiner Stelle wurde Herr Henning Biermann gewählt.

    Beim Beirat stellte die frühere Leiterin des Buddenbrook-Hauses ihr Amt zur Verfügung, an ihre Stelle trat Frau Dr. Caren Heuer, ihre Nachfolgerin im Amt. Als Vertreter des Jungen Forums wurde Jan Hurta in den Beirat gewählt, durch den „Aufstieg“ von Oliver Fischer in den Vorstand wurde im Beirat eine Position frei. Hier wurde nun Frau Dr. Katrin Max aus Leipzig und Herr Prof. Dr. Kai Sina aus Münster gewählt. Meine Wenigkeit wurde als Beirat im Amt bestätigt.

    Meinen am Ende dann frei gehaltenen Vortrag bei der Mitgliederversammlung zu den Aktivitäten unseres Ortsvereins finden Sie im Konzept im Anhang. Hierbei bat ich auch Frau Dr. Natia Tscholadze auf die Bühne. Sie bedankte sich für die starke Unterstützung aus unserem Ortsverein bei der Gründung eines georgischen Thomas-Mann-Freundeskreises in Kuatissi, Georgien, berichtete vom dem großen Interesse an Thomas Mann in ihrem Land und von den stark steigenden Mitgliederzahlen. Neben ihr waren drei weitere Damen aus Georgien nach Lübeck gekommen, die beinahe akzentfrei Deutsch sprechen und sehr kenntnisreich zu Thomas Mann. Ich bedankte mich in diesem Zusammenhang bei Frau Ekaterina Horn, einer in Deutschland lebenden Landsfrau von Natia, die vor gut zwei Jahren die ersten Kontakte nach Georgien geknüpft hatte, und ich erinnerte daran, daß am 26. Oktober in diesem Lande richtungsweisende Wahlen stattfinden werden: Wohin wird sich das Land in den nächsten Jahren orientieren? Nach Westen oder nach Osten?

    Am Abend gab es dann die Feierstunde zum dreißigjährigen Bestehen des Jungen Forums im Logenhaus – ich wollte es kaum glauben: Aber es gibt sie noch, die Freimaurer in Lübeck, und sie besitzen ein klassizistisches Gebäude mit einem herrlichen Saal…

    In der Feierstunde wurde daran erinnert, wie skeptisch die jungen Leute damals beäugt wurden, und wie viele tüchtige und tätige Mitglieder unserer Gesellschaft inzwischen daraus erwachsen sind. Im übrigen schienen mir all die jungen Leute in ihrer Lebendigkeit und sprachlichen Brillanz als großes Hoffnungszeichnen wider den Unkenrufen zum sprachlichen Niedergang in Zeiten der sogenannten Sozialen Medien.

    Am Sonntagmorgen stellte Heinz Strunk seinen in Kürze erscheinenden Roman Zauberberg 2 in der Gemeinnützigen vor. Er hatte schon verloren, bevor er überhaupt begonnen hatte: Der Romantitel wurde in unseren Kreisen als Zumutung empfunden, auch wenn Strunk sich dann redlich bemühte, seine Chuzpe zu begründen. Ich finde sein Anliegen völlig legitim, Thomas Mann hat kein Heiligtum geschaffen. Doch seine schnoddrig überschnelle Art zu lesen gab dem ganzen Text die Anmutung eines Roadmovies, der sprachlich nicht weiter entfernt von Thomas Mann sein könnte. Die Hauptfigur Heitbrink reist nicht ins Hochgebirge, sondern in eine Mecklenburgische Seenlandschaft, nicht in ein Lungensanatorium, sondern in eine Kurklinik für psychosomatische Erkrankungen. Edo Reents von der FAZ versicherte mehrfach, daß Strunk aus dieser Ausgangslage erzählerische Funken schlagen würde. Man war davon ausgegangen, daß Strunk bekannt ist, dieser seit 20 Jahren erfolgreiche Schriftsteller. Da hatte man sich getäuscht. Irgendwann stand auch Herr Wißkirchen auf und legte sich für den Autor ins Zeug, verwies auf das vorletzte Kapitel, das zu 80% aus Thomas Mann bestünde – aber da war es schon zu spät.

    Dies nur als Schilderung des Ablaufs. Ich bin kein Literaturkritiker. Als Person war mir Heinz Strunk in seiner klugen und frech-witzigen Art sehr sympathisch.

    Ich wollte ihnen mit diesen Schilderungen einen Eindruck davon geben, wie vielfältig und bereichernd eine solche Tagung ist. Die nächste Thomas-Mann-Tagung findet nicht im September statt, sondern vom 5. bis 9. Juni 2025: Zunächst wird in den 150. Geburtstag Thomas Manns hineingefeiert und dann viel darüber gesprochen.

    In unserem Hotel war ich zufällig im Willy-Brandt-Zimmer gelandet, keiner üppigen Kammer, aber nett eingerichtet mit vielen Willy-Bildern an den Wänden, auch mit einer Tafel mit Auszügen aus dessen Erinnerungen: „Fünfeinhalb Jahre waren vergangen, als ich im Oktober 1938 in Paris, …, Heinrich Mann vorgestellt wurde. Die sieben Türme, so sagte er mit Tränen in den Augen und Trauer in der Stimme, …, werden wir wohl nie mehr wiedersehen.“

    Womit die Überleitung zum nächsten Thema gelungen wäre: zu den

    Tagen des Exils in Bonn,

    zu unserer Veranstaltung am 10. September im Haus an der Redoute, zum Vortrag von

    Prof. Friedhelm Marx „Thomas Mann im amerikanischen Exil“.

    Wir hatten rund 35 Gäste, gut die Hälfte davon ganz neue Gesichter in unserem Kreis, was wir der Initiative der Tage des Exils der Körber-Stiftung zu verdanken haben.

    Sein frei gehaltener Vortrag zu Thomas Manns Exil war sehr beeindruckend, beginnend der Schilderung des Vertriebenwerdens, von dem psychologischen Schock, auf einer Vortragsreise zu sein und zu erfahren, nie mehr nach Hause kommen zu dürfen. Diesen stelle ich mir grausamer vor als den materiellen. Ohnmächtig im Ausland sitzen zu müssen, während irgendwelche Barbaren sich seiner Habe bemächtigen und seine Bibliothek durchwühlen, muß für Thomas Mann schrecklich gewesen sein!

    Marx blendete eine ganze Reihe von Zitaten aus den dreißiger Jahren ein, die in der Rückschau prophetisch anmuten, hinsichtlich der Gefügigmachung des Volkes zum Krieg, des Ausmerzens aller Gegenstimmen, die aber, in die Aktualität übertragen, allzu gut auf Putin und Konsorten zugeschnitten scheinen. Auch wenn sich Thomas Mann mit öffentlichen Äußerungen drei Jahre lang sehr zurückhielt, so erkannte er doch früh, wohin die Naziherrschaft strebte, und brachte dies in seiner unvergleichlichen Sprache zum Ausdruck.

    Thomas Mann wurde das Bürgerrecht entzogen und die Ehrendoktorwürde von Bonn obendrein – hierzu mehr in einem der nächsten Rundbriefe. Nach Annahme der tschechischen Staatsbürgerschaft war er noch einige Zeit in der Schweiz, bevor er 1939 nach den USA übersiedelte, wo ihm Asyl gewährt wird, bevor er später die amerikanische Staatsbürgerschaft erhält.

    Foto: Magdalena Bahr, Gemälde im Hintergrund: Günther Herzing

    Zurück ins Jahr 1939: Der Krieg liegt in der Luft, und Hitler sitzt fester als je zuvor im Sattel. Wird es je eine Chance geben, diesen Diktator zu stürzen? Thomas Mann engagiert sich stark in der Flüchtlingshilfe, sammelt viel Geld, um Einreisebewilligungen möglich zu machen und ist sich sicher, den Rest seines Lebens in seinem Gastland verbringen zu dürfen, mit dessen Präsidenten er sich freundschaftlich verbunden fühlt und dessen Grundwerte er teilt. In diesem Lande baut er sich ein letztes Mal ein Haus.

    Doch nochmals hat sich Thomas Mann getäuscht, nochmals wurde er enttäuscht, auf eine rote Liste gefährlicher Kommunisten gesetzt. Wieder erhebt er seine Stimme, spricht von der Gefährdung der Demokratie in Amerika, Ähnlichkeiten mit der Gegenwart sind nicht zufällig.

    Als Friedhelm Marx das Publikum dazu aufrief, Fragen zu stellen, hob ich sofort die Hand: Wann machen Sie ein Buch draus? Er machte uns Hoffnung auf eine Broschüre seiner Hochschule.

    Bekenntnisse des Hochstaplers Thomas Mann…

    … unter diesem provokanten Titel kommt im November ein „hybrider Dokumentarfilm“ in die Kinos. Ich wurde von der Produktionsfirma mindjazz-pictures aus Köln angeschrieben und um Kooperation gebeten. Bislang habe ich nur zurückhaltend auf diese Anfrage reagiert, zumal dessen Trailer einen ambivalenten Eindruck hinterläßt, den Eindruck einer Gleichsetzung der homosexuellen Aspekte der Krull-Figur mit Thomas Mann. Der Film nennt sich „hybrid“, da Spielfilmszenen im Wechsel mit Original-Filmaufnahmen von Thomas Mann gezeigt werden. Der Regisseur André Schäfer, so wurde mir mitgeteilt, „verzichtet vollständig auf neu gedrehte Interviews mit Expert*innen“ – und nun sucht man die Kooperation mit ebensolchen. Und dennoch werde ich gemeinsam mit Thomas Schmalzgrüber am 3.November der Einladung zur Premiere folgen – spätestens zum Stammtisch werden wir berichten.

    Feuilleton

    Auch hier wird es um Flucht und Vertreibung gehen:

    Die Schauspielerin und Schriftstellerin Hertha Pauli spielte bis 1933 unter Max Reinhard in Berlin, war mit Walter Mehring und Ödön von Horváth befreundet, lebte dann bis 1938 in Wien, um nach dem sogenannten „Anschluß“ weiter nach Paris zu fliehen. 1970 veröffentlichte sie ihre Erinnerungen an die Jahre Ihrer Flucht unter dem Titel Der Riss der Zeit geht durch mein Herz. Ein ungemein fesselndes Buch, die „Innenansicht“ auf das Leben auf der Flucht ohne dickes Portemonnaie. Nach dem Fall von Paris geht es über weite Strecken zu Fuß nach Südfrankreich, neben Mehring sind Jozef Wittlin und Hans Natonek mit von der Partie. Letzterer kommt auf den Gedanken, Thomas Mann einen Brief zu schreiben und um Unterstützung zu bitten – und diese Hilfe kommt an, auch dank des unermüdlichen Einsatzes von Varian Fry, an den erst in neuester Zeit angemessen erinnert wird. (Uwe Wittstock hat in seinem jüngst erschienenen Bestseller Marseille 1940 auch aus diesem Werk geschöpft)

    Allen vorgenannten – jüdischen – Schriftstellern gelang die Flucht in die USA, Walter Mehring konnte dort von seinen Tantiemen leben, Hertha Pauli wurde Kinderbuchautorin, Jozef Wittlin und Hans Natonek sind heute fast vergessen. Von ihrem Talent als Schriftsteller konnten beiden in den USA nicht mehr leben, Talente, die beide kurz vor Kriegsausbruch mit bei Allert de Lange in Amsterdam erschienen Romanen unter Beweis stellen konten. Diese will ich hier kurz vorstellen.

    Hans Natonek wurde 1892 in Prag geboren und konnte als junger Mann seine erste Prosaskizze „Ghetto“ 1917 in der Textsammlung „Das jüdische Prag“ veröffentlichen, in der auch Franz Kafka seine Erzählung „Ein Traum“ unterbrachte. Das Leben in dem kulturellen Nebeneinander war der Nährboden seines Geistes. So ist es kein Zufall, daß sein Hauptwerk „Der Schlemihl“ das Leben des französisch-deutschen Schriftstellers und Naturwissenschaftlers Albert de Chamisso beleuchtet. Für Natonek ist er Symbol für die kulturelle Nähe von Frankreich und Deutschland, für einen Flüchtling vor den Fängen eines rücksichtslosen Welteroberers, für einen Freund der Juden, von Geist und Poesie ohnehin, von der Schönheit des Lebens. Kein modernes Buch, aber ein schönes.

    Ich genoss seine pathetisch-poetische Sprache. 1938 erschienen, quasi als Mahnung und Gegenbild zur Gegenwart.

    1941 kam Natonek mit dem Flüchtlingsschiff „Manhattan“ in New York an, er zählte 48 Jahre, hatte vier Dollar in der Tasche stellte er sich die Frage: „Wie oft kann man ein neues Leben beginnen?“ „Exil ist keine Lösung, die Sprache wandert nicht aus“, schrieb er 1961 an seinen Sohn nach Deutschland. In den USA schlug er sich zunächst als Leichenwäscher durch, bevor er Deutsch, Französisch und Geschichte unterrichten konnte.

    Józef Wittlin wurde 1896 in Galizien auf dem Gebiet der heutigen Ukraine nahe Lemberg in eine jüdische Familie hineingeboren. Vielsprachigkeit war in den Weiten von Österreich-Ungarn selbstverständlich, seine Mutter war Deutsche, 1915 machte Wittlin in Wien Abitur und war dort mit Joseph Roth befreundet. In Paris fanden sich die beiden auf ihrer Flucht wieder, Roth ertrank vor Kummer im Alkohol, Wittlin machte sich nach Kriegsbeginn mit Hertha Pauli, Hans Natonek und vielen anderen auf den Weg in den Süden Frankreichs. Nach der gemeinsamen Flucht in die USA konnte er nicht mehr als Schriftsteller Fuß fassen. Von 1952 an war er Mitarbeiter des vom US-Kongress finanzierten Senders Radio Free Europe, der in mehreren Sprachen Programme in den Sowjetblock ausstrahlte. Später wurde er Lehrer.

    Kurz vor der Flucht aus Paris gelang es ihm, seinen großartigen Roman Das Salz der Erde fertigzustellen. Er erschien 1937 bei Allert de Lange und wurde seither mehrfach neu aufgelegt, zuletzt 2014 bei S. Fischer.

    Der ganze Roman ist ein großer prophetischer Klagegesang. Berückend im Ton, ein elegisches Andante, das so ganz im Gegensatz steht zu den tragischen Ereignissen ringsum, dem Beginn des Ersten Weltkrieges. Im Mittelpunkt steht der Bahnwärter Piotr Niewiadomski – zu Deutsch etwa: Peter Unbekannt – ein Analphabet, der die Welt mit vorurteilsfrei klaren Augen sieht, woraus der Roman seinen traurigen Witz erzielt. Der naive Piotr wird mit dem Hereinbrechen der großen Welt in sein kleines Leben konfrontiert, wird eingezogen, eingekleidet, gemustert und am Ende eingegliedert in das große Heer des gleichgeschalteten Kanonenfutters. Sie sind das Salz der Erde, das zertreten wird im Schmutz. Wittlin weiß, wovon er schreibt, war selbst zwei Jahre als Soldat an der Front, und er wußte auch, wie sehr man gläubige Juden im Heer verhöhnte.

    Wittlin schrieb diesen Roman, als der nächste Krieg schon in der Luft lag, ihm ist ein großes Menetekel gelungen auf das, was Europa noch bevorstehen sollte. Und mit der biblischen Wucht des Titels endet der Roman auch: Der Stabsfeldwebel Bachmatiuk läßt über die neu eingekleideten und aller Seele beraubten Soldaten seine Blicke schweifen und stellt fest: Und er sah, daß es gut war.

    Erschienen bei Allert de Lange, Amsterdam 1937, Hier Ausgabe Suhrkamp 1990
    Ausgabe Allert de Lange, Amsterdam 1938
    Erschienen bei Zsolany 1970, Neuausgabe 2022

    Stammtisch

    Unser nächster Stammtisch wird im Gasthaus Nolden in Bonn-Endenich stattfinden, und zwar am Donnerstag, den 14.November um 18.00 Uhr. Bitte vormerken, weitere Details folgen.

    Es grüßt herzlich Ihr Peter Baumgärtner

    Alle Fotos, sofern nicht anders bezeichnet, stammen von Peter Baumgärtner

  • Rundbrief Nr. 66

    Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,

    Die „Tage des Exils“ wurden gestern im vollbesetzten Saal des LVR-Landes- museum feierlich eröffnet. Der Schirm- herr Christopher Hope hielt eine beeindruckende Eröffnungsrede. Er sprach von seiner Heimat, von seinem „home“, von Südafrika, dem Land, das er verlassen mußte Anfang der 70er Jahre, das ihm nur unter der Bedingung einen Paß ausstellte, nie mehr zurückzukommen. Sein Paß wurde ihm Ausbürgerungsurkunde. Mit viel Witz beschrieb Hope die traurigen Zustände in seinem Heimatland Südafrika. Wir erhielten eine Geschichtsstunde in literarischer Sprache. Ein Autor, den wir für uns wiederentdecken sollten. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion wurde er gefragt, wie er heute mit 80 Jahren, nach 50 Jahren im Exil, zu seinem „home“ stehe? Nun, sagte er zögerlich, wie zu einer alten Geliebten, von der er nicht wisse, ob er sie heiraten solle oder die nächste Klippe hinunterwerfen.

    Beim Sekt danach sprach ich ihn an, stellte mich vor als Mitglied unserer Gesellschaft, und sagte ihm, daß ich seinen Redetext sehr gerne hätte, seine feine Ironie würde mich an Thomas Mann erinnern. Die Falten seines alten Gesichts begannen zu strahlen.

    Die Vertreter der Körber-Stiftung versicherten mir, daß seine Rede publiziert würde, über welches Medium sei noch unklar. Ich werde sie nachreichen.

    Nun zu unserer Veranstaltung am 10. September im Haus an der Redoute, zum Vortrag von Prof. Friedhelm Marx „Thomas Mann im amerikanischen Exil“. Es liegen inzwischen 22 Anmeldungen vor, die Hälfte davon sind nicht Mitglieder unseres Ortsvereins. Wir sollten dies als Chance begreifen. Ich bitte einige Mitglieder schon um 18.30 Uhr vor Ort zu sein, also eine halbe Stunde vor Beginn. Wir bekommen den Saal sehr günstig, müssen aber selbst die Stühle rücken, den Eintritt kassieren, Bücher verkaufen, etc. Da der Platz im Haus an Redoute beschränkt ist, bitte ich darum, sich anzumelden, da ich niemanden wegschicken will.

    Stammtisch

    Nun endlich will ich von unserem Stammtischabend im Hause der Schlaraffia berichten. Wir wurden begrüßt von unserem Gastgeber Herrn Wolfgang Koehler, der die Gelegenheit nutzte, Werbung zu machen für seine Gesellschaft, die noch älter ist als Thomas Mann und in der sich Nachwuchssorgen breit machen. Er stellte sie vor als einen liberalen, weder konfessionell noch politisch gebundenen (Männer-) Verein, der dem Humor zugeneigt ist.

    Es waren 23 Mitglieder gekommen – mehr als zur Jahresmitgliederversammlung! Wir hatten den Raum für uns, störten also keine anderen Gäste, und so entwickelte sich die Veranstaltung weg vom Stammtisch hin zu einem Vortragsabend, was keineswegs schlecht war, da es allerhand zu berichten gab, insbesondere aus Davos von der Tagung: Hundert Jahre Thomas Manns Der Zauberberg – eben just im Ort des Geschehens der Romanhandlung.

    Patricia Fehrle faßte die Vorträge knapp und bündig zusammen, gab aber auch zu verstehen, sich auf deren Erscheinen im Jahrbuch zu freuen, da deren Inhalt zuweilen sehr komplex gewesen sei und ein Nachlesen sich sicher lohnt. Was man sich gönnen sollte – und hier geriet Frau Fehrle ins Schwärmen – ist ein Aufenthalt im Retrohotel Schatzalp. Ich werde dies jedenfalls in nicht allzu ferner Zukunft tun, allerdings ohne die Tage in einem klimatisierten Vortragssaal zu verbringen.

    Frau Fehrle übergab dann das Wort unserem „Musiker“ Bernhard F. Schoch, der über das musikalische Begleitprogramm berichtete und insbesondere auf den Vortrag von Dr. Robert Grossmann einging. Grossmann ist der Komponist der Zauberberg-Oper, die 2002 in Chur uraufgeführt wurde. Zehn Jahre hatte er daran gearbeitet, über aller Versunkenheit in das Projekt scheiterte seine Ehe, um die Uraufführung möglich zu machen, schoß er privates Kapital hinzu und hatte am Ende nur sehr mäßigen Erfolg. Herr Schoch war voll des künstlerischen Mitgefühls.

    Herr Pfeifer berichtete dann von einer privaten Reise nach Davos, wozu er eine Reihe von herrlichen Landschafts- und Architekturaufnahmen präsentierte. Da die Zeit schon fortgeschritten war, konnte er seinen Vortrag zur Entstehungsgeschichte des Romans und seines persönlichen Verhältnisses zum Zauberberg leider nicht zu Ende bringen.

    Ich hatte noch Gelegenheit, mit unseren Übersetzern der Hommage à Thomas Mann zu sprechen. Die Edition dieses Werks wird noch in diesem Jahr in Angriff genommen.

    Viele Dinge sind zu klären, Urheberrechtsfragen, Finanzierung, etc. Ziel ist es, dieses Buch zum 150.- Geburtstag Thomas Manns vorliegen zu haben und eine entsprechende Veranstaltung hierzu auf die Beine zu stellen.

    Unser nächster Stammtisch wird im Gasthaus Nolden in Bonn-Endenich stattfinden, und zwar am Donnerstag, den 14.November um 18.00 Uhr. Bitte vormerken, weitere Details folgen.

    Georgien

    Hier gibt es zwei erfreuliche Nachrichten zu verkünden.

    Erstens: Die fünf Paten für die georgischen Mitglieder haben sich gefunden – schönen Dank dafür.

    Zweitens: In Lübeck fand sich eine Frau aus Georgien, die dort mit einem Herrn Hagenström verheiratet ist – und ich hatte immer gedacht, diesen Namen hätte Thomas Mann frei erfunden. Und was noch schöner ist: Unsere Natia darf die zur Tagung bei Hagenströms übernachten!

    Feuilleton

    Gemeinsam mit unserem Ortsvereinsmitglied Jutta Hartmann besuchte ich dieser Tage Polling. Sie hatte berichtet, daß dort ein Doktor-Faustus-Rundweg eingerichtet sei, diesen galt es zu besuchen. Wir trafen uns dort mit Dr. Fritz Wambsganz, der eben jenen Rundweg eingerichtet hat und dafür sorgte, daß Faltblätter in der Touristen-Information der Gemeinde ausliegen.

    Mit dem Ort muß ich beginnen: Er hat kaum 2000 Einwohner und der Zug von München nach Garmisch rauscht seit Jahren an ihm vorbei. Man kann nicht mehr anreisen, wie weiland Zeitblom oder Leverkühn, weshalb wir in Murnau übernachteten.

    Dann zur Klosteranlage: Sie wurde zu Napoleons Zeiten säkularisiert, aber die gewaltigen Gebäude sind noch vorhanden, werden von Behörden genutzt, ein Pflegeheim wird eingerichtet, etc. Die Klosterkirche nimmt sich aus wie eine Kathedrale, im Äußeren zurückhaltend gestaltet, im Innern schwülstig Barock – nicht mein Ding.

    Dann der Hof der Familie Schwaiger, im Roman der Schweigestills: Er ist alles andere als ein gewöhnlicher Bauernhof, wie ich ihn im Sinn hatte: Er war der Maierhof des Klosters, geht wie die gesamte Anlage auf das 14. Jahrhundert zurück und hat gewaltige Ausmaße. Der Hof an sich beinahe so groß wie ein Fußballfeld, zwei altersschwache Linden brechen seine Größe. Alles ist in Privatbesitz eines wohlhabenden Anwalts, dessen Hobby es ist, alte Mercedes-Sportwagen zu restaurieren. Genauso liebevoll und denkmalgerecht geht er mit den alten Gebäuden um. Neben der riesigen Scheune, heute Werkstatt, gibt es zwei Wohnhäuser: Das frühere Bauernhaus und das Haus des Abtes, in dem sich der uns bekannte Nike-Saal befindet. Er ist heute das Wohnzimmer einer jungen Familie, den Mietern dieser Etage des Abthauses. Dr. Wambsganz ermöglichte uns den Zugang in den besagten Saal, der nicht größer ist, als unser aller Wohnzimmer – allein auf ein Kreuzrippengewölbe müssen wir zuhause verzichten.

    Ein Spaziergang hinaus zum Klammerweiher am Fuße des Buchel, eines bewaldeten Höhenrückens, lohnt sich allemal. Insgesamt ist es kein Wunder, daß Thomas Mann dieser Ort mit seiner übergroßen Klosteranlage im Gedächtnis blieb nach ersten Besuchen im Jahr 1903.

    Ich erlaube mir noch, Sie auf einen kleinen literarischen Ausflug ins nahe Murnau mitzunehmen. Hier lebte und schrieb der Diplomatensohn Ödön von Horváth im Hause seiner Eltern in den Jahren 1923 bis 1933. In diesen Jahren wurde er bekannt als Autor provokanter Theaterstücke, weshalb der Freistaat Bayern ihm, dem gebürtigen Ungarn, 1928 die Einbürgerung verweigerte. Große Popularität und großen Haß zog er endgültig 1930 auf sich mit der Veröffentlichung seiner grandiosen Satire: „Der ewige Spießer“. Als 1933 Hitlers erste Rundfunkansprache auch in Murnau im Gasthof zur Post aus den Lautsprechern klang, bat Horváth die Wirtin, den Schreihals doch auszudrehen, worauf er von einigen SA-Leuten sehr unfreundlich hinausbefördert wurde.

    Diese Dinge sind im Schloßmuseum Murnau neben den Werken von Münter, Macke, Marc und Kandinsky sehr schön aufbereitet. Und 1933 begann eben Horváths Leben in Flucht und Vertreibung, womit wir wieder beim Anfang des Rundbriefs angekommen sind. 1937 erschien bei Allert de Lange in Amsterdam sein großartiger Roman „Jugend ohne Gott“, der Geschichte eines Lehrers im dritten Reich, der sich im Unterricht erlaubte zu sagen: „Neger sind auch Menschen.“ Die Empörung richtete sich nicht gegen das N-Wort, sondern gegen dieses liberale humanistische Gefasel. Thomas Mann soll in einem Brief an Carl Zuckmayer geschrieben haben, er halte dieses Buch als das beste der letzten Jahre.

    Im Mai 1938 macht Horváth in Paris die Bekanntschaft mit Klaus Mann („Netter, seltsamer Mensch“ KM, Tagebuch) bevor er ein paar Tage später auf den Champs Elysées von einem Baum erschlagen wird. Dazu Klaus in seinem Tagebuch: „Ihm kam der Tod. NEID.“

    Es wäre schön, wenn wir uns Dienstag in acht Tagen im Haus an der Redoute sehen würden.

    Es grüßt herzlich Ihr Peter Baumgärtner

  • Rundbrief Nr. 65 + Flyer Thomas Mann im amerikanischen Exil + Info Tage des Exils

    Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,

    endlich ist der Sommer nun auch bei uns angekommen, und ich hoffe, Sie haben für sich ein kühles Plätzchen gefunden. In gut vier Wochen werden wir an einem kühlen Plätzchen zum Stammtisch zusammenfinden, und zwar im Haus der Schlaraffia Bonn, am 19. August um 19.00 Uhr in der Schedestraße 17, ganz in der Nähe der U-Bahn- Station Museum Koenig. Wolfgang Koehler, unser Mitglied, das uns dorthin eingeladen hat, bittet um Anmeldung, damit am Abend die Getränke nicht ausgehen.

    Im Vorfeld der Jahrestagung in Lübeck gibt es sicher viel zu bereden, und ich hoffe auch darauf, daß das ein oder andere Mitglied aus Davos wird berichten können. Als Ergebnis wünsche ich mir Anregungen, Ideen und Vorschläge für weitere Veranstaltungen in Herbst und Winter dieses Jahres.

    Die „Tage des Exils“ werden erste Höhepunkte bringen. Sie finden statt vom 30. August bis zum 14. September in Bonn und werden veranstaltet von der Körber- Stiftung in Zusammenarbeit der Stadt Bonn. 40 Veranstaltungen beleuchten dieses Thema in nur 15 Tagen. Das Beethoven-Haus bringt sich in ganz besonderer Weise in die Veranstaltungsreihe ein. So fand die Pressekonferenz zur Vorstellung des Programms im Kammermusiksaal statt. Malte Boecker, der Direktor des Beethovenhauses, betonte in seinem Grußwort, daß Beethoven zwar kein Exilant gewesen sei, aber in kriegerischen Zeiten viel Flüchtlingselend gesehen habe und stets die Idee der Gedankenfreiheit des Menschen hochgehalten habe.

    Und um nichts Geringeres geht es.

    Die ersten „Tage des Exils“ fanden 2016 in Hamburg statt und waren damals eine fast ausschließlich literarische Veranstaltungsreihe. Das aktuelle Programm wird von einem breiten Spektrum von Kultureinrichtungen und gesellschaftlichen Gruppen getragen, von Theatern, Kinos, Kirchen, Bildungseinrichtungen – keinen Parteien. Jedenfalls ist man froh, daß mit unserem Ortsverein auch eine literarische Gesellschaft an der Reihe teilnimmt.

    Wir werden vertreten durch Prof. Dr. Friedhelm Marx, einem der Vize-Präsidenten unseer Gesellschaft, der bereits Stipendiat im Thomas-Mann-Haus in Pacific-Palisades gewesen ist und daher prädestiniert, über das Leben Thomas Manns im Exil zu berichten.

    Die Kosten für das Veranstaltungsmanagement, die Plakatierung in der Stadt und für die Herstellung einer 50-Seitigen Broschüre trägt die Körber-Stiftung. Zum Stammtisch werde ich einen Stapel davon mitbringen, unsere Seite finden Sie im Anhang als PDF. Eine tolle Gelegenheit, uns in weiten Kreisen der Stadt bekannt zu machen.

    Als Schirmherr für die „Tage des Exils“ konnte Christopher Hope gewonnen werden, der Vater des weltberühmten Geigers und Präsidenten der Beethoven- Gesellschaft Daniel Hope. Christopher Hope ist ein in Südafrika berühmter Schriftsteller, der schon in den 50er Jahren von dort ins Exil nach London vertrieben wurde. Der Grund: Er hatte sich vehement für die Gleichberechtigung der Schwarzen ausgesprochen und war dem Apartheit-Regime verhaßt. Einige seiner Werke wurden vor rund 30 Jahren in deutscher Sprache herausgeben. So der schmale Band „Goldstück“.

    Die drei Erzählungen darin spielen in einer uns sehr fernen Welt, im Südafrika der frühen 50er Jahre, den Kinderjahren von Hope, und mit naiven Blicken betrachtet der Erzähler seine Welt, eine Welt der Apartheit, in die verwundete und erschöpfte schwarze Soldaten zurückkehren. Sie hatten gegen Hitler gekämpft und nun sollen sie sich wieder in ihre Sklavenrolle begeben. Miniaturen großer Eindringlichkeit.

    Unter koerber-stiftung.de/projekte/tage-des-exils/tage-des-exils-bonn/ können Sie sich auch schon vorab über das Programm informieren und Karten für Einzelveranstaltungen bestellen. Auch für unsere Veranstaltung im Haus an der Redoute am 10.9. bitte ich um Anmeldungen – der Platz dort ist beschränkt.

    Georgien

    Der uns wohlbekannten Frau Dr. Natia Tscholadze ist es gelungen, eine stattliche Anzahl von Mitgliedern für den Freundeskreis Thomas Mann in Georgien zu gewinnen.

    Alleine neun haben sich bereits zur Jahrestagung nach Lübeck angemeldet! In den politisch so angespannten Zeiten kann dies nur als überdeutliches Zeichen gelesen werden für den Wunsch, sich aus der Enge der russischen Umklammerung zu lösen und dem freiheitlichen Westen, der Freiheit des Geistes, zuzuwenden. Unsere literarische Gesellschaft kann hierzu nur einen kleinen Beitrag leisten, aber einen dennoch wichtigen: Es ist wichtig für die Menschen dort, von Freunden im Westen zu wissen.

    Diese Idee wird, wie ich im entsprechenden Rundbrief schon schrieb, auch vom Vorstand unserer Gesellschaft mit Nachdruck unterstützt, unter anderem mit dem reduzierten Beitragssatz. Fünf der inzwischen zahlreichen Mitglieder des georgischen Freundeskreises (spätestens zur Jahrestagung erhalten Sie die genaue Zahl) haben auch Probleme, die 30.- Euro jährlich aufzubringen. Ich hatte daher zur Bereitschaft aufgerufen, Beitritts-Patenschaften für solche Mitglieder zu übernehmen. Drei entsprechende Bekundungen sind bei mir eingetroffen – ich bitte um weitere.

    Die Reisekosten nach Lübeck zur Jahrestagung der neun Mitglieder aus Georgien sind gemessen an den dortigen Einkommensverhältnissen erheblich. In Abstimmung mit Frau Jelen möchten wir auch hier unbürokratisch helfen. Die Tagungsgebühr kann aus formalen Gründen unseren Gästen nicht erlassen werden – aber durch Spenden beglichen. Denken Sie darüber nach. Spätestens beim Stammtisch werden wir darüber sprechen.

    Feuilleton

    Zum Schluß soll Thomas Mann nochmals zu Wort kommen: Und zwar mit einem Literaturtipp: 1922 erschien der Roman „Nero“ von Dezö Kostolányi. Er wurde zuweilen auch unter dem Titel „Der blutige Dichter“ auf Deutsch verlegt, jedenfalls muß ihn Thomas Mann alsbald gelesen haben, denn schon am 4. April 1923 schrieb Thomas Mann Kostolányi einen begeisterten Brief: „…Sie gestalten, sage ich, unter historischem Namen Menschlichkeiten, deren Intimität aus letzten Gewissenstiefen stammt.“ Sie gaben in geruhig-herkömmlicher Form ein freies und wildbürtiges, ein irgendwie ungeahntes Buch.“ Wildbürtig – welch wundersames Wort, das von meinem Rechtschreibprogramm fett unterstrichen wird. Ich würde sagen, Kostolányi hat in seinen Schilderungen ziemlich dick und pastös aufgetragen. Dennoch: auch wenn einem die Geschichte von Nero, Agrippina und Seneca geläufig ist, so kann ich den Roman als Urlaubslektüre sehr empfehlen.

    Thomas Mann schien der Roman bedeutsam genug, daß er seinen begeisterten Brief dazu in seine Essay-Sammlung „Bemühungen“ von 1925 aufnahm.

    Einstweilen wünsche ich Ihnen schöne Sommertage und sage auf bald Ihr Peter Baumgärtner



    Körber-Stiftung und Bundesstadt Bonn richten in Kooperation erstmalig die Tage des Exils Bonn aus.

    Der Veranstaltungszeitraum ist vom 30. August bis zum 14. September 2024. Schirmherr ist der südafrikanische Schriftsteller Christopher Hope, Vater des Geigers Daniel Hope, der aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber dem Apartheid-Regime in den 70er Jahren ins Exil gehen musste.

    Die Tage des Exils sind ein publikumsorientiertes Veranstaltungs- und Begegnungsprogramm. Es gibt Menschen im Exil eine Plattform und schlägt die Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Im Fokus stehen historisches Exil aber auch aktuelle Phänomene von Exil.

    Die Veranstaltungen regen zu Dialog und Verständigung zwischen Alt- und Neubürger*innen an, um so zum besseren Zusammenhalt in der Stadt beizutragen. Die Tage des Exils finden seit 2016 regelmäßig in Hamburg statt, in weiteren Städten wie Frankfurt

    a. M., Berlin und 2024 erstmalig in Bonn ist das Programm ebenfalls präsent.

    Die Tage des Exils laden dazu ein, historischen und aktuellen Erfahrungen von Exil nachzugehen. Sie rücken Menschen in den Vordergrund, die aus ihren Ländern geflohen sind, weil sie in ihren Freiheitsrechten eingeschränkt oder an Leib und Leben bedroht wurden und auf Schutz im Exil angewiesen sind. Das Veranstaltungsprogramm ist breit gefächert und regt zum Nachdenken über Heimat, Zugehörigkeit, Fremdheit und Entwurzelung an.

    Alle Kultursparten, interessierte Vereine sowie Institutionen sind herzlich eingeladen, für das Thema Exil zu sensibilisieren, darüber zu informieren und künstlerisch erlebbar und sichtbar zu machen. Dabei soll eine interkommunikative Plattform der Begegnung, des künstlerischen Austausches, des Dialoges und der Erinnerung geschaffen werden.

  • Rundbrief Nr. 64

    Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,

    diente der letzte Rundbrief der Vorschau auf kommende Veranstaltungen, so blicke ich heute auf diese beiden sehr gelungen Termine gerne zurück:

    Am vergangenen Montag las Bernt Hahn weite Teile des Schnee-Kapitels aus dem Zauberberg im Hotel Excelsior Ernst in Köln vor einem voll besetzten Raum. Was heißt er las? Er gestaltete den Text, brachte die Musik der Sprache Thomas Manns zum Klingen. Das eingewobene Nachdenken über den Tod und das Leben glaube ich an diesem Abend ganz neu und tief verstanden zu haben. Fast vierzig Zuhörer lauschten dieser angenehmen Stimme anderthalb Stunden ohne das leiseste Stühlerücken. Nach dem rauschenden Applaus klang der Abend noch lange in der Hotelbar aus.

    Im Nachgang dankte ich nochmals dem Hoteldirektor, uns den Raum zur Verfügung gestellt zu haben. Auch das Personal des Hauses war sehr bemüht, es uns an nichts fehlen zu lassen. Kein Wunder, daß in der Bar schon Ideen gesponnen wurden, wie man in dem Hause, in dem Thomas Mann 1927 mit seiner Familie übernachtete, auch dessen 150. Geburtstag feierlich begehen könnte – doch davon reden wir ein andermal.

    Auch die Führung von Herr Prof. Büning-Pfaue „Pflanzen im Werk von Thomas Mann“ im Botanischen Garten in Bonn war ein großer Erfolg. Unterstützt von Frauke May-Jones und Dorothee von Hoerschelmann wurden rund 30 Personen durch den Garten geführt. Aufgrund der großen Nachfrage hatte man mehr Personen zugelassen als ursprünglich vorgesehen, was zuweilen zu akustischen Problemen führte. Nicht nur deshalb wurde die Idee geboren, die Textvorlage von Herrn Büning-Pfaue durch Bilder der entsprechenden Pflanzen zu ergänzen und damit unsere Schriftenreihe zu ergänzen. Ein Teilnehmer der Runde – ein Botaniker – merkte an, daß Thomas Mann die wissenschaftlichen Fakten zuweilen etwas dichterisch zurechtgebogen hat. Auch dies – die dichterische Freiheit! – könnte Gegenstand des Heftes werden.

    Wenn wir uns zum nächsten Stammtisch (im August im Haus der Schlaraffia, den genauen Termin schicke ich noch rund) treffen, sollten wir uns über eine solche Projektidee austauschen. Dann werde ich auch über die Pressekonferenz zu den Tagen des Exils im Kammermusiksaal des Beethovenhauses berichten

    Georgien

    Im Namen unserer georgischen Freundinnen und Freunde bedanke ich mich für die großzügigen Spenden, die nach dem Sonderrundbrief eingegangen sind. Ich konnte inzwischen schon 850.- Euro auf Umwegen nach Georgien anweisen. Im Oktober finden dort Parlamentswahlen statt. Es gibt große Sorgen, daß diese unter der Wahrung der Chancengleichheit durchgeführt werden – Natia Tscholadze wird uns darüber berichten.

    Die Zuwendung von unserer Seite hatte auch eine ganze Reihe von Mitgliedsanträgen in Lübeck geführt. Das freut mich sehr: Die Internationalität unserer Gesellschaft wird gestärkt. Wie Sie wissen, wurde im Vorstand beschlossen, daß Beitrittswilligen aus noch einkommensschwachen Ländern der Studententarif als Mitgliedsbeitrag angeboten wird, 30.- Euro pro Jahr. Aber auch diese sind – zum Beispiel für Studierende in Georgien – noch sehr viel Geld. Daher erklärte ich mich gerne bereit, um Beitragspaten zu werben, um junge Menschen in diesem gar nicht so fernen Land dabei zu unterstützen, die Erinnerung an das Werk Thomas Manns zu pflegen und damit dem Kulturaustausch zu dienen. Es würde mich freuen, wenn ich hierfür einige Signale von Ihnen bekommen könnte.

    Einstweilen wünsche ich Ihnen schöne Sommertage und sage auf bald Ihr Peter Baumgärtner

  • Sonder-Rundbrief Georgien (Nr. 63)

    Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,

    ein Dichter, der „in die politische Arena hinabsteigt“ wird schnell mit einem „subalternen Hohn“ belegt, er möge sich doch ans „Geistige“ halten – so schrieb Thomas Mann im Nachwort zu Romain Rollands Dokumentation „Spanien – Menschen in Not“ (1937), mit dem er jenen Pazifisten Rolland unterstütze, den er in seinen Bekenntnissen noch hart angegangen war. Rolland sei ebenso wenig Politiker wie er, und dennoch: „Ja, es ist das Eigentliche, ist das Entscheidende: In der Gestalt des Politischen ist uns heute die Frage des Menschen selbst mit einem letzten und lebensgefährlichen Ernste gestellt, die frühere Zeiten nicht kannten…“

    Diese Worte klangen in meinen Ohren, als ich diese Woche las, daß die prorussische Regierung Georgiens auch in zweiter Lesung jenes Gesetz beschlossen hat, das aus allen westlichen Unterstützern feindliche Agenten macht – und habe mich dann entschlossen, gegen jenes Gesetz unverzüglich zu verstoßen.

    Auch wenn die Staatspräsidentin mit ihrem Veto das Inkrafttreten des Gesetzes aufschieben kann, ist davon auszugehen, daß das Parlament dieses Veto überstimmt. Ich sagte Natia Tscholadze zu, für sie und ihre Freunde Geld zu sammeln, um ihre Kampagne für Freiheit und Demokratie zu unterstützen. Sie bedankte sich mit einem langen Brief, hier der erste Absatz:

    Lieber Peter, ich komme aus dem Schock von gestern nicht heraus. Wie kann man sein eigenes Land und sein eigenes Volk verkaufen? Ich wünschte, ich könnte sehen, was diese 83 Menschen gedacht haben, als sie diesem Gesetz zugestimmt haben. Das ist die kommunistische Einparteienherrschaft. Es gibt keine Worte, um meine Wut und meine überwältigenden Gefühle auszudrücken, weder auf Georgisch noch auf Deutsch.

    Aber wenn die heutigen Ereignisse in den deutschen Medien behandelt würden, dann würde man sehen, dass das georgische Volk keinen Terror fürchtet und weiterhin vereint und unermüdlich für eine bessere Zukunft kämpft.

    Heute sind auch die europäischen Außenminister zur Demonstration gekommen und haben mit ihrer Unterstützung unsere Jugend noch mehr gestärkt.

    Zu deiner Frage: Wie geht es weiter? Ich sage dir, dass wir bisher nur Einwände gegen das Gesetz erhoben haben, jetzt wird lautstark der Rücktritt dieser prorussischen Regierung gefordert. Das ist nicht das Ende der Geschichte. Alles liegt noch vor uns.

    Im Weiteren haben wir uns darüber unterhalten, wie das gesammelte Geld nach Georgien transferiert werden kann, ohne uns als Absender zu demaskieren und dies als private Überweisung erscheinen zu lassen, wie sie alltäglich von im Ausland lebenden Georgiern vorgenommen wird. Über Details möchte ich hier nicht halböffentlich sprechen.

    Es würde mich freuen, wenn auch Sie bereit wären, mit einem kleinen Geldbetrag unseren georgischen Freundinnen und Freunden zu helfen. Es müssen Plakate, Flyer und Medienauftritte finanziert werden! Ich werde die Sache über unser Vereinskonto abwickeln. Entsprechende Spenden bitte unter dem Stichwort „Georgien“ auf unser Konto bei der Sparkasse Köln-Bonn anweisen:

    DE86 3705 0198 1902 2707 17

    Wir wissen nicht, ob diese Initiative die gewünschten Früchte trägt. Thomas Manns Ansprachen an Deutsche Hörer hatten am Ende keinen meßbaren Erfolg. Aber er blieb den Worten treu, die er an den Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn gerichtet hatte, sich darin als einen Menschen beschreibt, „dem immer gegeben war, sich auszudrücken, sich im Worte zu befreien, dem immer Erleben eins gewesen war mit reinigend bewahrender Sprache.

    Möge dieser „Geist“ Thomas Manns die liberalen und humanen Hoffnungen in Georgien stärken. Ich bitte, mir diesen bescheidenen „Hauch von Pathos“ nachzusehen. Ich denke, er ist diesem ernsten Thema angemessen und sollte auch am Fest der Geistausgießung gestattet sein…

    Mit besten Wünschen zu Pfingsten Ihr Peter Baumgärtner

    PS: Für die Veranstaltung im Excelsior sind bislang erst 11 Anmeldungen bei mir eingegangen.

  • Rundbrief Nr. 62 + Brief von Natia Tscholadze | Flyer 100 Jahre Der Zauberberg

    Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,

    beginnen will und muß ich mit unserem wundervollen Stammtischabend! Dreizehn Leute saßen an einem langen Tisch und unterhielten sich drei Stunden lang sehr angeregt, ohne Tagesordnung aber mit wechselnder Sitzordnung, alle verhielten sich frei und ungezwungen. Keine akademischen Höhenflüge, sondern einfach gebildete Leute unter sich mit einem gemeinsamen Lieblingsautor, auf den man sich aber keinesfalls beschränkte. So habe ich mir das Vereinsleben immer vorgestellt – und ich denke, die anderen Anwesenden auch. Ein nächster Termin wurde sogleich gesucht und gefunden: Wir sehen uns wieder am 19. August im Haus der Schlaraffia in der Schedestraße – ich werde nochmals daran erinnern!

    Bei dieser Gelegenheit machte Herr Prof. Hans Büning-Pfaue auf seine Führung „Pflanzen im Werk von Thomas Mann“ im Botanischen Garten beim Poppelsdorfer Schloß am Samstag, den 25. Mai um 16.00 Uhr aufmerksam. Er wird dabei unterstützt von unseren Vorstandsmitgliedern Frauke May-Jones und Dorothee von Hoerschelmann. Die Führung wird veranstaltet vom Freundeskreis Botanische Gärten Bonn – und nur über diesen ist eine Anmeldung möglich. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt und es sind nur noch wenige Karten übrig. Hier der Link zur Anmeldung:

    https://www.botgart.uni-bonn.de/de/freundeskreis/download/bestellformular-2024.pdf

    100 Jahre Zauberberg im Hotel Excelsior Ernst in Köln:

    Diesen Termin am 3. Juni mit Bernt Hahn am Lesepult kennen Sie bereits. Wie angekündigt, habe ich einen kleinen Flyer dazu entwickelt, den Sie im Anhang finden. Leiten Sie ihn gern an Freunde und Bekannte weiter, oder drucken ihn aus und verteilen ihn in dieser Form (jeweils drei auf einem Blatt!) Für diesen Abend sind schon einige Anmeldungen bei mir eingegangen. Daher nochmals die dringende Bitte, sich kurzfristig anzumelden. Ich werde den Flyer in wenigen Tagen auch in Kölner Buchhandlungen auslegen – ich möchte Herrn Hahn einen vollen Raum bieten und freue mich auf Ihr Kommen!

    Georgien

    Wie Sie sicher den Medien entnommen haben, hat die prorussische Regierung in Georgien ein Gesetz beschlossen, nachdem alle Einrichtungen, die aus dem Ausland Geldzuwendungen erhalten, unter Spionageverdacht gestellt und verboten werden können. Dies trifft auf den gerade gegründeten Thomas-Mann-Freundeskreis nicht zu. Dennoch ist die Empörung groß bei unseren liberal und freiheitlich gesinnten Partnern in Kuatissi und Tiblis. Lesen Sie hierzu den Brief von Natia Tscholadze im Anhang. Der Link führt zu einem Instagram-Filmchen, in dem der lautstarke Protest der insbesondere jungen Menschen gezeigt wird. Natia lud mich schon mehrfach ein, Sie und ihre Freunde in Georgien zu besuchen. Wir sollten beim nächsten Stammtisch darüber sprechen, ob wir eine gemeinsame Reise dorthin organisieren.

    Feuilleton

    Bernhard F. Schoch machte mich auf das Büchlein von Uwe Timm „Den Zauberberg neu lesen“ aufmerksam. Es erschien bereits 2012 im Verlag der Buchhandlung Klaus Bittner in Köln; es handelt sich um die Niederschrift eines Vortrags, den Timm in Augsburg gehalten hatte. Ich habe den Text mit Begeisterung gelesen; die Besonderheit an ihm ist Timms literarischer Zugang, seine Lust am Genuß der Sprache, und man glaubt wahrlich, diesen großen Roman neu zu entdecken. Klaus Bittner hat noch ein gutes Dutzend Exemplare des Buches auf Lager, ein Gutteil davon handsigniert. Besuchen Sie seine Buchhandlung – Sie werden ein famoses Sortiment vorfinden!

    Jean Améry und Thomas Mann

    Vor einigen Wochen war der uns wohlbekannte Hanjo Kesting in der Buchhandlung Böttger in Bonn und stellte sein bereits vor 10 Jahren erschienenes Buch „Augenblicke mit Jean Améry“ vor.

    Im langen Gespräch danach beim Wein schilderte uns Herr Kesting Jean Améry als sehr liebenswerten Menschen, dessen beinahe angekündigter Freitod ihn bis heute tief berührt. Der Blick aus diesem tiefzerfurchten Gesicht, in dem sich alles erlittene Leid wie auch sein brillanter Geist ausdrückt, bleibt jedem eingebrannt, der ihm begegnet ist.

    Kesting hob auch hervor, daß Améry sich intensiv mit Thomas Mann beschäftigte. Am ausführlichsten in seinem Text „Bergwanderung – Noch ein Wort zu Thomas Mann“.

    Dieses „Wort“ umfaßt 26 Seiten, und entstand 1975. Zum hundertsten Geburtstag des Dichters hatte man Améry um einen Text bedrängt, und er hebt an mit der Feststellung, daß eigentlich schon alles gesagt sei zu Thomas Mann, man alle Aspekte seines Werks schon durchleuchtet hätte – nicht ahnend, was in den nächsten 50 Jahren noch geschrieben werden würde…

    Améry legt seinen Text als literarische Metapher an, er benutzt das Bild einer Bergwanderung, dessen Gipfel unerreichbar ist und unergründlich, und dies, obgleich er seit 45 Jahren mit Manns Werk befaßt ist. Das Ganze ist der Versuch der Beschreibung einer unergründlichen Liebe. Mit dem geistigen Besteck seines geistigen Mentors Sartre bekommt Améry Mann nicht zu fassen, und große Denker wie Adorno nähmen sich ihm gegenüber aus wie „das »Schwätzerchen« Naphta neben dem keinen Satz zu Ende bringenden Peeperkorn.“

    Améry nähert sich Mann mit dem Dualismus „Weichheit und Majestät“ – eine wunderbare Passage des Textes, einem Bekenntnis zur Emotion, das Améry im gesamten Werk Manns ausfindig macht, anhand von vielen Figuren, doch die Liebste ist ihm Detlev Spinell mit seinem Satz: „Ich habe dieses Leben nicht gemacht, ich verabscheue es.“ Améry neidet es Thomas Mann, daß dieser bei aller „Sympathie mit dem Tode“ Lebensfunken daraus zu schlagen weiß, und dies eben in erster Linie mit den Waffen des Humors und der Ironie. Améry versteht diese Waffen gut zu beschreiben, versteht diese aber für sich nicht zu nutzen. Die Jahre im KZ und das Erleiden der Folter haben sie ihm zunichte gemacht. Doch gerade deshalb versucht Améry sich an Mann festzuhalten, der eben kein Denker war, sondern „träumerischen und unscharfen Geistes“. „Thomas Mann dachte mit Geist und Leib und Seele“ resümiert Améry und trifft damit den Punkt, dem alle Verehrer Thomas Manns fraglos zustimmen können.

    Wenn Améry von einem „letzten Wort“ zu Thomas Mann spricht, dann muß es zuvor andere gegeben haben. Ich machte mich auf die Suche und staunte, daß er Thomas Mann sehr häufig erwähnt, zuweilen nebenbei, oft an zentraler Stelle.

    Dies trifft insbesondere zu auf die Textsammlung „Unmeisterliche Wanderjahre“. Schon der Titel verrät: Die deutsche Literatur ist der wankende Grund, auf dem er stand. Aber nicht Goethe ist es, den er immer in gedanklicher Griffweite hat, sondern es ist Thomas Mann. In der Auseinandersetzung mit seiner eigenen Jugend bezeichnet Améry sich als Narr und fühlt sich in der „Schlafstroh-Jugend“ aus dem Faustus gut erfaßt. Im zweiten Kapitel, das die ersten Jahre nach 1933 beleuchtet, fällt der Satz: „… daß er, Thomas Mann, endlich, endlich auch sein Nein in allerschönsten Sätzen gesagt hatte, an den schweizerischen Würdenbold, an den Dekan der Universität Bonn…“

    Im letzten Kapitel der Wanderjahre versucht Améry die Strukturen seines Denkens und seiner Zeit zu erfassen. Ich maße mir nicht an, alles verstanden zu haben, aber erstaunlich auch hier sein Bezug zu Thomas Mann, und sei es nur um zum Ausdruck zu bringen, daß er die Gerätemedizin ablehne und den Rat eines Dr. Grabow vorziehen würde und lieber etwas Taube und Franzbrot essen. Bei der Erwähnung Leverkühns wird deutlich, daß Améry sich diesem seelenverwandt fühlt. Abseits der Welt in einer eigenen Sphäre der Geistigkeit. Hier liegt wohl die tiefe Sympathie mit Thomas Mann begründet – ich werde ihr weiter nachspüren.

    Auch Ihnen wünsche ich interessante literarische Entdeckungen und sage auf bald Ihr Peter Baumgärtner


    Brief von Natia Tscholadze

    Lieber Peter,

    es ist eine große Großzügigkeit von Dir und der gesamten Thomas-Mann-Gemeinschaft, in dieser schwierigen Zeit an mich zu denken. Hier herrscht wirklich Terror, eine unaufhörliche Konfrontation zwischen dem intelligenten georgischen Volk und der prorussischen Regierung. Was mich am meisten freut, ist, dass die gesamte georgische Jugend, einschließlich meines Sohnes, da ist und sich ihre Zukunft nicht nehmen lässt. Diese Regierung ist der Ausgangspunkt für alles, aber wir werden auch nichts aufgeben. Auch wenn es in Kutaissi Demonstrationen gibt, ist die Mehrheit der Bevölkerung nach Tiflis gekommen, deshalb sind sie bei uns nicht so groß. Ich möchte auch unbedingt nach Tiflis, aber leider ist mein Mann anderer Meinung, deshalb verfolge ich die Ereignisse nur im Fernsehen und im Internet.

    Außerdem kontaktieren mich mein Sohn und viele Freunde aus Tiflis über ihre Handys.

    Diese russische Barbarei in Georgien muss ein für alle Mal ein Ende haben. Das ganze georgische Volk ist bereits dieser Meinung. Jetzt hat die Regierung auch eine Demonstration zur Unterstützung dieses Gesetzes organisiert, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass alle, die dort waren, Beamte waren, die unter Androhung des Arbeitsplatzverlustes gezwungen wurden, an der Demonstration teilzunehmen. In der Nähe des Rathauses wurden Personenbusse eingesetzt. Dort waren alle „Unterstützer“ versammelt. Die Botschaften der Regierung wurden offiziell bestätigt und verteilt, mit genauen Anweisungen an bestimmte Personen: „1 Person aus jeder Familie“. Wegen unserer politischen Einstellung standen wir natürlich nicht auf diesen Listen. Aber sie schauen uns nicht freundlich an 🙂 Aber egal, diese Farce wird mit ihrer Herrschaft enden, der gesunde Menschenverstand wird nicht wieder unter dem russischen Stiefel zertrampelt werden. Das lassen wir nicht mehr zu. Es gibt Hoffnung, unsere europäischen politischen Freunde sehen deutlich die Selbstaufopferung des georgischen Volkes und sein Streben nach europäischen Werten.

    Was die Thomas-Mann-Gesellschaft in Georgien betrifft: Auch hier geben wir nicht auf, wir haben neue Mitglieder gewonnen. Am Sonntag ist das orthodoxe Osterfest in Georgien. Wenn das vorbei ist, werden wir alle zusammenkommen und neue Mitglieder aufnehmen.

    Ich arbeite gerade an einem Projekt, um die Geschichten von Thomas Mann in unseren Schulen zu fördern. Ich habe zwei Kurzgeschichten, die mit den Schülern erarbeitet werden. Das wird sehr interessant. Aber das alles nach dem Osterfest und auch nach dem friedlichen Ende dieser Unruhen.

    Vielen Dank für das Gedenken, die Unterstützung und die Ermutigung in dieser Zeit. Deine Natia

    PS: Ich habe wieder einen langen Brief verfasst 🙂

    https://www.instagram.com/reel/C6bZ02IMoxy/?igsh=MTNra3I5OW82MDNqeA==


    THOMAS MANN

    100 JAHRE
    DER ZAUBERBERG

    DER ORTSVEREIN BONN – KÖLN

    der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft

    lädt ein zur Lesung am 3.Juni ‘24 um 19.30 Uhr im Hotel

    EXCELSIOR ERNST

    es liest BERNT HAHN Anmeldung an baumgaertner@thomasmann-bonnkoeln.de

  • Rundbrief Nr. 61

    Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,

    es ist mir eine Freunde, Ihnen mitteilen zu können, daß unsere Matinee mit Janka Zündorf ein voller Erfolg war: Der wunderbare Wohnraum unserer großzügigen Gastgeberin Frau Ulrike Keim – der ich an dieser Stelle im Namen des Vereins nochmals ausdrücklich danken möchte – war voll besetzt, und der Vortrag von Janka Zündorf mit dem Titel „Metapher, Mythos, Heilmittel: Milch und Milchkuren in Thomas Manns Werk“ setzte alle Anwesenden in Erstaunen: Sie bewies einen großen Überblick auf das Gesamtwerk von Thomas Mann und ihr Vortrag war wunderbar strukturiert, sie beleuchtete ihren Gegenstand von allen Seiten: der Kulinarik, der Mystik, der Medizin, der Sexualität, und zeigte daran exemplarisch, wie Thomas Mann all dieses mitgebrachte und angelesene Wissen zu Kunstwerken verschmolz, und damit Zeugnisse der Kultur seiner Zeit erschuf, etwas das ihn von allen anderen Schriftstellern seiner Zeit unterschied. Wir waren angenehm überfordert, konnten beim anschließenden kalten Buffet mit Milch und Schampus noch einige Punkte mit ihr ansprechen und sind dennoch froh, daß ihr Vortrag im Jahrbuch erscheint: Genau da gehört er hin, neben die Vorträge der alten Profis von der Thomas Mann Tagung. Janka Zündorf ist Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes (ein Name, der sich etwas überlebt hat). Jedenfalls ist es eine Freude zu sehen, daß das Geld bei ihr gut angelegt ist, und ich freue mich darauf, von Ihr noch vieles zu hören und zu lesen.

    Stammtisch

    Bei unserer Mitgliederversammlung hatten wir beschlossen, einen regelmäßigen Stammtisch einzurichten. Die Terminfindung gestaltet sich wie immer schwierig. Mit all jenen, die Interesse angemeldet haben, habe ich versucht, mich abzustimmen, aber einer oder eine ist immer verhindert. Und dennoch haben wir einen Termin gesetzt: 7.Mai 2024 um 18.30 im Restaurant DelikArt im Bonner Landesmuseum unweit des Bahnhofs. Ich freue mich auf den unmittelbaren Austausch mit Ihnen in entspannter Atmosphäre. Zwei bitten: Bitte kündigen Sie ihr Kommen einige Tage vorher bei mir an, damit ich einen entsprechend großen Tisch reservieren kann – und bringen Sie einen kleinen Hunger mit, wenn jeder nur ein Glas Wasser trinkt, werden wir nirgends lange gelitten sein.

    100 Jahre Zauberberg im Hotel Excelsior Ernst in Köln:

    Diesen Termin am 3.Juni mit Bernt Hahn am Lesepult hatte ich bereits angekündigt. Ich werde hierzu noch einen Flyer entwickeln, den Sie mit dem nächsten Rundbrief erhalen. Auch hier meine Bitte um Anmeldungen. Ich möchte Sie als Mitglieder und langjährige Interessenten unsere Arbeit bevorzugen. Ab Mitte Mai werde ich in der Lengfeld’ schen Buchhandlung – keine fünf Minuten vom Excelsior entfernt – eben jene Flyer auslegen. Dieser wunderbare Laden hat genau das Publikum, das sich für unsere Arbeit interessieren und von der Existenz unseres Vereins erfahren könnte.

    Ich wünsche allerseits schöne Ostertage und sage auf bald Ihr Peter Baumgärtner

  • Rundbrief Nr. 60

    Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,

    am kommenden Sonntag den 10 März ist es so weit: Die Bamberger Studentin und Mitglied im Jungen Forum Janka Zündorf kommt nach Bonn. In einer Matinee um elf Uhr im Hause unseres Mitglieds Frau Ulrike Keim hält sie den Vortrag „Metapher, Mythos, Heilmittel: Milch und Milchkuren in Thomas Manns Werk“ zu Gast. In gekürzter Form konnten die Gäste der Internationalen Thomas Mann-Tagung in Düsseldorf ihren Vortrag bereits im Abendprogramm hören.

    In ihrer Ankündigung schreibt sie:

    ,,Es schimmerte weiße im Saale vor lauter Milch: an jedem Platz stand ein großes Glas, wohl ein halber Liter voll…“, heißt es im Zauberberg. Doch nicht nur hier, in beinah allen Werken Thomas Manns findet die Milch Eingang: Der ,,Erwählte“ Gregorius etwa saugt bei seinem Bußgang auf dem Felsen ,,Erdmilch“, den kränkelnden Großherzog Albrecht kann man geradewegs als passionierten Milchtrinker bezeichnen, im Faustus wird die Prostituierte Hetaera Esmeralda mit einer ,,Milchhexe“ assoziiert. Was es mit diesen Phänomenen auf sich hat, inwiefern hier Diskurse der Wende zum 20. Jahrhundert und metaphorische Überformungen Eingang finden, soll in diesem Vortrag umrissen werden. Schlaglichter sollen u.a. auch auf die ,,Blutmilch“, die ,,Milchbrüderschaft“ und das ,,Milchige“ als Atmosphärenbegriff geworden werden.

    Auch wenn ich sie schon in Düsseldorf gehört habe, bin ich sehr gespannt. Wie bereits angekündigt, ist der Platz im schönen Wohnzimmer von Frau Keim beschränkt. Es sind schon einige Anmeldungen bei mir eingegangen, daher hier nochmals die Bitte, dies unbedingt zu tun. Die Freunde unseres Ortsvereins bitte ich um Verständnis dafür, daß ich unsere Mitglieder nach oben auf die Liste setze, und dann leider Absagen erteilen muß, wenn die Liste zu lang wird.

    Weitere Vorankündigungen:

    Am 3.Juni sind wir im Hotel Excelsior-Ernst in Köln zu Gast. Im Gereons-Saal mit Blick auf den Dom wird Bernt Hahn aus dem Zauberberg lesen, wahrscheinlich aus dem Schneekapitel. Halten Sie sich den Abend frei. Weitere Details folgen.

    Die Thomas-Morus-Akademie in Bensberg veranstaltet am 4. und 5. Mai ein literaturgeschichtliches Seminar zum 100.Geburtstag eines Klassikers: Thomas Manns Zauberberg. Ich bin dann leider oder zum Glück in Urlaub. Es wäre schön, wenn unsere Ortsverein vertreten wäre. Dort trifft man immer wieder Menschen, die unseren Ortsverein nicht kennen.

    Im Mai wird uns Herr Prof. Büning-Pfaue wieder durch den Botanischen Garten führen. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

    Das Protokoll unserer Jahresmitgliederversammlung reiche ich in Kürze nach.

    Ich grüße allerseits in den Vorfrühling hinein und sage auf bald Ihr Peter Baumgärtner

  • Rundbrief Nr. 59

    Liebe Mitglieder des Ortsvereins Bonn-Köln der Deutschen Thomas-Mann- Gesellschaft, liebe Interessierte an unserer Arbeit,

    im Vorfeld der Jahresmitgliederversammlung verzichte ich auf einen Ausblick auf das Jahr 2024 und berichte nur über die beiden Veranstaltungen am vergangenen Wochenende, die ganz neue Erfahrungen und Chancen in unser Vereinsleben einbrachten.

    Zunächst zum literarisch-musikalischen Abend mit Johanna Krumstroh und Oli Bott.

    Leider brach an diesem Abend der Winter über uns herein verbunden mit Eisregen und Straßenglätte, sodaß von den rund 40 angemeldeten Personen nur rund 30 die Anreise wagten. Dies war ausgesprochen schade, da, wie ich am Ende den beiden Künstlern sagte, wir die Sprache Thomas Manns noch nie so eindringlich hatten erleben dürfen wie an diesem Abend. Johanna Krumstroh las den Text nicht, sie spielte ihn: sie gestikulierte, sie modulierte ihre Stimme, sie ahmte dialektale Färbungen nach – man versank im Geschehen!

    Frau Krumstroh war auf den Spuren von Gerda Arnoldsen, auf den Spuren der Musik in den Buddenbrooks und wurde kongenial begleitet vom Vibraphonisten Uli Bott aus Berlin. Uli Bott ist zuhause im Free-Jazz wie auch in der Klassik – beides stellte er unter Beweis: den sprachlichen Vortrag untermalte er mit zarten Klängen, stets die Dramatik der Szenen unterstreichend, und zwischen den Kapiteln schob er als Intermezzi Solostücke ein, an einer Stelle ein Violinkonzert von Bach – auf dem Vibraphon! Ganz neue Klangerlebnisse für uns alle.

    Die beiden spielten anderthalb Stunden ohne Pause, alle lauschten gebannt diesem Sprach- und Musikerlebnis und spendeten am Ende lang anhaltenden Beifall.

    Ein letztes Wort zum Haus an der Redoute: Ich bin sehr froh, von den Freunden des Schauspiels Bonn auf die Nutzungsmöglichkeit dieses wahrlich historischen Gebäudes (errichtet 1790) aufmerksam gemacht worden zu sein. Es bietet einen einfachen und dennoch prachtvollen Rahmen (die Familie Buddenbrooks hätte sich darin wohlgefühlt) und wir konnten es als Bonner Verein für kleines Geld anmieten. Dies wird noch öfter geschehen.

    Im Anhang an den Rundbrief sehen Sie Johanna Krumstroh und Oli Bott in Aktion.

    Noch einige Worte zum Seminar „Die Manns und die Männlichkeit“ in der Thomas-Morus-Akademie in Bensberg. Ich hatte mich angemeldet, da dort der von mir hochgeschätzte Thomas Wortmann als Referent auftrat. Er hielt erfrischend lebendige Vorträge zum Frühwerk der Manns mit dem besonderen Augenmerk auf die Darstellung von Männlichkeit. Man mag die Erkenntnis schlicht bezeichnen, daß insbesondere im Frühwerk Thomas Manns nur schwache, gebrochene und zerbrechliche Männerfiguren auftauchen. Ein sehr spannendes Thema, zumal auch in den Werken des dann schon berühmten Schriftstellers Thomas Mann eher schwache Männerfiguren im Mittelpunkt stehen, man denke an Hans Castorp und Adrian Leverkühn – und schon in den Buddenbrooks sitzen bekanntlich am Ende nur noch Frauen zusammen.

    Zu diesem Themenkomplex gab Thomas Wortmann zusammen mit Sebastian Zille 2016 den sehr lesenswerten Band „Homme fragile“ heraus, in dem Beiträge von insgesamt 15 Autoren zum Thema versammelt sind.

    Sein Co-Referent war Rolf Füllmann aus Köln; Er hatte einen Stapel von Fehldrucken seines Handbuchs zu Thomas Mann (in der Reihe Literatur kompakt) dabei, die er zu fünf Euro feilbot, und den Ertrag unserem Ortsverein als Spende überließ. Ich danke nochmals auf diesem Wege.

    Zum Abschluß empfehle ich Ihnen dringend, die Seminare der Thomas-Morus-Akademie wachsam im Auge zu behalten. Diese bietet ein außerordentlich interessantes Programm in einem gediegenen und gleichzeitig modernen Ambiente. Über eine Zusammenarbeit unseres Ortsvereins mit der Akademie wird nachgedacht.

    Ich wünsche Ihnen allseits alles Gute und an die Mitglieder unseres Ortsvereins gewandt wünsche ich mir, möglichst viele von Ihnen zu sehen bei unserer Mitgliederversammlung, herzlich Ihr Peter Baumgärtner


    Johanna Krumstroh und Oli Bott in Aktion